Am 25. September 2026 zeigt Das Erste ab 22:20 Uhr die letzten vier Folgen von »Babylon Berlin«, in der ARD-Mediathek stehen alle acht Folgen der fünften Staffel seit dem 10. September. Nach 48 Folgen endet die Serie Anfang 1933, die Romane von Volker Kutscher gehen fünf Bände weiter, bis in den Herbst 1938. Das Moka Efti gab es wirklich, nur sah es ganz anders aus als in der Serie, und auch hinter mehreren Figuren stehen echte Menschen. Wir zeigen, was an »Babylon Berlin« echt ist, welches Buch hinter dem Finale steckt, was sein Titel bedeutet und was Kutscher an der letzten Staffel kritisiert.
Unsere Angaben zu den Sendeterminen folgen der Ankündigung der ARD, wie sie die Stuttgarter Zeitung und kino.de wiedergeben. Für Schauplätze und Figuren haben wir Wikipedia und das Land Berlin ausgewertet, für die Bücher das VLB und die Verlagsangaben von Piper, Galiani und Carlsen.
Als Vorlage der letzten Staffel dient »Märzgefallene«, der fünfte Gereon-Rath-Roman, zuerst erschienen 2014. Piper führt das Taschenbuch im VLB mit dem Zusatz »Das Buch zur 5. Staffel ›Babylon Berlin‹«. Es hat 608 Seiten, dazu gibt es den Roman als E-Book.
Am Anfang der Reihe steht »Der nasse Fisch«, die Vorlage der ersten beiden Staffeln. Den Schlusspunkt setzt »Rath«, der zehnte Roman. Einen Überblick über alle Ausgaben gibt die Tabelle weiter unten.
Gab es das Moka Efti wirklich?
Ja, und es war ein Kaffeepalast. Betrieben hat es Giánnis »Giovanni« Eftimiades, ein griechischstämmiger Kaufmann mit italienischem Pass, der aus Italien nach Berlin gekommen war; der Name verbindet »Moka« mit Silben seines Nachnamens.
Im März 1926 eröffnete das erste Moka Efti an der Ecke Leipziger Straße und Friedrichstraße. Drei Jahre später, im April 1929, zog es auf die andere Straßenseite in den Equitable-Palast. Auf 2.800 Quadratmetern gab es dort:
- ein Café und einen Tanzsaal,
- ein Fischrestaurant, einen Friseur und einen Billardsalon,
- einen Stenografiedienst und ein Schachzimmer,
- eine Rolltreppe in die oberen Etagen.
Laut Wikipedia wurden dort täglich 25.000 Tassen Kaffee ausgeschenkt; das Moka Efti war das erfolgreichste Café Berlins und ein beliebter Tanzort.
1933 verkaufte Eftimiades seine Anteile. Im selben Jahr kam ein zweites Haus am Tiergarten hinzu, im früheren Café Schottenhaml am Kemperplatz, umgebaut zu einem 1.550 Quadratmeter großen Tanzlokal mit Wasserfällen und exotischen Vögeln. Beide Häuser wurden 1943 bei einem alliierten Luftangriff zerstört.
Mit diesem Kaffeehaus hat das Moka Efti der Serie wenig gemein. Dort ist es eine Mischung aus Bordell und früher Diskothek hinter einer Glasfassade.
Szenenbildner Uli Hanisch ließ die Fassade auf dem Außengelände »Neue Berliner Straße« im Studio Babelsberg bauen, für die Innenaufnahmen diente der Saal des Kinos Delphi in Berlin-Weißensee. Einem anderen berühmten Berliner Café jener Jahre, dem Romanischen Café, hat Christian Buckard sein Buch »Café Babylon« gewidmet, erschienen 2026, auch als E-Book.
Welche Figuren gab es wirklich?
Gereon Rath und Charlotte Ritter hat Kutscher erfunden. Um sie herum treten jedoch Menschen auf, die es wirklich gab.
Der bekannteste ist Ernst Gennat, in der Serie gespielt von Udo Samel. Gennat baute die Zentrale Mordinspektion der Berliner Kripo auf, die am 1. Januar 1926 die Arbeit aufnahm. 1931 klärte sie 108 von 114 Morden auf. Wegen seiner Leibesfülle nannten Kollegen ihn »Buddha der Kriminalisten« oder »der volle Ernst«; auf ihn gehen eine zentrale Kartei für Mordfälle und das »Mordauto« zurück, ein Einsatzwagen für die Spurensicherung, so Wikipedia.
Auch Polizeipräsident Karl Zörgiebel gab es, in der Serie gespielt von Thomas Thieme. Er war für den Polizeieinsatz beim »Blutmai« vom 1. bis 3. Mai 1929 verantwortlich, bei dem die Polizei gegen verbotene Demonstrationen vorging und mindestens 32 Zivilisten getötet wurden. In genau dieser Zeit spielt der erste Roman.
