Der Gegner im sechsten ACOTAR-Band ist älter als die Reihe: Koschei der Ewige stammt aus russischen Volksmärchen und ist der Bösewicht in Strawinskys Ballett »Der Feuervogel«. Am 27. Oktober 2026 erscheint bei dtv »A Court of Splintered Harmony«, Band 6 von Sarah J. Maas' Reihe »Das Reich der sieben Höfe«, fünf Jahre nach »A Court of Silver Flames«. Wer ist Koschei, warum stirbt er nicht, und was hat er mit den Musiktiteln der neuen Bände zu tun?
Für diesen Beitrag haben wir die Verlagsangaben von dtv, Maas' Aussagen in englischsprachigen Medien, Afanassjews russische Volksmärchen im Original und die Angaben zu den Werken von Strawinsky, Rimski-Korsakow und Wagner ausgewertet.
Band 6 kommt in zwei Ausstattungen: als Deluxe-Ausgabe mit Farbschnitt und als reguläres Hardcover, beide mit 480 Seiten, übersetzt von Franca Fritz und Heinrich Koop. Für den siebten Band, »A Court of Forgotten Melody«, hat dtv beide Varianten zum 12. Januar 2027 angekündigt. Zu beiden Bänden erscheinen am selben Tag ein E-Book und bei Der Audio Verlag ein ungekürztes Hörbuch, gelesen von Ann Vielhaben: rund 17 Stunden für Band 6, rund 40 Stunden für Band 7.
Wer ist Koschei der Ewige?
Im Verlagstext zu Band 6 ist er die große Bedrohung. Seit Jahrtausenden ist er an einen See im Gebirge gefesselt, doch seine Rückkehr kündigt sich an und lockt mächtige Verbündete, die sich die Länder der Sterblichen zurückholen wollen. Mehr verrät der Verlagstext nicht.
Der Name ist viel älter. In russischen Volksmärchen heißt die Figur Koschtschei Bessmertny, »der Unsterbliche«; Koschei ist die englische Umschrift, im Deutschen ist auch Kaschtschei verbreitet (Wikipedia). Die deutsche Maas-Ausgabe nennt ihn »den Ewigen«. Seine Geschichten stehen in Alexander Afanassjews Sammlung mit knapp 600 Märchen und Sagen, erschienen zwischen 1855 und 1863. Die slawische Märchenwelt klingt in der Reihe schon länger an: 2018 bemerkte das Fantasy-Portal Grimoires in seiner Besprechung von Band 3 eine Figur, die stark an Koschei erinnert. In keinem der Interviews, die wir ausgewertet haben, erklärt Maas, woher der Name stammt.
Warum stirbt Koschei nicht?
Weil sein Tod nicht in seinem Körper steckt. Im Märchen »Die Froschprinzessin« (Afanassjew Nr. 269) verrät die Hexe Baba Jaga das Versteck: Sein Tod sitzt an der Spitze einer Nadel, die Nadel in einem Ei, das Ei in einer Ente, die Ente in einem Hasen, der Hase in einer Truhe, und die Truhe steht hoch oben auf einer Eiche (Originaltext bei Wikisource). In den Fassungen mit dem Titel »Koschei der Unsterbliche« (Nr. 156 bis 158) fehlt die Nadel: In Nr. 158 ist die Truhe unter einer Eiche auf einer Insel im Meer vergraben, und der Tod steckt im Ei selbst.
In der Märchenforschung hat das Motiv eine eigene Nummer: ATU 302, auf Deutsch »Des Teufels Herz im Ei«. Gemeint sind Geschichten, in denen Herz oder Leben eines übernatürlichen Wesens so versteckt ist, dass seine Gegner es nicht vernichten können. Ohne verstecktes Leben kommt das Märchen »Marja Morewna« (Nr. 159) aus: Dort zertrümmert ein Pferd dem Unsterblichen mit dem Huf den Schädel, der Prinz gibt ihm mit der Keule den Rest, verbrennt ihn und streut die Asche in den Wind.
Was hat Koschei mit Musik zu tun?
Die Buchtitel führen direkt dorthin: Band 6 heißt »Splintered Harmony«, Band 7 »Forgotten Melody«, und jeder Band trägt eine Satzbezeichnung wie ein Musikstück. Auf der Bühne kennt man Koschei vor allem aus zwei Werken. Nikolai Rimski-Korsakow schrieb die einaktige Oper »Kaschtschei der Unsterbliche«, uraufgeführt am 25. Dezember 1902 in Moskau; in Deutschland lief sie 1929 in Dortmund unter dem Titel »Unhold Ohneseele«. Berühmter wurde Igor Strawinskys Ballett »Der Feuervogel«, das die Ballets Russes am 25. Juni 1910 in der Pariser Oper zum ersten Mal zeigten (Wikipedia). Darin bewahrt der Zauberer Kastschej seine Seele in einem riesigen Ei auf, versteckt unter den Wurzeln eines Wunderbaums. Als Prinz Iwan das Ei zerschlägt, stirbt Kastschej, und seine versteinerten Gefangenen sind frei. Der »Höllentanz« seines Gefolges wurde als Schlussnummer der ersten Konzertsuite populär.
