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Autoren mit Pseudonym: Wer wirklich hinter bekannten Namen steckt

Zwei venezianische Karnevalsmasken mit Goldverzierung und Federschmuck auf dunklem Stoff

Ellen Sandberg heißt eigentlich Inge Löhnig, Dora Heldt trägt den Namen ihrer Großmutter, und hinter dem britischen Krimiautor Robert Galbraith steckt J. K. Rowling. Pseudonyme sind im Buchhandel weit verbreitet: Für den TKKG-Erfinder »Stefan Wolf« verzeichnet die Deutsche Nationalbibliothek über 80 Pseudonyme und damit mehr als für Voltaire. Wir haben zusammengetragen, wer hinter bekannten Buchnamen steckt, wie Rowling, Stephen King und Agatha Christie aufflogen und welche Pseudonyme bewusst geheim bleiben.

Alle Angaben stützen sich auf Verlagsangaben, Autorenwebsites, Interviews und die Gemeinsame Normdatei der Deutschen Nationalbibliothek, die bei vielen Pseudonymen den wirklichen Namen verzeichnet; aufgenommen sind nur Namen, die Beteiligte selbst öffentlich gemacht haben oder die die Nationalbibliothek führt, Stand 6. November 2026.

Welche bekannten Autoren schreiben unter Pseudonym?

Die Übersicht zeigt bekannte Fälle aus Deutschland und aus dem Ausland, jeweils mit dem Jahr, in dem das erste Buch unter dem zweiten Namen erschien. Die Geschichten hinter den Namen folgen weiter unten.

Bekannte Pseudonyme, wer dahintersteckt und in welchem Jahr das erste Buch unter dem Namen erschien; aufgenommen sind nur Namen, die Verlage, Autorinnen und Autoren selbst genannt haben oder die die Deutsche Nationalbibliothek führt, Stand 6. November 2026
Pseudonym Wer dahintersteckt Seit
Ellen Sandberg Inge Löhnig 2017
Dora Heldt Bärbel Schmidt 2006
Rebecca Gablé Ingrid Krane-Müschen 1995
Teresa Simon Brigitte Riebe 2015
Charlotte Lucas Wiebke Lorenz 2016
Anne Hertz Wiebke Lorenz und Frauke Scheunemann 2006
Anne Jacobs Hilke Sellnick 2014
Jan Seghers Matthias Altenburg 2004
Jean-Luc Bannalec Jörg Bong 2012
Caroline Bernard Tania Schlie 2016
Nele Löwenberg Nele Neuhaus 2014
Iny Lorentz Iny Klocke und Elmar Wohlrath 2003
Max Rhode Sebastian Fitzek 2015
Robert Galbraith J. K. Rowling 2013
Richard Bachman Stephen King 1977
J. D. Robb Nora Roberts 1995
Mary Westmacott Agatha Christie 1930
Lars Kepler Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril 2009
Nicci French Nicci Gerrard und Sean French 1997
Benjamin Black John Banville 2006
Lee Child Jim Grant 1997
John le Carré David John Moore Cornwell 1961
Fred Vargas Frédérique Audoin-Rouzeau 1986
Freida McFadden Sara Cohen 2013

Deutsche Autorinnen und Autoren mit zweitem Namen

Ellen Sandberg ist Inge Löhnig

Als Inge Löhnig schreibt sie seit 2008 Kriminalromane um Kommissar Dühnfort, als Ellen Sandberg seit 2017 spannende Familienromane. Den Grund nennt sie im Interview auf der Seite ihres Verlags Penguin ganz nüchtern: Erscheine ein neuer »Löhnig«, griffen die Fans blind zu und erwarteten den nächsten Dühnfort. Für das neue Genre sei ein Pseudonym deshalb besser gewesen. Dass ihr Roman »Rauhnächte« auf einem eigenen Buch von 2014 beruht, haben wir im Beitrag zu den Rauhnächten erzählt.