Andere Figuren haben ein reales Vorbild, so steht es bei Wikipedia:
- August Benda, gespielt von Matthias Brandt: Bernhard Weiß, Jurist und Polizeivizepräsident in der Weimarer Republik
- Wilhelm Seegers: offenbar Generaloberst Hans von Seeckt
- Alfred Nyssen: der Industrielle August Thyssen junior
- Annemarie Nyssen: Bertha Krupp von Bohlen und Halbach
Was sagt Volker Kutscher über die Serie?
Volker Kutscher, Jahrgang 1962 und aus Lindlar, arbeitete als Lokalredakteur in Wipperfürth, bevor er mit Gereon Rath bekannt wurde. In der ARD-Sendung »Druckfrisch« sagte er im November 2020 über die Serie: »Die Figuren sind ein bisschen anders angelegt, auch rein optisch. Der Gereon Rath sieht ein bisschen anders aus als Volker Bruch.« Letztlich seien die Regisseure aber dem Kern des Romans treu geblieben, es sei seine Geschichte geblieben, auch wenn viel hinzugekommen sei.
Frei mit der Vorlage umgegangen sind die Macher von Beginn an. Im Roman war Gereons Bruder Anno der Frontsoldat, in der Serie ist Gereon selbst Kriegsveteran, morphiumsüchtig und traumatisiert. Am stärksten umgeschrieben wurde die Figur der Charlotte Ritter.
An der fünften Staffel übt Kutscher deutliche Kritik. Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte er zur Darstellung des Reichstagsbrands: »Die Serie tut so, als wüsste sie, wie es wirklich gewesen ist. Das weiß aber niemand, auch mehr als 90 Jahre nach dem Ereignis nicht.« Und von einem Dokument, um das sich die Handlung dreht, sei nicht einmal erwiesen, ob es existiert hat, zitiert ihn die Jüdische Allgemeine.
Historisch ist der Brand tatsächlich nicht aufgeklärt. Das Reichsgericht verurteilte den Niederländer Marinus van der Lubbe im Dezember 1933 zum Tode, ging aber von Mittätern aus und hielt an der These einer kommunistischen Verschwörung fest; die vier mitangeklagten Kommunisten sprach es mangels Beweisen frei. 2008 wurde das Urteil aufgehoben. Ob van der Lubbe allein handelte, ist unter Historikern weiter umstritten, so der Überblick bei Wikipedia.
Gab es die Rote Burg, und wo wurde gedreht?
Auch das Polizeipräsidium, in dem Rath und Charlotte Ritter arbeiten, hat es gegeben: die »Rote Burg« am Alexanderplatz. Hermann Blankenstein baute den Backsteinkomplex von 1886 bis 1890; nach Stadtschloss und Reichstag war es das größte Gebäude Berlins.
Ab 1933 nutzte die Berliner Gestapo den Komplex als Sitz. In den Jahren 1944 und 1945 wurde das Haus schwer beschädigt, die letzten Reste trug man 1957 ab. Ein halbes Jahrhundert lang diente die Fläche danach als Parkplatz und für einen Ost-Berliner Weihnachtsmarkt; seit 2007 steht dort das Einkaufszentrum Alexa, so die Angaben bei Wikipedia.
Als Drehort für das Präsidium wählten die Macher das Rote Rathaus, weil es der verlorenen Roten Burg ähnelt, schreibt das Land Berlin auf berlin.de. Große Teile der Serie entstanden auf dem Außengelände im Studio Babelsberg; weitere Drehorte waren unter anderem der U-Bahnhof Hermannplatz, das Rathaus Schöneberg und das Theater am Schiffbauerdamm.
Kutscher arbeitet ebenfalls mit echten Orten. Sein vierter Roman, »Die Akte Vaterland«, beginnt im Juli 1932 mit einem Toten im Haus Vaterland am Potsdamer Platz, einem Vergnügungspalast, den es wirklich gab.
Nicht aus den Zwanzigerjahren stammt dagegen das bekannteste Lied der Serie. »Zu Asche, zu Staub« schrieben Tom Tykwer, Mario Kamien, Larry Mullins und Nikko Weidemann 2016 für »Babylon Berlin«; in den ersten beiden Staffeln sang es Severija, für die fünfte hat Zaho de Sagazan es neu interpretiert.
Gibt es eine sechste Staffel?
Nein, die fünfte Staffel ist die letzte. Sky Deutschland, bei den ersten vier Staffeln Partner der ARD, hatte angekündigt, keine fiktionalen Serien mehr zu produzieren. Daraufhin gab die ARD Degeto die Staffel ohne Sky in Auftrag, ausdrücklich als letzte, so steht es bei Wikipedia.
