Als Amanda in ihr Dorf in den Abruzzen zurückkehrt, erkennt ihre Mutter sofort, dass etwas nicht stimmt. In den ersten Tagen in Mailand hatte ihre Tochter den Glanz der Stadt in den Augen, doch jetzt scheint sie nur noch verschwinden zu wollen. Besorgt nimmt Lucia das Schweigen Amandas wahr und erinnert sich an jene Nacht vor dreißig Jahren, in der nur ein Zufall sie vor dem Schlimmsten bewahrt hat.
Unter dem Wolfszahn, auf dem Land, das ihrer Familie gehört und für das sich jetzt ein Immobilienspekulant interessiert, finden sich noch die Überreste des Campingplatzes, auf dem sich vor vielen Jahren das Schreckliche ereignet hat. Alle waren an jenem Abend hier versammelt: die Hirten, die Besitzer des Campingplatzes, die Jäger, die Carabinieri, die Alten und die Jungen, das ganze Dorf. Alle, außer den Mädchen, die schon nicht mehr existierten …
Ausgezeichnet mit dem
Premio Strega 2024 und dem
Premio Strega Giovani 2024
Produktdetails
Erscheinungsdatum: 17.10.2024
Autor/Autorin: Donatella Di Pietrantonio
Übersetzung: Maja Pflug (aus dem Italienischen)
Einband: Hardcover
Verlag: Kunstmann, A
Sprache: Deutsch
Seitenanzahl: 224
ISBN: 9783956146213
Darum lohnt sich dieses Buch
Rau und zärtlich erzählt Di Pietrantonio von einer Familie in den Abruzzen und von der Welt als einem unsicheren Ort.
Ausgezeichnet mit dem
Premio Strega 2024 und dem
Premio Strega Giovani 2024
Pressestimmen
»Donatella Di Pietrantonio erzählt diese Geschichte mit Mitteln, die in der zeitgenössischen Literatur immer seltener – und deshalb umso wichtiger – werden: Demut, Feingefühl, Respekt und Empathie für die Figuren und die Fähigkeit, zuzuhören.«
La Stampa
»Ich verspreche, dass ich mich in Wort und Schrift für die Rechte einsetzen werde, für die meine Generation von Frauen so hart gekämpft hat und die ich heute nicht mehr für selbstverständlich halte." Donatella Di Pietrantonio bei der Verleihung des Premio Strega«
»'Die zerbrechliche Zeit' ist ein Buch, das gleichzeitig fasziniert und beunruhigt. Dieses Buch ist hart und rau wie die Hirten, die es bevölkern.«
Corriere della Sera
»Niemand kann von der ländlichen Welt so erzählen wie sie. Diese Realität besteht aus kurzen, wie mit einer Axt geschlagenen Sätzen, und aus Menschen, die kaum zärtlich sind – nicht weil sie damit geizen, sondern aus einer unauslöschlichen tief verankerten Bescheidenheit heraus.«
La Repubblica
»Mit ihrem Eintreten für Frauenrechte stellt sich Donatella di Pietrantonio in die lange Tradition von italienischen Autorinnen, die unerschrocken und klar Stellung bezogen haben und Vorreiterinnen im Kampf um weibliche Selbstbestimmung gewesen sind.«
Karen Krüger, EMMA
»Es ist ein bisschen wie mit diesen bequemen Sesseln, in die man leise aufseufzend hineinsinkt, um sich die nächsten zwei bis drei Stunden nicht wieder zu erheben. Es ist, als käme man nach Hause. Den gemessenen Tonfall der Ich-Erzählerin bildet Maja Pflug meisterhaft nach. Effektvoll verwirbelt Di Pietrantnonio die Handlungsfäden, verzahnt Zeitebenen und untergräbt das Wohltemperierte ihrer Protagonistin.«
Maike Albath, SZ
»Jeden einzelnen ihrer Sätze scheint sie zu destillieren, alles Überflüssige zu verdampfen, bis sie in ihren schmalen Büchern eine hochkonzentrierte Essenz verabreicht. … Sie begleitet ihre Figuren mit warmherziger Empathie. Di Pietrantonios Protagonistinnen – immer Frauen – müssen sich im Konflikt zwischen konservativer Rollenerwartung und den Ansprüchen der Arbeitswelt behaupten.«
Birgit Schönau, Zeit
»Allein schon, wie die Mutter ihre Sorgen hier offenbart, dürfte bei vielen Leserinnen Widerhall finden. Spannend, düster, beklemmend.«
Irmtraud Gutschke, Freitag
»Meine Stimmung beim Lesen war atemlos, ich konnte den Roman kaum aus den Händen legen.«
Jana Kühn, Büchermagazin
»Neben dieser sorgfältig austarierten Beziehungs-Arithmetik schafft Donatella Di Pietrantonio eine Menge Nervenkitzel. Wenn sie von dem Mordfall erzählt, erreicht sie eine beklemmende Spannung. Es ist ein subtiles und zugleich suggestives Buch über die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz.«