Dora Heldt ist Bärbel Schmidt

Dora Heldt hieß die Großmutter der Autorin, die selbst Bärbel Schmidt heißt, so berichtete es die Magdeburger Volksstimme im Oktober 2014. Den Ausschlag gab nach ihren Worten ihr Beruf: Sie war Verlagsvertreterin und wollte ihr erstes Manuskript anonym einreichen, damit ihre Kollegen nicht aus Nettigkeit einen Flop von ihr druckten. Ihr erster Roman »Ausgeliebt« erschien 2006, viele weitere mit Schauplatz Sylt folgten.

Rebecca Gablé ist Ingrid Krane-Müschen

Die Autorin der Waringham-Saga führt laut Deutscher Nationalbibliothek den bürgerlichen Namen Ingrid Krane-Müschen. Unter diesem Namen hat sie Romane übersetzt, etwa von Elizabeth George und Katie Fforde. Als Rebecca Gablé begann sie 1995 mit dem Krimi »Jagdfieber«, zwei Jahre später folgte mit »Das Lächeln der Fortuna« ihr erster historischer Roman.

Teresa Simon ist Brigitte Riebe

Ihr Verlag Heyne nennt Teresa Simon ausdrücklich das Pseudonym der promovierten Historikerin Brigitte Riebe. Unter eigenem Namen schreibt Riebe historische Romane, als Teresa Simon seit 2015 zeitgeschichtliche Frauen- und Familienromane, beginnend mit »Die Frauen der Rosenvilla«. Insgesamt ordnet ihr die Nationalbibliothek drei Pseudonyme zu.

Wiebke Lorenz ist Charlotte Lucas und eine Hälfte von Anne Hertz

Wiebke Lorenz arbeitet unter mehreren Namen. Als Charlotte Lucas veröffentlicht sie nach eigenen Angaben Romane im »bittersweet«-Ton, als Anne Hertz zusammen mit ihrer Schwester Frauke Scheunemann romantische Komödien; das erste Anne-Hertz-Buch »Glückskekse« erschien 2006. Die Nationalbibliothek führt bei Wiebke Lorenz sechs Namen mit dem Vermerk Pseudonym.

Anne Jacobs ist Hilke Sellnick

Hinter der Tuchvilla-Saga steht Hilke Sellnick. Die Nationalbibliothek verknüpft sie mit sechs Pseudonymen, darunter Anne Jacobs, Marie Lamballe und Leah Bach. Ihre historischen Romane erscheinen laut ihrem Verlag Penguin unter Pseudonym, die Danzig-Trilogie nennt der Verlag ein »Herzensprojekt« unter ihrem eigenen Namen.

Jan Seghers ist Matthias Altenburg

Der Krimiautor Jan Seghers, dessen Kommissar Marthaler in Frankfurt ermittelt, heißt Matthias Altenburg; das steht auf der Autorenseite seines Verlags Rowohlt. Altenburg hatte seit 1985 Romane und Essays unter eigenem Namen veröffentlicht, für seinen ersten Krimi brauchte er 2004 einen neuen. In einem Gespräch, das auf seiner Website steht, sagte er, er habe das Gefühl gehabt, in eine andere Haut schlüpfen zu müssen.

Jean-Luc Bannalec ist Jörg Bong

Der Erfinder von Kommissar Dupin trägt einen bretonischen Namen und stammt aus Bad Godesberg. Jean-Luc Bannalec sei der Künstlername von Jörg Bong, heißt es in den Dupin-Krimis von Kiepenheuer & Witsch; die Nationalbibliothek führt Bong als Literaturwissenschaftler und Verleger. Der erste Fall, »Bretonische Verhältnisse«, erschien 2012.

Caroline Bernard ist Tania Schlie

Romanbiografien wie »Frida Kahlo und die Farben des Lebens« schreibt Tania Schlie als Caroline Bernard, so steht es in den Vorschauen des Aufbau Verlags. Unter eigenem Namen hat die Literaturwissenschaftlerin Sachbücher veröffentlicht.

Nele Löwenberg ist Nele Neuhaus

Nele Löwenberg ist laut Ullstein der Mädchenname von Nele Neuhaus; unter diesem Namen erschien 2014 »Sommer der Wahrheit«, der Auftakt einer Trilogie außerhalb der Taunuskrimis. Wo die Bücher in ihrem Werk stehen, zeigt unsere Übersicht über alle Reihen von Nele Neuhaus.