Für Maas ist Musik ein Antrieb beim Schreiben. Sie inspiriere fast alles, was sie schreibe, sagte sie 2018 dem australischen Buchhändler-Blog Booktopia: Sie höre ein Stück, meist Filmmusik oder Klassik, und sehe eine Szene vor sich. Ob die Nähe Zufall ist, lässt sich nicht sagen: eine Reihe mit Musiktiteln und ein Gegner, der in zwei bekannten Werken der klassischen Musik auftritt.
Was ist der Walküren-Zyklus?
Unter diesem Namen stehen Band 6 und 7. Im Englischen lauten die Untertitel »The Valkyrie Cycle: Movement I« und »Movements II and III«; Maas stellte Titel und Untertitel am 17. August 2026 auf Instagram vor. Auf den deutschen Covern steht »Der Walküren-Zyklus: I. Satz« und »II. und III. Satz«. Dazu kommen zwei Leitsätze, die auch die deutschen Verlagstexte aufgreifen: »What was broken will be remade« für Band 6 und »What was lost will be reclaimed« für Band 7.
In Band 5 ist von den Walküren als altem Orden von Kriegerinnen die Rede. Der Name stammt aus der nordischen Mythologie: Walküren sind weibliche Geistwesen aus dem Gefolge Odins. Das altnordische valkyrja verbindet valr, die Toten auf dem Schlachtfeld, mit kjósa, »wählen« (Wikipedia). Sie wählen die Gefallenen aus und führen sie nach Walhall; überliefert ist das in den beiden Eddas aus dem 13. Jahrhundert.
Musikfreunden sind die Walküren vor allem aus Richard Wagners »Ring des Nibelungen« vertraut. »Die Walküre« ist der »Erste Tag« dieses Opernzyklus, uraufgeführt am 26. Juni 1870 in München; das Vorspiel zum dritten Akt ist der berühmte Walkürenritt. Vollständig erklang der »Ring« erstmals im August 1876 im Bayreuther Festspielhaus. Ein »Zyklus« ist in der Musik eine mehrteilige Komposition mit innerem Zusammenhang, ein »Satz« laut Duden ein in sich geschlossener Teil davon. Das US-Portal TechTimes deutete den Namen mit seinen Walküren, Sätzen und vier Teilen als mögliche Anspielung auf Wagners »Ring«; Maas selbst hat ihn nicht erklärt.
Warum kommt Band 7 schon im Januar?
Weil beide Bücher eine einzige Geschichte erzählen. Maas kündigte die Fortsetzung am 4. März 2026 im Podcast »Call Her Daddy« an. »It's meant to be read as one massive, massive story«, sagte sie laut NBC News; als sie am Ende des ersten Teils angekommen sei, habe er schon rund 400 Seiten gehabt. Nach dem Bericht von E! Online besteht die Geschichte aus vier Teilen: Teil 1 ist Band 6, die Teile 2 und 3 bilden Band 7, ein vierter Teil soll später folgen. Ein Jahr Wartezeit nach Teil 1 habe sie ihren Lesern nicht zumuten wollen, sagte Maas im selben Podcast, zitiert nach dem australischen Magazin Mamamia.
Zwei Romane einer Bestsellerautorin innerhalb von elf Wochen seien »almost unprecedented in publishing history«, in der Buchbranche also fast ohne Beispiel, erklärte Bloomsbury-Chef Nigel Newton laut der Fachzeitschrift Publishers Weekly in einer Mitteilung. dtv zieht mit: Zum ersten Mal erscheint ein ACOTAR-Band auf Deutsch am selben Tag wie das englische Original. Auf Band 1 mussten deutsche Leser 2017 rund 21 Monate warten, auf Band 5 im Jahr 2021 acht Monate.
Für die angekündigten 1.200 Seiten von Band 7 bekommen Franca Fritz und Heinrich Koop Verstärkung von Birgit Herbst aus Köln. Fritz und Koop übersetzen beide seit 1988 und leben auf der Isle of Man; von ihnen stammen auch die deutschen Fassungen von Maas' »Crescent City« und Cassandra Clares »City of Bones«. Die ACOTAR-Bände 1 bis 3 übertrug Alexandra Ernst, Band 4 Anne Brauner, Band 5 bereits das Duo Fritz und Koop.
Worum geht es in ACOTAR 6?
Laut dtv um den Nachthof nach dem Krieg gegen Hybern. Prythian erholt sich langsam, und ausgerechnet der innere Kreis, der den Hof führt und schützt, ist nach gebrochenem Vertrauen und aufgedeckten Wahrheiten tief erschüttert. Um Koschei aufzuhalten, müssen die Figuren wieder zueinanderfinden und alte Bündnisse erneuern; darauf dürfte auch der Titel »Splintered Harmony« anspielen. Wer erzählt, hält Maas geheim; die Wahl sei selbst für sie »surprising« gewesen, berichtet Mamamia.
Die geplante Serie ist vom Tisch: Der Streamingdienst Hulu hat die ACOTAR-Adaption im Februar 2025 gestoppt (TVLine), und im März 2026 sagte Maas, sie habe alle Rechte zurück.