Franziska Wolffheim, Tagesspiegel
»Mich hat an diesem Roman diese wunderschöne Lakonie beeindruckt; es ist analytisch schwer zu beschreiben - aber das Buch hat mich sehr berührt, es hat beim Lesen emotional sehr viel mit mir gemacht. Für mich hat dieses Buch wirklich so ein Schweben. Es hat so eine angenehme Stille; wir sind ja in so einer dauerlauten Zeit und dieses Buch hat mich so für sich eingenommen, weil so eine große Ruhe von ihm ausgeht.«
Thea Dorn, Literarisches Quartett U21
»Von der ersten Zeile an gibt man sich dem einschmeichelnden Rhythmus hin, verfällt dem Sog der Ereignisse, folgt der vertrackten Mutter-Tochter-Dynamik, lässt sich über schwärmerische Freundinnenschaft, die patriarchalen Verhältnisse in den Abruzzen, die wilde Bergwelt und die Gepflogenheiten der Schäfer unterrichten.«
Maike Albath, SZ
Herstellerinformationen
Verlag Antje Kunstmann GmbH Zweigstraße 10 80336 München DE
»Dieses Buch hat mich tief getroffen, mir geradezu die Sprache verschlagen.« (Michela Murgia)
Im Dorf nennen sie alle nur »Arminuta«, die Zurückgekommene. Aber warum hat man das dreizehnjährige Mädchen zu seinen leiblichen Eltern zurückgeschickt? Mit einem Koffer wurde sie bei einer ihr unbekannten Familie abgeliefert. Dort scheint niemand auf sie gewartet zu haben. Alles ist fremd, die Armut, der Schmutz, die harten Worte. Während sie einen Weg zurück in ihr behütetes Leben sucht, entwickeln sich neue Bindungen und sie beginnt zu verstehen, wie viele Facetten die Liebe haben kann.
Ein eindringlicher Roman über eine Familie, die nach dem Erdbeben von L'Aquila ihren Weg zurück ins Leben sucht - eine Elegie auf Verlust und Schmerz, aber auch auf den Mut, sich neu zu erfinden.
Als »Bella mia« besingt ein Volkslied die Stadt L’Aquila in den Abruzzen – 2009 legt ein Erdbeben sie in Schutt und Asche, tötet Menschen, reißt Familien auseinander.
In einer der Behelfsunterkünfte, die bald die einzige Normalität darstellen, versuchen drei Menschen, den Weg zurück ins Leben zu finden: die Erzählerin Caterina, deren Zwillingsschwester Olivia umkam, als sie noch kurz in das einstürzende Haus zurücklief, Marco, Olivias heranwachsender Sohn, der nach dem Verlust niemanden mehr an sich heranlässt, und die alte Mutter, die sich um alle kümmern will und doch selbst am meisten Hilfe braucht.
Wie soll man einem schweigsamen, störrischen Jugendlichen plötzlich Ersatzmutter sein, wie den eigenen Gefühlen wieder trauen und die Sicherheit finden, sich auf Neues einzulassen? Behutsam, über kleine Gesten und auf ganz unterschiedlichen Wegen finden die drei allmählich aneinander Halt und den Mut, der Willkür und Vernachlässigung durch die Behörden zu trotzen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ein eindringlicher Roman über Verlust und verschüttete Gefühle, aber auch über die Kraft, sich neu zu erfinden.
Das Leben der beiden Schwestern könnte unterschiedlicher nicht sein: Adriana lebt prekär in Borgo Sud, dem heruntergekommenen Hafenviertel von Pescara, ihre Schwester lehrt an der Universität in Grenoble. Eines Tages erhält sie einen Anruf, dass Adriana, die Jüngere, die Wilde, nach einem Sturz vom Balkon lebensgefährlich verletzt auf der Intensivstation liegt. Der Anruf löst eine Flut von Erinnerungen aus: an die Nacht, in der Adriana mit einem Baby auf dem Arm vor ihrer Tür stand, an deren Liebe zum jungen Fischer Rafael, für den sie die Schule geschwänzt hat, mit dem sie nachts zum Fischen rausfährt, den sie verteidigt, egal in welche Schwierigkeiten er verwickelt ist. An die eigene Verlobung mit Piero und das Festessen, bei dem sie verkündet wurde. An ihre gescheiterte Ehe, weil Piero Männer liebt.
In Borgo Sud scheinen alle zu wissen, dass Adriana keinen Unfall hatte, aber was wirklich geschehen ist, darüber schweigen sie. Mit der Weisheit und Selbstverständlichkeit großer Autoren beschenkt uns Donatella Di Pietrantonio mit einem Familienroman von großer Wärme, der noch lange nachklingt.