Pierre Martin, Sophie Bonnet und Co.: Deutsche Krimis unter fremdem Namen

Wie Jean-Luc Bannalec mit der Bretagne schreiben mehrere Autorinnen und Autoren deutsche Krimis unter französischem oder portugiesischem Namen, vor allem über die Provence. Bei Pierre Martin, Sophie Bonnet und Pierre Lagrange schlägt Google die Frage, wer hinter dem Pseudonym steckt, von selbst vor.

Deutschsprachige Krimis unter französischem oder portugiesischem Pseudonym, in Klammern die Hauptfigur; wer dahintersteckt laut Verlagen und Deutscher Nationalbibliothek, Stand 6. November 2026
Pseudonym (Hauptfigur) Wer dahintersteckt Schauplatz
Jean-Luc Bannalec (Kommissar Dupin) Jörg Bong Bretagne
Sophie Bonnet (Pierre Durand) Heike Koschyk Provence
Jean Bagnol (Commissaire Mazan) Nina George und Jens Johannes Kramer Provence
Gil Ribeiro (Leander Lost) Holger Karsten Schmidt Algarve
Alex Lépic (Commissaire Lacroix) Alexander Oetker Paris
Pierre Lagrange (Albin Leclerc) nicht genannt, laut Verlag auch Tom Voss Provence
Pierre Martin (Isabelle Bonnet) nicht genannt Provence

Um Alex Lépic, den Erfinder des Pariser Commissaire Lacroix, wurde viel gerätselt. Laut dem Kampa Verlag berichtete der WDR von Gerüchten, die von Ulrich Wickert bis Sebastian Fitzek reichten, und die NZZ am Sonntag tippte sogar auf den Verleger. Die Auflösung lieferte Kampa: Lacroix stammt von Alexander Oetker, der unter eigenem Namen die Krimis um Luc Verlain in Aquitanien schreibt. Die Nationalbibliothek vermerkt, dass Geburtsjahr 1980 und Geburtsort Paris des Pseudonyms erfunden sind.

Sophie Bonnet nennt ihr Verlag Penguin nur das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin; die Nationalbibliothek und die Ankündigung einer Lesung in Leipzig 2018 nennen Heike Koschyk. Gil Ribeiro alias Holger Karsten Schmidt kam 1988 auf einer Interrail-Reise an die Algarve, so steht es in seinen Büchern bei Kiepenheuer & Witsch, und arbeitet sonst als Drehbuchautor. Bei Pierre Lagrange nennt S. Fischer keinen bürgerlichen Namen, verrät aber, dass derselbe Bestsellerautor als Tom Voss die Krimis um den Ermittler Nick Beck im Norden Hamburgs schreibt. Leicht verwechseln lassen sich die Namen aus der Provence: Pierre Martin schreibt über Madame le Commissaire Isabelle Bonnet, Sophie Bonnet über Pierre Durand. Wer hinter Pierre Martin steckt, sagt Droemer Knaur nicht, der Verlag spricht nur von einem Pseudonym.

Die meisten Pseudonyme: Was die Nationalbibliothek verzeichnet

Wie verbreitet zweite Namen sind, zeigt die Gemeinsame Normdatei, in der die Bibliotheken Personen und ihre Namen erfassen. Wir haben für eine Auswahl bekannter deutschsprachiger Autorinnen und Autoren ausgezählt, wie viele Namen dort mit dem Vermerk Pseudonym stehen, Schreibvarianten eingeschlossen. Klar vorn liegt Rolf Kalmuczak, der als Stefan Wolf die TKKG-Bücher schrieb: Sein Eintrag führt 85 solcher Namen und vermerkt, er sei unter mehr als 100 Pseudonymen tätig gewesen. Das sind mehr als für Voltaire, für den die Normdatei 66 verzeichnet, und gut dreimal so viele wie die 27 bei Georges Simenon. Dahinter folgen der Heftroman-Autor Jürgen Grasmück, bekannt als Dan Shocker, und Wolfgang Hohlbein mit je 12, Heinz G. Konsalik mit 10, der »John Sinclair«-Autor Jason Dark mit 9 sowie der Journalist Kurt Tucholsky mit 8 und Erich Kästner mit 7.