Welche Ausgaben gibt es?
Wie groß die Leserschaft hierzulande ist, zeigte der Neustart der Reihe im August 2026: Die neu gestaltete Ausgabe von Band 1 stieg laut Börsenblatt sofort auf Platz 1 der Hardcover-Belletristik ein, die Startauflage von 100.000 Exemplaren war bis zum Erscheinungstag nahezu vergriffen. In den BookTok-Charts für August 2026 stand Band 1 auf Platz 3. Seit dieser Neuausgabe tragen alle Bände ihre englischen Originaltitel; die früheren deutschen Titel und die Lesereihenfolge erklären wir in unserem Beitrag zur ACOTAR-Reihenfolge.
| Band | Ausgabe | Termin | Preis |
|---|---|---|---|
| 1 A Court of Thorns and Roses | Hardcover, 480 S. | 13.8.2026 | 26,00 € |
| 2 A Court of Mist and Fury | Hardcover, 720 S. | 17.9.2026 | 28,00 € |
| 3 A Court of Wings and Ruin | Hardcover, 752 S. | 17.9.2026 | 28,00 € |
| 4 A Court of Frost and Starlight | Hardcover, 352 S. | 8.10.2026 | 25,00 € |
| 5 A Court of Silver Flames | Hardcover, 848 S. | 8.10.2026 | 28,00 € |
| 6 A Court of Splintered Harmony | Hardcover, 480 S. | 27.10.2026 | 26,00 € |
| 6 A Court of Splintered Harmony, Deluxe | mit Farbschnitt, 480 S. | 27.10.2026 | 30,00 € |
| 6 A Court of Splintered Harmony | E-Book, bei uns nicht erhältlich | 27.10.2026 | 19,99 € |
| 6 A Court of Splintered Harmony | Hörbuch-Download, ungekürzt, gelesen von Ann Vielhaben, rund 17 Std., bei uns nicht erhältlich | 27.10.2026 | 34,95 € |
| 7 A Court of Forgotten Melody | Hardcover, 1.200 S. | 12.1.2027 | 29,00 € |
| 7 A Court of Forgotten Melody, Deluxe | mit Farbschnitt, 1.200 S. | 12.1.2027 | 34,00 € |
| 7 A Court of Forgotten Melody | E-Book, bei uns nicht erhältlich | 12.1.2027 | 21,99 € |
| 7 A Court of Forgotten Melody | Hörbuch-Download, ungekürzt, gelesen von Ann Vielhaben, rund 40 Std., bei uns nicht erhältlich | 12.1.2027 | 55,95 € |
Unsere Empfehlung
Band 6 ist der erste Satz einer Geschichte, die Maas als Ganzes gelesen wissen will; die Fortsetzung folgt elf Wochen später. Wer »A Court of Silver Flames« kennt und eine Pause mitten in der Geschichte verträgt, beginnt im Oktober. Wer Band 6 und 7 ohne Pause dazwischen lesen möchte, wartet bis Januar. Die Deluxe-Ausgaben haben einen Farbschnitt, der Text ist derselbe.
Wer die Reihe nicht kennt, beginnt mit Band 1: Die Bände sind laut dtv nicht unabhängig voneinander lesbar. Weniger geeignet ist der Walküren-Zyklus für Leser, die nur abgeschlossene Geschichten mögen, denn der vierte Teil ist ohne Termin angekündigt.
Stand: 26. September 2026; Preise und Verfügbarkeit der 9 verlinkten Produkte stammen aus unserem Sortiment. Verlagsangaben: dtv, Produktseiten zu Band 1 bis 7 (ohne Link), Seitenzahlen von Band 6 und 7 laut Ankündigung; Termine der englischen Ausgaben: Bloomsbury. Hörbücher: Der Audio Verlag, Produktseiten (ohne Link), Spieldauer laut Ankündigung. Maas-Zitate: NBC News, 5. März 2026; E! Online, 5. März 2026; Mamamia, 18. August 2026 (ohne Link). Titel-Enthüllung: Today und Newsweek, 17. August 2026 (ohne Link). Nigel Newton: Publishers Weekly, 5. März 2026. Serienrechte: TVLine, 14. Februar 2025, und TheWrap, 5. März 2026. Musik als Inspiration: Booktopia, 30. April 2018 (ohne Link). Frühere Erscheinungstermine: dtv und Bloomsbury. Übersetzer: dtv, Wikipedia. Charts: Börsenblatt, 18. August und 11. September 2026. Rezension zu Band 3: Grimoires, 16. Juni 2018 (ohne Link). Märchen: Afanassjew, »Narodnye russkie skazki« (Nr. 156–159 und 269, Wikisource); Märchentyp nach Hans-Jörg Uther, »The Types of International Folktales« (2004). Musik: Wikipedia, »Der Feuervogel«, »Kaschtschei der Unsterbliche«, »Die Walküre«, »Der Ring des Nibelungen« und »Zyklus (Musik)«; Duden, »Satz«. Walküren: Wikipedia; TechTimes, 17. August 2026 (ohne Link).




Hinterlasse einen Kommentar
Alle Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.
Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.