Deutscher Buchpreis – Longlist, Shortlist und Gewinner

Entdecken Sie die 20 nominierten Romane der Longlist und die sechs Finalisten der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2026. Lernen Sie die aktuellen Titel kennen und verfolgen Sie hier den Weg bis zum ausgezeichneten Gewinnerbuch.

Deutscher Buchpreis 2026

Aktueller Stand

Die Shortlist 2026 ist veröffentlicht

Sechs Romane stehen im Finale: Die Lücken (Shida Bazyar), Orca (Franziska Gänsler), Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle (Valeria Gordeev), Schleifen (Elias Hirschl), Selbstregulierung des Herzens (Peggy Mädler) und Anton und Alma (Dana Vowinckel). Die Preisverleihung folgt am 5. Oktober 2026 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse.

  1. Longlist

    11. August 2026

  2. Shortlist

    8. September 2026

  3. Preisverleihung

    5. Oktober 2026

So wird der Deutsche Buchpreis vergeben

Eine jährlich wechselnde, siebenköpfige Jury wählt in mehreren Stufen den deutschsprachigen Roman des Jahres. Aus allen zugelassenen Einreichungen entstehen zunächst Longlist und Shortlist.

  1. Auswahl

    Eingereichte Romane

    Die siebenköpfige Jury sichtet die zugelassenen deutschsprachigen Romane.

  2. Longlist

    20 nominierte Titel

    Die erste Auswahl zeigt die literarische Bandbreite des jeweiligen Jahres.

  3. Shortlist

    6 Finalist:innen

    Aus der Longlist bestimmt die Jury die sechs Romane der engeren Auswahl.

  4. Entscheidung

    1 Roman des Jahres

    Der ausgezeichnete Roman wird erst am Abend der Preisverleihung bekannt gegeben.

Die Holländerinnen

Gewinner 2025

Dorothee Elmiger mit ihrem Roman Die Holländerinnen – Gewinner des Deutschen Buchpreises 2025

Gewinner 2025

Im Dickicht der Geschichten

Dorothee Elmiger verwandelt eine Expedition ins Ungewisse in einen ebenso präzisen wie beunruhigenden Roman über Gewalt, Wahrnehmung und die Macht des Erzählens.

Eine namenlose Schriftstellerin nimmt die Einladung eines gefeierten Theatermachers an und reist mit dessen Ensemble in den tropischen Regenwald. Das Projekt soll das rätselhafte Verschwinden zweier Holländerinnen nachvollziehen. Doch aus der geplanten Rekonstruktion wird eine kollektive Grenzerfahrung: Wege verlieren sich, Rollen geraten ins Wanken, und die Geschichten der Reisenden drängen immer tiefer in die Gegenwart.

Elmiger erzählt vorwiegend in indirekter Rede und hält das Geschehen zugleich auf Abstand und unter Spannung. Berichte, Erinnerungen und Bilder überlagern sich, ohne eine beruhigende Wahrheit zu ergeben. Gerade darin liegt die Kraft des Romans: Die Holländerinnen fragt, was Kunst sich aneignet, wie Blicke Gewalt erzeugen und wann Erzählen selbst Teil jener Dunkelheit wird, die es zu vermessen versucht.

Hey guten Morgen, wie geht es dir?

Gewinner 2024

Martina Hefter mit ihrem Roman Hey guten Morgen, wie geht es dir? – Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2024

Gewinner 2024

Nähe im Zeitalter der Täuschung

Martina Hefter choreografiert einen Gegenwartsroman, in dem Pflegealltag, digitale Maskenspiele und das Bedürfnis nach Freiheit fortwährend ihre Rollen tauschen.

