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Inhaltsangabe
Gegen Ende des 12. Jahrhunderts erschien in Südfrankreich ein kleiner Traktat mit dem Titel Bahir (Licht). Dieser Traktat, das erste Dokument der Kabbala, verkündete wie mit einem Paukenschlag eine unerhört neue Sicht der Gottheit: Gottes Wesen besteht danach nicht nur aus zehn Potenzen, sondern eine von diesen Potenzen ist auch dezidiert weiblich.
Peter Schäfer zeichnet zunächst die Vorgeschichte dieser Vorstellung von der biblischen Weisheitstradition bis zum Mittelalter nach und fragt dann gezielt nach den Gründen, warum sie ausgerechnet im mittelalterlichen Frankreich ihren ersten Höhepunkt erreichte. Die überraschende Antwort: Judentum und Christentum entdeckten die Weiblichkeit Gottes im 12. Jahrhundert fast zeitgleich wieder neu – das Christentum in einer geradezu explodierenden Marienverehrung und das Judentum in der Betonung einer weiblichen „Inkarnation“ Gottes, die sich auf die Erde begibt und als Mittlerin zwischen Gott und seinen Geschöpfen fungiert. Im Unterschied zu dem in der Forschung vorherrschenden Trend, wonach die Wurzeln für die weibliche Dimension Gottes in der spätantiken Gnosis zu suchen seien, entwirft das Buch das Modell eines fruchtbaren interreligiösen Austausches zwischen Judentum und Christentum, jenseits gängiger Klischees von einer ewigen Verfolgungs- und Leidensgeschichte. Aus gemeinsamen Quellen gespeist, entwickelten sich Judentum und Christentum nicht ständig immer weiter auseinander, sondern verfolgten im Gegenteil neue und kühne Ideen, die beiden Religionen gemeinsam sind.
Produktdetails
Erscheinungsdatum: 24.09.2008
Autor/Autorin: Peter Schäfer
Einband: Hardcover
Auflage: 1
Verlag: Verlag der Weltreligionen
Sprache: Deutsch
Größe (L/B/H): 180/112/27 mm
Seitenanzahl: 387
ISBN: 9783458710134
Herstellerinformationen
Insel Verlag Anton Kippenberg GmbH & Co. KG Torstr. 44 10119 Berlin DE
Die Geschichte der jüdischen Mystik vor der Kabbala ist erstaunlicherweise bislang noch nicht geschrieben worden. Peter Schäfer füllt mit diesem Buch, das mit seiner gut verständlichen Sprache nicht nur für Spezialisten gedacht ist, die Lücke. Beginnend mit der Thronwagenvision des Propheten Ezechiel reicht der Bogen über die Henochschriften, Qumran, Philo von Alexandrien und die rabbinische Literatur bis zur sogenannten Merkava-Mystik. In genauer und einfühlsamer Lektüre der einschlägigen Texte wird der Frage nachgegangen, was sie uns über die uralte menschliche Sehnsucht vermitteln wollen, Gott nahezukommen. Das Werk bildet die Synthese eines Autors, der sich ein Leben lang mit diesem Thema befaßt hat.
Antisemitismus ist wieder sichtbar, teils offen, teils versteckt hinter »unbedachten« Äußerungen und Israelkritik. Doch wo beginnt der Antisemitismus, und wie neu ist, was wir heute erleben? Peter Schäfer beschreibt klar und konzise, wie sich seit der Antike antisemitische Stereotype verbreiteten, zu Verfolgung und Vernichtung führten und auch nach der Shoah virulent sind. Sein umfassender, souveräner Überblick macht eindringlich deutlich, warum der Antisemitismus so alt und zugleich so aktuell ist.
DIE ERSTE GROßE GESCHICHTE DES ASCHKENASISCHEN JUDENTUMS
Aschkenas: So nannten die seit dem Mittelalter in Europa ansässigen Juden ihr Siedlungsgebiet vor allem in Deutschland. Peter Schäfer bietet mit diesem Buch erstmals einen auf archäologischen und schriftlichen Quellen basierenden Überblick über Herkunft und Blüte des aschkenasischen Judentums und seinen erzwungenen Weg nach Osteuropa. Seine glänzende Darstellung umfasst mehr als 2000 Jahre jüdischer Geschichte, von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, und wird für lange Zeit Maßstäbe setzen.
Ein Edikt des Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 betrifft die Juden in Köln, doch erst für die Zeit um das Jahr 1000 sind jüdische Gemeinden in Köln, Mainz, Speyer, Worms, Regensburg, Prag oder Frankfurt sicher belegt. Woher kamen diese Juden? Wie waren ihre Gemeinden organisiert? Wovon lebten sie, und welche Beziehungen pflegten sie zu ihrer christlichen Umgebung? Peter Schäfer kennt wie kaum ein anderer die Schriften des mittelalterlichen Judentums und beschreibt auf ihrer Grundlage jenseits der bis heute verbreiteten Klischeevorstellungen den Alltag und die mystisch geprägte Frömmigkeit der aschkenasischen Juden. Er erzählt von den Verfolgungen und Vertreibungen im Spätmittelalter, der erneuten Blüte jüdischen Lebens in Polen, Litauen und Russland und vom Weg der Juden in eine ambivalente Moderne, die Emanzipation versprach und Vernichtung brachte. Seither liegen die Zentren des aschkenasischen Judentums in den USA und Israel, doch seine Wurzeln reichen weit in das europäische Ostjudentum, in das mittelalterliche Deutschland und in die Antike zurück.
"Peter Schäfer ist heute der international führende Fachmann für das jüdische Leben von der Antike bis ins Mittelalter." Hermann Parzinger anlässlich der Aufnahme Peter Schäfers in den Orden Pour le Mérite, 2021
Peter Schäfers Opus magnum auf der Grundlage jahrzehntelanger Quellenforschung
Wunderbar klar und verständlich geschrieben
Vom Glauben an den Golem bis zum ersten Ghetto: Leben und Frömmigkeit der Juden im Mittelalter
Von der jüdischen Aufklärung bis zum Zionismus: Ein neuer Blick aus der Perspektive des Ostjudentums
Mystik, Magie, Weisheit: Geschichte und Gegenwart der Kabbala
"Kabbala" bedeutet den Empfang eines exklusiven Wissens. Gemeint sind die "Geheimnisse der Tora", "wahre Weisheit", magische Techniken oder auch - aber nicht nur - das mystische Wissen um eine verborgene göttliche Ordnung. Peter Schäfer erzählt die Geschichte der Kabbala von den biblischen Grundlagen über die mittelalterliche Blüte bis zur Rezeption der Kabbala im osteuropäischen Chassidismus und im New Age. Sein souveräner Überblick setzt der von Gershom Scholem geprägten Verengung der Kabbala auf "jüdische Mystik" erstmals ein neues, umfassenderes Verständnis entgegen.