Seit dem 10. September 2026 hat die ARD alle acht neuen Folgen in ihrer Mediathek. Im Ersten liefen die Folgen eins bis vier am Samstag, 19. September, ab 20:15 Uhr; die Folgen fünf bis acht kommen am Freitag, 25. September, ab 22:20 Uhr. So berichten es die Stuttgarter Zeitung und kino.de.
Zum Start am 19. September sahen laut fernsehserien.de 2,48 Millionen Menschen die erste Folge, ein Marktanteil von 12,9 Prozent; bis 22:30 Uhr ging die Reichweite auf 1,89 Millionen zurück.
Regie führen wie von Anfang an Tom Tykwer, Achim von Borries und Hendrik Handloegten, Volker Bruch spielt Gereon Rath und Liv Lisa Fries Charlotte Ritter. Inhaltlich setzt die Staffel im Januar 1933 ein, mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler.
Begonnen hatte die Serie 2017 bei Sky mit zwei Staffeln, die zusammen knapp 40 Millionen Euro kosteten und damals als teuerste deutsche Fernsehproduktion galten. Beim Auftakt im Ersten am 30. September 2018 sahen 7,83 Millionen Menschen zu, ein Marktanteil von 24,5 Prozent.
Welches Buch steckt hinter Staffel 5?
Jede Staffel geht auf einen Gereon-Rath-Roman zurück. Die ersten beiden erzählen »Der nasse Fisch«, die dritte »Der stumme Tod«, die vierte »Goldstein«. Für das Finale überspringt die Serie den vierten Roman, »Die Akte Vaterland«, der 1932 spielt, und greift »Märzgefallene« auf; als Vorlage nennt den Roman auch kino.de.
Der Roman beginnt am Rosenmontag 1933. Rath feiert in Köln Karneval, tags darauf erreicht ihn ein Anruf aus Berlin: Der Reichstag brennt. Zurück in der Stadt wird er in die Jagd der Politischen Polizei auf Kommunisten eingespannt und soll nebenher eine rätselhafte Mordserie aufklären. Mehr verraten wir hier nicht, denn einige Wendungen könnten auch in der Serie eine Rolle spielen.
Was bedeutet »Märzgefallene«?
Das Wort hat eine doppelte Geschichte. Ursprünglich hießen so die Toten der Märzrevolution von 1848: In Wien kamen bei einer Demonstration am 13. März 35 Menschen ums Leben, in Berlin fielen Kämpfer bei den Barrikadenkämpfen am 18. und 19. März. Die Namen von 270 Berliner Märzgefallenen sind bekannt.
1933 bekam das Wort einen neuen, spöttischen Sinn. Nach der Reichstagswahl im März traten viele Beamte und Angestellte in die NSDAP ein; damit die Neuen nicht zu viel Einfluss bekamen, verhängte die Partei am 19. April einen Aufnahmestopp ab dem 1. Mai 1933. Die »alten Kämpfer« verhöhnten die Neuen als Opportunisten, als »Märzgefallene« oder »Märzveilchen«, so erklärt es Wikipedia. Genau in diesem Frühjahr spielt Kutschers fünfter Roman.
Wie geht es in den Romanen weiter?
Die Serie hört 1933 auf, Kutscher hat fünf weitere Jahre erzählt. Jeder Roman spielt im jeweils folgenden Jahr, und mit jedem Band rückt die NS-Diktatur näher an den Alltag der Figuren heran. Worum es in den fünf Romanen nach »Märzgefallene« geht, ohne zu viel zu verraten:
- »Lunapark« (1934): Rath soll zwei Morde an SA-Männern aufklären und stößt auf einen zerschlagenen Ringverein, der als SA getarnt weitermacht.
- »Marlow« (1935): Im Spätsommer, zur Zeit des Reichsparteitags in Nürnberg, geht Rath einem tödlichen Verkehrsunfall nach.
- »Olympia« (1936): Rath ermittelt verdeckt zu einem Todesfall im olympischen Dorf.
- »Transatlantik« (1937): Die Handlung setzt im April 1937 ein.
- »Rath« (1938): Der Schlussband spielt im Herbst 1938.
Mit »Rath« hat Kutscher die Reihe 2024 abgeschlossen. Denis Scheck schrieb im Tagesspiegel am 12. Dezember 2024: »Was für ein grandioses Finale einer herausragenden Reihe.« Als Taschenbuch hat der Roman 624 Seiten.
