Teil der Reihe: Bibliothek Suhrkamp (Band 1511)

Berlin Hamlet

Gedichte
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Inhaltsangabe

Szilárd Borbély, der vor einigen Jahren mit seinem Roman Die Mittellosen international Aufsehen erregte, gilt als der bedeutendste ungarische Lyriker seit 1989. Erstmals liegen nun zwei Gedichtzyklen auf Deutsch vor: Zustandsbeschreibungen eines wahrnehmungssensiblen Ich, das in ruhigem Parlando über sich und seine Umgebung reflektiert (Berlin-Hamlet), und ein formstrenges Brevier von Trauergedichten, die auf ein ungesühntes Verbrechen eine Antwort suchen (Leichenpomp).

Ein mitteleuropäischer Flaneur streift durch das aufgerissene, im Umbruch begriffene Berlin der neunziger Jahre, sein Blick folgt dem Flugzeug über der Hermannstraße im Landeanflug auf Tempelhof, verirrt sich im Gewirr bunter Rohrleitungen über den Ausschachtungen, im Wald der Kräne am Potsdamer Platz. Gattungsbezeichnungen wie Allegorie, Brief, Epilog und Fragment, Zitate aus Shakespeare-Sonetten, aus Benjamins Passagenwerk und Kafkas Briefen an Felice verbannen die Stadtansichten in die Kulisse – es ist ein urbaner metaphysical poet, besessen vom Gedanken der Vergänglichkeit.

Der gewaltsame Tod der Eltern, die einem Raubmord zum Opfer fielen, und die Vernichtung der ungarischen Juden wurden zu Borbélys Lebensthema. In Leichenpomp greift er auf dichterische Formen katholischer Frömmigkeit und auf chassidische Legenden zurück, um dem Unerträglichsten einen Ausdruck abzuringen, der jegliche Erlösungsbotschaft verneint.
Produktdetails
  • Erscheinungsdatum: 29.10.2019
  • Autor/Autorin: Szilárd Borbély
  • Übersetzung: Heike Flemming (aus dem Ungarischen)
  • Reihe: Bibliothek Suhrkamp, Teil 1511
  • Einband: Hardcover
  • Auflage: 1
  • Verlag: Suhrkamp
  • Sprache: Deutsch
  • Größe (L/B/H): 220/146/23 mm
  • Seitenanzahl: 201
  • ISBN: 9783518225110
Darum lohnt sich dieses Buch

Szilárd Borbély zählt zu den bedeutendsten ungarischen Lyrikern seit 1989

Pressestimmen
»›Es war, als sollte die Scham ihn überleben‹, heißt es einmal bei Kafka, die Scham nämlich, dass dies die Weltordnung sei. Borbelys Texte stellen sich der Scham, leise, subversiv - und epochemachend in der ungarischen Dichtung.«
Marie Luise Knott, Deutschlandfunk, 25. Februar 2020
»Berlin Hamlet ist ein ebenso verstörendes wie beeindruckendes Buch.«
Nico Bleutge, Süddeutsche Zeitung, 23. Januar 2020
»Borbély mag tot sein, seine Dichtung aber lebt wie kaum eine andere.«
Tobias Schwartz, Tip Berlin, 22. Januar 2020
»So präsentiert sich der Band Berlin Hamlet als ein Diptychon, das mit ›Leichenprunk‹ metaphysische Höhen erklimmt. Biblisches, antikes und jüdisch-chassidisches Gedankengut durchdringt die Verse, die gleichwohl nicht an drastischer Bodenhaftung verlieren. ... Bei allem formalen Können beherrscht Borbély auch die einfache, eingängige Sprache, denn er weiss, wovon er spricht.«
Ilma Rakusa, Neue Zürcher Zeitung, 21. Januar 2020
»›Ich suchte die Sprache, die die Tradition dafür bot. Das eigene Ich in Klammern zu setzen hatte eine befreiende Wirkung‹, sagte Szilárd Borbély einmal. Dieses ständig präsente, aber eingeklammerte Ich und der große Fundus an inhaltlichen, vor allem aber auch formalen Traditionen, die der Literaturhistoriker Szilárd Borbély immer im Blick hatte – das macht das Spezifische und Einzigartige der deutschen Auswahl unter dem Titel Berlin Hamlet aus.«
Cornelius Hell, ORF, 29. Dezember 2019
»Fünf Jahre nach seinem Suizid im Alter von 50 Jahren ist noch immer ein Poet zu entdecken, den Kenner für den bedeutendsten ungarischen Lyriker des 21. Jahrhunderts halten.«
Peter von Becker, Der Tagesspiegel, 15. Dezember 2019
»In Deutschland wurde Borbély, Jahrgang 1964, erst in den letzten Jahren so bekannt, wie sein Werk ... es fordert. Ein wichtiger Baustein ist nun der von Borbély-Kennerin Heike Flemming edierte Band Berlin Hamlet mit Gedichten, die um die Katastrophe herum entstanden (unter anderem in Berlin): Der Dichter als Flaneur, aber seine Leichtigkeit zeigt ihn auf dem Sprung.«
Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 2019
»Es ist eine Herausforderung, diese Texte zu lesen: wegen ihrer literarischen Komplexität ebenso wie wegen ihrer verstörenden Thematik. [Berlin Hamlet]eröffnet dem deutschsprachigen Publikum einen Dichter von europäischem Rang.«
Dirk Hohnsträter, WDR, 11. Dezember 2019
»Borbély hat eine kunstvolle kalte, in ihrer Strenge hochpoetische Sprache gefunden, um gegen das Verstummen anzuschreiben.«
Nicole Henneberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Mai 2019
Herstellerinformationen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de
Tel: +49 30 740 744 0

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Die Mittellosen

€12,00

Ein ungarisches Dorf, Ende der sechziger Jahre: Alle diejenigen sind noch da, die »damals« mitgemacht haben, aber auch der jüdische Ladenbesitzer Mózsi, der von der Zwangsarbeit ins Dorf und in seine ausgeplünderte Wohnung zurückgekehrt ist. Über seine ermordeten Töchter wird geschwiegen.
An diesem grausamen und mitleidslosen Ort wächst der junge Erzähler des Romans auf. Der Elfjährige muss schwere körperliche Arbeit verrichten, er friert und hungert. Seine Familie und er sind Außenseiter im Dorf. Von der Vergangenheit darf man nicht sprechen. Sind sie Juden? Aus Rumänien vertriebene orthodoxe Christen? Warum werden sie ausgegrenzt?
Szilárd Borbély schildert Kindheitsszenen aus einer erbarmungslosen Welt. In der Selbstbeobachtung des Außenseiters wächst dem Jungen ein unerhörter Scharfblick zu. Gebannt und atemlos folgt man seiner Erzählung, der es gelingt, scheinbar Unsagbares in Worte zu fassen.

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