Zahl der Namen, die die Gemeinsame Normdatei der Deutschen Nationalbibliothek bei einer Person mit dem Vermerk Pseudonym führt, Schreibvarianten einzeln und doppelte Einträge einmal gezählt, ohne den Namen, unter dem die Person geführt wird; Auswahl deutschsprachiger Autorinnen und Autoren, Voltaire und Simenon zum Vergleich; eigene Zählung, Stand 6. November 2026
Autorin oder Autor Pseudonyme
Stefan Wolf, TKKG (Rolf Kalmuczak) 85
Voltaire, zum Vergleich 66
Georges Simenon, zum Vergleich 27
Dan Shocker (Jürgen Grasmück) 12
Wolfgang Hohlbein 12
Heinz G. Konsalik 10
Jason Dark, »John Sinclair« 9
Kurt Tucholsky 8
Erich Kästner 7
Anne Jacobs (Hilke Sellnick) 6
Iny Lorentz (Iny Klocke, Elmar Wohlrath) je 6
Brigitte Riebe 3
Caroline Bernard (Tania Schlie) 3

Hilke Sellnick und das Ehepaar hinter Iny Lorentz kommen auf je sechs Pseudonyme. Iny Klocke und Elmar Wohlrath zählen auf ihrer eigenen Website sogar zehn Namen auf, von Mara Volkers für fantastische Romane bis Hellmuth Klöckner für historische Kriminalromane; wer die beiden sind und wie 2003 mit »Die Kastratin« ihr Durchbruch kam, steht in unserem Beitrag zum Iny-Lorentz-Roman »Irene«. Die Normdatei bildet nur ab, was Bibliotheken erfasst haben: Für Karl May, der unter vielen Namen veröffentlichte, stehen dort zwei Pseudonyme in sieben Schreibweisen.

Enttarnt: Wie Rowling, King und Christie aufflogen

Im April 2013 erschien ein Krimidebüt: »The Cuckoo’s Calling« von Robert Galbraith, laut erfundener Autorenbiografie ein früherer Ermittler der britischen Militärpolizei. Rund 1.500 Exemplare waren verkauft, als die Sunday Times im Juli 2013 enthüllte, dass J. K. Rowling dahintersteckt. Verraten hatte es ein Partner ihrer Anwaltskanzlei im privaten Gespräch mit der besten Freundin seiner Frau; die Kanzlei spendete daraufhin an eine Soldatenstiftung, der Anwalt musste 1.000 Pfund Strafe zahlen. Den Namen wählte Rowling nach eigenen Angaben, weil Robert F. Kennedy ihr Held ist und sie als Kind gern Ella Galbraith geheißen hätte.

Stephen King flog schon Anfang 1985 auf, nach acht Jahren als Richard Bachman; wie ein Buchhändler aus Washington ihm auf die Spur kam, steht in unserem Beitrag über Kings Pseudonym Claudia Bachman. Den Grund für den zweiten Namen nennt King auf seiner Website: In der Branche habe damals ein Buch pro Jahr als das gegolten, was das Publikum hinnehme. Den Vornamen lieferte ein Roman von Richard Stark auf seinem Schreibtisch, den Nachnamen die Band Bachman-Turner Overdrive, deren Platte gerade lief.

Agatha Christie hielt ihr Geheimnis fast 20 Jahre. Als Mary Westmacott veröffentlichte sie ab 1930 Romane jenseits des Krimis; vier waren erschienen, als ihre Identität 1949 bekannt wurde, zwei weitere folgten 1952 und 1956. Mary war ihr zweiter Vorname, Westmacott der Name entfernter Verwandter, und einen der Romane, »Absent in the Spring«, schrieb sie nach eigener Aussage in drei Tagen.

