Wir informieren Sie per E-Mail, sobald dieses Produkt wieder verfügbar ist.
Inhaltsangabe
Die Geschichte der Kindheit und Jugend eines türkischen Mädchens von seiner Geburt in Malatya, den zahlreichen Umzügen der ständig von Armut bedrohten Familie nach Istanbul, Bursa und Ankara.
»Ein literarisches Ereignis« Süddeutsche Zeitung
Produktdetails
Erscheinungsdatum: 01.01.1992
Autor/Autorin: Emine Sevgi Özdamar
Einband: Taschenbuch
Auflage: 11. Auflage
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Sprache: Deutsch
Größe (L/B/H): 190/126/22 mm
Seitenanzahl: 384
ISBN: 9783462023190
Herstellerinformationen
Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co. KG Bahnhofsvorplatz 1 50667 Köln DE
Nach dem Putsch 1971 hält das Militär nicht nur das Leben, sondern auch die Träume der Menschen in der Türkei gefangen. Künstlerinnen und Künstler, Linke, Intellektuelle fürchten um ihre Existenz; auch die Erzählerin, die aus Istanbul übers Meer nach Europa flieht. Im Gepäck: der Wunsch, Schauspielerin zu werden, und das unbedingte Verlangen, den so jäh gekappten kulturellen Reichtum ihres Landes andernorts bekannt zu machen und lebendig zu halten, ohne sich im »Tiergarten der Sprachen« auf die bloße Herkunft beschränken zu lassen. Und dort, inmitten des geteilten Berlin, auf den Boulevards von Paris, im Zwiegespräch mit bewunderten Dichtern und Denkern, findet sie sich schließlich wieder in der »Pause der Hölle«, in der Kunst, Politik und Leben uneingeschränkt vereinbar scheinen. Emine Sevgi Özdamars neuer Roman ist das vielstimmige Loblied auf ein Nachkriegseuropa, in dem es für kurze Zeit möglich schien, allein mit den Mitteln der Poesie Grenzen einzureißen. Er ist der sehnsuchtsvolle Nachruf auf die Freunde, Künstler, Bekanntschaften, die sie auf ihrem Weg begleiteten. Vor allem aber ist er die wortgewaltige Eröffnung eines Raums zwischen Bedrohung und Geborgenheit, eines von Schatten begrenzten Raums.
»Wenn ich nur wüsste, wo ich meine Mutterzunge verloren habe«, fragt sich die Erzählerin in Emine Sevgi Özdamars Prosadebüt von 1990. Nach vielen Jahren in Berlin ist ihr das Türkisch, ihre erste Sprache, fremd geworden. Auf der Suche nach ihren Wurzeln verliebt sie sich in den Schriftgelehrten Ibni Abdullah, der sie in die »Großvaterzunge« Arabisch, die Sprache der »heiligen« Liebe und des Korans einführt. Und sie erzählt das Märchen vom armen türkischen Bauern, der ins ferne Deutschland gelangt und sich dort als Straßenkehrer wiederfindet – wie so viele seines Volkes, das sich in den sechziger und siebziger Jahren in die Dienstbotenkaste westdeutscher Großstädte verwandelt. Zuletzt sinkt in diesem klugen, souveränen und mit koboldhafter Ironie erzählten Buch sogar Ophelia von der Bühne ihres Heimatlandes zur Putzfrau eines deutschen Theaters hinab.
Eine junge Frau verlässt 1966 Istanbul und steigt in den Zug nach West-Berlin, um als Vertragsarbeiterin bei Telefunken zu arbeiten. Sie kommt in einem Frauenwohnheim unter, die Schichtarbeit ist hart. Dazu kommen Sprachbarrieren und Einsamkeit, aber sie erlebt auch glückliche Momente der Freundschaft und Solidarität. Zurück in der Türkei, gerät sie in den gesellschaftlichen Aufbruch der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre. Sie engagiert sich politisch, wird Schauspielerin. Doch auf die Hoffnung folgt bald der Albtraum politischer Repression. Mit scharfem Blick und poetischer Sprache erzählt Emine Sevgi Özdamar von einem Leben zwischen Berlin und Istanbul, der Suche nach Selbstwerdung und der Sehnsucht nach dem Theater.