Reihenfolge der Gereon-Rath-Romane
Zusammen decken die zehn Romane die Jahre 1929 bis 1938 ab, und sie bauen aufeinander auf. Nur vier von ihnen haben eine Staffel bekommen. In der Tabelle steht jeder Band mit Erscheinungsjahr, Handlungsjahr und der passenden Staffel:
| Band | Titel | Spielt | Staffel |
|---|---|---|---|
| 1 | Der nasse Fisch (2007) | 1929 | 1 und 2 |
| 2 | Der stumme Tod (2009) | 1930 | 3 |
| 3 | Goldstein (2010) | 1931 | 4 |
| 4 | Die Akte Vaterland (2012) | 1932 | – |
| 5 | Märzgefallene (2014) | 1933 | 5 |
| 6 | Lunapark (2016) | 1934 | – |
| 7 | Marlow (2018) | 1935 | – |
| 8 | Olympia (2020) | 1936 | – |
| 9 | Transatlantik (2022) | 1937 | – |
| 10 | Rath (2024) | 1938 | – |
Lesen, hören, anschauen: die Ausgaben
Alle zehn Romane liegen als Taschenbuch bei Piper vor, zwischen 528 und 624 Seiten stark. Bei den E-Books führen wir vier Bände, sie stehen in der Tabelle.
Für Leserinnen und Leser, die lieber Bilder sehen, hat Arne Jysch den ersten Roman 2017 als Comic für Carlsen gezeichnet: 224 Seiten im Format von gut 26 mal 20 Zentimetern.
Neben den Romanen gibt es drei schmale Bände, die Kat Menschik für Galiani Berlin illustriert hat. »Moabit« (2017, 88 Seiten) führt ins Jahr 1927 zurück, als Charlotte Ritter zu Hause noch Lotte genannt wird und mit ihren Eltern in einer Beamtenwohnung am Zellengefängnis lebt.
»Mitte« (2021, 128 Seiten) erzählt von Fritze Thormann, einer Figur aus den Romanen, im Jahr der Olympischen Spiele 1936. »Westend« erschien 2025, nach dem letzten Roman, und hat 112 Seiten. »Mitte« gibt es außerdem als Hörbuch auf zwei CDs, 128 Minuten lang, gelesen von Leonard Scheicher, Walter Kreye und Felix von Manteuffel.
| Ausgabe | Umfang | Preis |
|---|---|---|
| Taschenbuch, Band 1 bis 10 (Piper) | 528–624 S. | je 14,00 € |
| E-Book: Band 4, 5, 6, 10 | – | je 4,99 € |
| Comic »Der nasse Fisch« (Carlsen) | 224 S. | 22,00 € |
| »Mitte«, illustriert (Galiani) | 128 S. | 20,00 € |
| »Westend«, illustriert (Galiani) | 112 S. | 23,00 € |
| »Mitte«, Hörbuch, 2 CDs | 2:08 Std. | 20,00 € |
Unsere Empfehlung
Wer die Serie mochte und die Geschichte weiterverfolgen will, sollte mit »Der nasse Fisch« beginnen, auch wenn das heißt, noch einmal im Jahr 1929 anzufangen. Die Serie hat Figuren und Vorgeschichten so stark verändert, dass ein Einstieg mitten in der Reihe vieles voraussetzt, was im Fernsehen anders erzählt wurde.
Wie Kutscher selbst das Jahr des Finales erzählt, zeigt »Märzgefallene«. Für einen kurzen Abstecher in diese Welt eignet sich das illustrierte »Mitte«, das sich an einem Abend lesen lässt. Wer vor allem den Glanz der Zwanzigerjahre sucht, sollte wissen, dass die Romane Band für Band tiefer in die NS-Zeit führen; der letzte spielt im Herbst 1938.
Welche Bücher 2026 noch verfilmt werden, steht in unserem Überblick zu den Buchverfilmungen 2026.
Stand: 23. September 2026; Preise und Verfügbarkeit der 19 verlinkten Ausgaben stammen aus unserem Sortiment. Quellen: Sendetermine laut Stuttgarter Zeitung und kino.de, Einschaltquoten laut fernsehserien.de; Kutscher-Zitate laut Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung, wiedergegeben von der Jüdischen Allgemeinen (23. September 2026); Wikipedia zu Babylon Berlin, Moka Efti, Polizeipräsidium Alexanderplatz, Volker Kutscher, Ernst Gennat, Märzgefallene, Reichstagsbrandprozess und Zu Asche, zu Staub; Land Berlin, Das Rote Rathaus als Drehort; Piper (VLB-Daten und Verlagstexte zu den Gereon-Rath-Romanen, darunter ISBN 978-3-492-32025-2), Galiani Berlin, Carlsen, OSTERWOLDaudio; Pressezitat: Der Tagesspiegel, 12. Dezember 2024.










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