Am kürzesten hielt das Geheimnis von Lars Kepler. Hinter dem schwedischen Thriller »Der Hypnotiseur« stand das Ehepaar Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril, das sein Manuskript anonym über eine Hotmail-Adresse an den eigenen Verlag geschickt hatte. Im August 2009 veröffentlichte die Zeitung Aftonbladet zehn Indizien, das Paar bestätigte. Für immer geheim bleiben sollte der Name, sagte Alexander Ahndoril dem US-Sender NPR, gehalten habe er drei Wochen. »Lars« ist eine Verbeugung vor Stieg Larsson, »Kepler« vor dem Astronomen Johannes Kepler.

Zu zweit unter einem Namen

Auch andere Paare schreiben unter einem gemeinsamen Namen. Hinter Nicci French, der Autorin der Frieda-Klein-Reihe, stehen die britischen Journalisten Nicci Gerrard und Sean French, ein Ehepaar, das seit 1997 gemeinsam schreibt. Der Name ist die weibliche Form ihrer beiden Namen, weil die Erzählerin des ersten Buchs eine Frau war, und zu ihren Regeln gehört, nie zu verraten, wer was geschrieben hat. Erik Axl Sund, der Name hinter der Victoria-Bergman-Trilogie um »Krähenmädchen«, steht für die Schweden Jerker Eriksson und Håkan Axlander Sundquist. In einem Interview erzählten sie, einer schreibe in blauer Schrift, der andere in roter, und fertiger Text werde schwarz.

Neuer Name, neues Kapitel

Nora Roberts schreibt seit 1995 als J. D. Robb Zukunftskrimis um die Polizistin Eve Dallas. Auf der offiziellen J.-D.-Robb-Seite wird das mit Pepsi, Diet Pepsi und koffeinfreier Pepsi verglichen: eine Marke, die neue Leser erreicht. Geplant war die »In Death«-Reihe als Trilogie, daraus wurde eine Serie mit Dutzenden Bänden, und ganz offengelegt hat der Verlag das Pseudonym erst 2001 mit Band 12.

Der irische Booker-Preisträger John Banville erzählte im März 2026 in der Irish Times, wie er 2006 zum Krimiautor Benjamin Black wurde. Zuerst wollte er sich nach dem Helden seines ersten Romans Benjamin White nennen. Sein Agent fand das zu blass und schlug Black vor, der Name stehe außerdem in alphabetisch sortierten Listen des Buchhandels weit vorn. Am ersten Tag als Black schrieb er nach eigenen Worten bis zum Mittag 2.000 Wörter.

Michael Crichton bezahlte als John Lange sein Medizinstudium in Harvard: Zwischen 1966 und 1972 erschienen acht Taschenbuchthriller unter diesem Namen, geschrieben in den Ferien und an Wochenenden, wie Crichton selbst erzählte. Lee Child, der Erfinder von Jack Reacher, heißt Jim Grant. Mit 40 verlor er seine Stelle beim britischen Fernsehsender Granada, kaufte für sechs Dollar Bleistifte und Papier und begann seinen ersten Roman. Den Namen verdankt er einem Familienwitz über einen Amerikaner, der den Renault »Le Car« als »Lee Car« aussprach. Im Regal steht er damit zwischen Raymond Chandler und Agatha Christie.

Augenzwinkernd ging Sebastian Fitzek vor. Max Rhode ist eine Figur aus seinem Thriller »Das Joshua-Profil«, ein erfolgloser Schriftsteller, dessen Debüt »Die Blutschule« 2015 tatsächlich erschien. Bastei Lübbe löste schon in der Leseprobe auf, wer hinter dem angeblich anonymen Autor steckt; wo Max Rhode in Fitzeks Werk steht, zeigt unsere Fitzek-Reihenfolge.

Geheimdienst, Labor, Klinik: Wenn der Beruf im Weg steht

John le Carré hieß David John Moore Cornwell, und das Pseudonym war Pflicht: Als Angehöriger des britischen Geheimdienstes musste er einen anderen Namen wählen, erzählte er 1989 in einem Radiointerview. Sein Verleger riet ihm zu zwei kurzen angelsächsischen Silben wie »Chunk Smith«, er entschied sich für das Gegenteil und gab später zu, selbst nicht zu wissen, woher der Name stammt.