Juno lebt in Leipzig, arbeitet als Performance-Künstlerin und trägt einen großen Teil der Sorge für ihren an Multipler Sklerose erkrankten Mann Jupiter. In schlaflosen Nächten antwortet sie auf Nachrichten von Love-Scammern – nicht aus Naivität, sondern als bewusstes Spiel mit erfundenen Identitäten. Als Benu ihre Inszenierung durchschaut und sie die seine, entsteht zwischen beiden eine Verbindung, die sich einfachen Begriffen von Wahrheit und Betrug entzieht.

Hefter schreibt über Fürsorge, Begehren und ökonomische Abhängigkeit, ohne ihre Figuren moralisch festzulegen. Szenen aus dem prekären Alltag treffen auf Mythologie, Tanz und kosmische Bilder; Melancholie kann unvermittelt in Komik kippen. So wird der Roman selbst zur beweglichen Choreografie und stellt die entscheidende Frage nicht, wer hier wen täuscht, sondern ob Nähe vielleicht gerade dort beginnt, wo beide Seiten ihre Masken kennen.

Echtzeitalter

Gewinner 2023

Tonio Schachinger mit seinem Roman Echtzeitalter – Gewinner des Deutschen Buchpreises 2023

Gewinner 2023

Freiheit in einem System aus Regeln

Tonio Schachinger erzählt das Erwachsenwerden im Wiener Elitemilieu mit feiner Ironie, großer Empathie und einem hellwachen Blick auf die Gegenwart.

Till Kokorda besucht ein traditionsreiches Wiener Gymnasium, an dem Standesbewusstsein, Leistungsdruck und der autoritäre Lehrer Dolinar den Takt vorgeben. Während die Schule Literatur als Disziplinierungsinstrument behandelt, findet Till ausgerechnet im Strategiespiel Age of Empires II einen Raum eigener Regeln. Was sein Umfeld nicht ahnt: Mit fünfzehn gehört er bereits zur internationalen Spitze.

Schachinger spielt die analoge nicht gegen die digitale Welt aus. Beide erscheinen als Systeme von Macht, Wissen und Zugehörigkeit – nur lässt sich eines davon durchschauen, erlernen und gelegentlich überlisten. Aus Tills Schulzeit entsteht so weit mehr als ein Coming-of-Age-Roman: Echtzeitalter ist ein präzises Gesellschaftsporträt über Klasse, Bildung und institutionelle Gewalt, zugleich leicht erzählt, komisch und frei von jeder Herablassung gegenüber der Lebenswelt seiner Figuren.

Gewinner 2022

Kim de l’Horizon mit dem Roman Blutbuch – ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2022

Gewinner 2022

Schreiben als radikaler Befreiungsakt

Kim de l’Horizon macht Körper, Herkunft und Erinnerung zum Material eines Romans, dessen Sprache und Form sich jeder eindeutigen Zuschreibung entziehen.

Die nonbinäre Erzählfigur hat den Schweizer Vorort der Kindheit hinter sich gelassen und lebt in Zürich. Als die Großmutter, die „Großmeer“, an Demenz erkrankt, beginnt eine Rückkehr in die mütterliche Familiengeschichte: zu verschwiegenen Erfahrungen, vererbten Verletzungen und jener Blutbuche, die Schutzraum, Erinnerungsort und Gegenbild zur starren Abstammungslinie wird.

Blutbuch folgt dabei keiner festen Gattung. Plastische Szenen wechseln mit Briefen, Recherchen, Erinnerungen und essayistischen Passagen. Der Text sucht nicht nach einer endgültigen Identität, sondern nach einer Sprache, in der Körper und Begehren beweglich bleiben dürfen. Diese formale Unruhe ist kein Effekt, sondern Programm: Kim de l’Horizon schreibt gegen familiäre, soziale und geschlechtliche Zuschreibungen an – verletzlich und sinnlich, zornig und von großer poetischer Eigenständigkeit.

WISSEN & ORIENTIERUNG

Häufige Fragen zum Deutschen Buchpreis

Longlist, Shortlist, Jury und Auswahlverfahren verständlich erklärt.