Der Körper kehrt wieder

Gedichte | Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2023
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Inhaltsangabe

Maria Stepanova war schon vor dem internationalen Erfolg ihres ersten Prosawerks Nach dem Gedächtnis eine berühmte Autorin. Seit zwanzig Jahren hat sie die weltoffene Literaturszene Moskaus mitgeprägt und sich als produktive, experimentierfreudige Lyrikerin einen Namen gemacht, auch im angelsächsischen Raum. Die drei Langgedichte des vorliegenden Bandes, Erinnerungsarbeit in einer sich verdunkelnden Zeit, stehen in der Tradition der russischen und der amerikanischen Poesie der Moderne.

»Die Dichtung, dieses absurde, vieläugige / Wesen mit den vielen Mündern, / Lebt in vielen Körpern zugleich, / Ging durch viele Körper zuvor.« Stepanova lässt die Poesie als handelnde Gestalt auftreten: Wir hören und sehen, wie sie über die Schlachtfelder des 20. Jahrhunderts schreitet, ihr Ohr an die Erde legt, den Boden aufgräbt, in den die Körper der Gefallenen eingegangen sind. Eine zerbrochene Welt wird besichtigt, und jemand ist da, der oder die alle Teile einsammelt, aufliest – sie »liest« und neu zusammensetzt. Ein messianisches Projekt? Maria Stepanova geht es um die politische, die poetische und die erotische Dimension der Körper – und dass sie alle, die toten und die lebendigen, das gleiche Recht beanspruchen: von uns gesehen, von uns wahrgenommen zu werden.

Produktdetails
  • Erscheinungsdatum: 18.11.2020
  • Autor/Autorin: Maria Stepanova
  • Übersetzung: Olga Radetzkaja (aus dem Russischen)
  • Einband: Hardcover
  • Auflage: 1
  • Verlag: Suhrkamp
  • Sprache: Deutsch
  • Größe (L/B/H): 220/142/18 mm
  • Seitenanzahl: 138
  • ISBN: 9783518429679
Darum lohnt sich dieses Buch
  • Maria Stepanova ist die maßgebliche russische Gegenwartsautorin von weltliterarischem Rang
  • Repräsentative Auswahl ihres jüngsten dichterischen Werks: Spolien (2014), Krieg der Tiere und der Untiere (2015), Der Körper kehrt wieder (2018)
  • Eine Reaktion auf die neuen Kriege und die Deformation der Sprache durch nationalistische Hetze
Pressestimmen
»Es gibt einige eindrucksvolle Passagen, in denen Stepanova einzelne Zeilen aneinanderreiht, die wie Unterschriften in alten Fotoalben wirken.«
Christiane Pöhlmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. April 2021
»Es ist eine Kunst für sich, wie sich ... Sichtungen der eigenen Poetologie und sprachstarke Kritik am System Putin ganz und gar durchdringen. ... Olga Radetzkaja hat in ihren Übersetzungen den Umgang mit Rhythmus und Zitaten grandios nachgebildet.«
Nico Bleutge, Süddeutsche Zeitung, 24. März 2021
»Stepanowa betätigt sich ein weiteres Mal als poetische Archäologin: Sie legt Verschüttetes frei, besichtigt Trümmer, setzt zusammen, was das verheerende 20. Jahrhundert auf seinen Schlachtfeldern hinterlassen hat, in der Hoffnung auf Wiederkehr des Unwiederbringlichen. Ein grosses, geradezu utopisches Projekt, das die Autorin mit unbändiger Sprachkraft und unter Aufbietung ihrer immensen Belesenheit ins Werk setzt.«
Ilma Rakusa, Neue Zürcher Zeitung, 26. Januar 2021
»Der Körper kehrt wieder ist eine null verschwellte Exkursion, eine zugängliche Lyrik, die sich dennoch an Stellen rückhermetisiert, wo die Regler eventuell auf ›Pop‹ stehen könnten. Das Gespür spricht für Stepanova. Sehr lobenswert, dass der Band durchgängig zweisprachig abgedruckt worden ist.«
Jonis Hartmann, fixpoetry.de, 17. Dezember 2020
»Drei visionäre Langgedichte.«
Der Tagesspiegel, 15. Dezember 2020
»... tief, erhellend und amüsant zugleich.«
Marie Luise Knott, Deutschlandfunk, 11. Dezember 2020
»... die Übersetzerin versteht es vortrefflich, all die Wechsel der Tonlagen, der Metrik und der rhythmischen Bewegung von Stepanovas Gedichten dynamisch nachzubilden, ihre Übertragungen sind selbst von großer Poetizität.«
Michael Braun, Deutschlandfunk Kultur, 23. November 2020
»Als Lyrikerin nimmt Stepanova die Wörter in die Hand, bestaunt sie und macht aus ihnen etwas Neues.«
Sieglinde Geisel, SRF, 15. Mai 2020
»Literatur von größter Gedankenschärfe und Menschlichkeit.«
Natascha Freundel, NDR, 15. Mai 2020
»Stepanova ist Dichterin. Mit schwerelosem Zauberstab verwandelt sie Gedanken in Bilder und umgekehrt.«
Barbara Villiger Heilig, Republik, 15. Mai 2020
»Auch wer nicht Russisch spricht, wird die Schönheit dieser zweisprachigen Ausgabe zu würdigen wissen.«
SWR
Herstellerinformationen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de
Tel: +49 30 740 744 0

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Der Absprung

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Wie schreiben, wenn die Wörter im Mund zerfallen? Was tun, wenn das eigene Land nur noch für Tod und Zerstörung steht?

Die Schriftstellerin M., seit einigen Monaten im europäischen Exil, bricht ins Nachbarland auf – ein Festival hat sie zu Lesungen eingeladen. Die Reise ist voller Pannen: der vorgesehene Anschlusszug existiert nicht, das Ladekabel des Telefons geht verloren. Auf dem Grenzbahnhof in F. wartet niemand, der Kontakt zu den Veranstaltern ist abgebrochen.

Die Lage erfüllt sie mit Erleichterung. M. durchstreift die Stadt, und was ihr begegnet, sind lauter Freiheitsversprechen: ein Escape Room, ein Wanderzirkus, eine flüchtige Bekanntschaft – und am Ende die langersehnte Chance, ihre Identität loszuwerden und zu verschwinden. Aber kann das gelingen?

Die Geschichte spielt im Sommer 2023: Russlands Krieg gegen die Ukraine endet nicht. Metaphern und Anspielungen, von Thomas Hobbes bis Paul Bowles, durchziehen Stepanovas fesselnde, an Wahrnehmungen und Gedanken reiche Prosa. Hat sie, die Nabokov-Leserin, eine Einladung zur Selbst-Enthauptung geschrieben? Es bleibt an uns, den Leserinnen, ob wir ihren »Absprung« als Akt der Befreiung oder der Verneinung verstehen wollen.

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