Fred Vargas, die Erfinderin von Kommissar Adamsberg, ist die französische Archäozoologin Frédérique Audoin-Rouzeau. Ihr erster Krimi fiel laut der Encyclopædia Universalis in die Zeit ihrer Bewerbung beim Forschungszentrum CNRS, und die Kritiker hielten sie anfangs für einen Mann. Den Namen Vargas teilt sie mit ihrer Zwillingsschwester, die als Jo Vargas malt, eine Verbeugung vor Ava Gardners Rolle in »Die barfüßige Gräfin«.

2026 lüftete Freida McFadden ihr Geheimnis selbst: Am 8. April nannte die Thrillerautorin in USA Today ihren bürgerlichen Namen, Sara Cohen, wie wir im Beitrag zu »Der Unfall« berichtet haben. Den Vornamen hatte sie einer US-Datenbank für ärztliche Weiterbildungsstellen entlehnt, der Fellowship and Residency Electronic Interactive Database, kurz Freida, erzählte sie 2025 der britischen Times.

Diese Pseudonyme bleiben geheim

Manche Namen bleiben mit Absicht ein Rätsel. Elena Ferrante, die Autorin der Neapolitanischen Saga um »Meine geniale Freundin«, veröffentlicht seit 1992 und hat ihren bürgerlichen Namen nicht selbst genannt, Stand November 2026. Schon 1991 schrieb sie ihrer Verlegerin, Bücher brauchten ihre Autoren nicht mehr, sobald sie geschrieben seien. Auch Ali Hazelwood hält ihren bürgerlichen Namen zurück, wie wir zur Fortsetzung von »The Love Hypothesis« beschrieben haben. Den Thriller »Noch fünf Tage«, 2026 bei Suhrkamp erschienen, hat laut Verlag eine Autorin unter dem Pseudonym Helena Falke geschrieben; ihren Namen nennt der Verlag nicht.

Unter den Suchanfragen, über die Leserinnen und Leser auf unsere Seiten kommen, tauchen Namen mit dem Zusatz »Pseudonym« auf, bei denen Verlag oder Nationalbibliothek zumindest bestätigen, dass es eines ist. Sophie Zach, Autorin der Romanreihe »Die Bergwacht«, ist laut Rowohlt das Pseudonym einer erfolgreichen Autorin. Elisa Corti, die Lombardei-Krimis bei Lübbe schreibt, ist laut Verlag das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin. Auch der Name Mareike Busch auf dem Roman »Vergiss nicht zu tanzen, Hanna« ist laut Nationalbibliothek ein Pseudonym. Wer dahintersteht, ist nicht öffentlich, und das respektieren wir.

Klassiker: Von George Eliot bis Mark Twain

Pseudonyme sind so alt wie der moderne Buchmarkt. Mary Ann Evans schrieb ab 1857 als George Eliot; ein Pseudonym bringe alle Vorteile des Ruhms ohne seine Unannehmlichkeiten, schrieb sie ihrem Verleger, und George war der Vorname ihres Lebensgefährten George Henry Lewes. Charles Lutwidge Dodgson übertrug seine Vornamen ins Lateinische, drehte die Reihenfolge um und machte daraus Lewis Carroll. Eric Arthur Blair verband für George Orwell den Namen des damaligen Königs mit einem Fluss seiner Gegend, und Samuel Langhorne Clemens nahm mit Mark Twain den Ruf der Mississippi-Lotsen für zwei Faden Wassertiefe, er war selbst Lotse gewesen.

Warum schreiben Autoren unter Pseudonym?

Die Gründe wiederholen sich: ein Genrewechsel, mehr Bücher im Jahr, der Schutz des Berufs, Vorurteile gegen Autorinnen und der Wunsch nach einem Neustart. Beim Genrewechsel geht es um Bücher, die die Fans des bekannten Namens nicht erwarten, wie bei Ellen Sandberg, J. D. Robb und Benjamin Black. In den späten Siebzigerjahren spielte auch der Takt der Verlage eine Rolle, Stephen King konnte mit zwei Namen zwei Bücher im Jahr herausbringen. Andere schützen ihren Beruf, vom Geheimdienstler le Carré bis zur Ärztin McFadden.

Frauen griffen lange zu männlichen oder neutralen Namen. Die Schwestern Brontë veröffentlichten als Currer, Ellis und Acton Bell, weil Autorinnen nach Charlotte Brontës Worten mit Vorurteilen rechnen mussten. Manchmal steht ein neuer Name auch für einen Neustart nach schwachen Verkäufen, das Wall Street Journal beschrieb 2005 Autorinnen und Autoren, die so ihre Karriere neu beginnen wollten. Paare wie Nicci French erfinden sich schließlich eine dritte Person, die keiner von beiden allein ist.

Unsere Empfehlung: So erkennst du ein Pseudonym

Ob hinter einem Namen jemand anderes steckt, verrät oft das Buch selbst. Viele Verlage schreiben es in die Autorenbiografie der Leseprobe, häufig mit der Formel »Pseudonym einer erfolgreichen Autorin«, und im Impressum stehen manchmal Hinweise auf frühere Ausgaben unter anderem Namen. Die zweite gute Adresse ist der Katalog der Deutschen Nationalbibliothek: In der Personenansicht stehen Pseudonyme und, wenn bekannt, der wirkliche Name. Spricht ein Verlag nur von einer »erfolgreichen Autorin«, ist das meist Absicht, und dann gehört der Name zum Buch wie sein Titel.

Stand: 6. November 2026. Deutsche Autorinnen und Autoren: Verlagsangaben von Penguin, Heyne, Rowohlt, Droemer Knaur, Ullstein, Kiepenheuer & Witsch, Aufbau und Bastei Lübbe (Autorenseiten, Leseproben, Vorschauen), Websites von Wiebke Lorenz, Jan Seghers, Rebecca Gablé sowie Iny Klocke und Elmar Wohlrath; Dora Heldt: Volksstimme (9. Oktober 2014); Pseudonyme, wirkliche Namen, erste Titel und Zählung: Gemeinsame Normdatei (GND) und Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, eigene Auswertung; Krimis unter fremdem Namen: Penguin, GND und Ankündigung einer Lesung bei Lehmanns in Leipzig (Juni 2018) zu Sophie Bonnet, S. Fischer zu Pierre Lagrange und Tom Voss, Droemer Knaur zu Jean Bagnol und Pierre Martin, Kiepenheuer & Witsch zu Gil Ribeiro, Kampa Verlag (mit WDR und NZZ am Sonntag) und GND zu Alex Lépic, Suhrkamp zu Helena Falke, Google-Suchvorschläge (Abruf 6. November 2026); Rowling: BBC (14. Juli 2013), robert-galbraith.com, Law Society Gazette, TODAY (31. Juli 2013), ABA Journal; King: stephenking.com (FAQ), Bangor Daily News; J. D. Robb: jdrobb.com, noraroberts.com; Christie: agathachristie.com, Christie-Archiv der Universität Exeter; Lars Kepler: larskepler.com, Aftonbladet, NPR (11. Juli 2011); Nicci French: The Guardian (12. August 2018); Erik Axl Sund: Penguin Random House, Washington Independent Review of Books (12. Juli 2016); Banville: Irish Times (9. März 2026); Crichton: michaelcrichton.com, Titan Books; Lee Child: Penguin India; le Carré: NPR Fresh Air (Interview von 1989); Fred Vargas: Encyclopædia Universalis; McFadden: USA Today (8. April 2026) nach Kirkus Reviews, People; Ferrante: Brief an ihre Verlegerin von 1991 (Electric Literature); Fitzek: Leseprobe Bastei Lübbe (2015), sebastianfitzek.de; Eliot, Brontë, Carroll: Briefe und Biografien bei Project Gutenberg, MacTutor; Orwell: The Orwell Foundation; Twain: »Life on the Mississippi«; Neustart-Pseudonyme: Wall Street Journal nach Shelf Awareness (8. November 2005); Aufmacherbild: venezianische Karnevalsmasken (pxhere, Wikimedia Commons, CC0).

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