Am 3. November 2026 bringt Egmont »Heiliger Lucky!« heraus, Band 103 der deutschen Lucky-Luke-Reihe, drei Tage vor dem französischen Original. Darin machen zwei Gurus den Cowboy in Kansas zum Heiligen, zum 80. Geburtstag der Figur, die Morris 1946 für den Spirou-Almanach 1947 erfand. Der Schauplatz führt zu einer alten Leserfrage: Gab es die Daltons wirklich? Und warum ist das Album bei uns schon Band 103?
Wir stützen uns auf die Verlagsangaben von Egmont und Dargaud, Egmonts Mitteilung zum Jubiläum, die Unterlagen des US-Nationalparkdienstes und der Oklahoma Historical Society zum Überfall von Coffeyville sowie auf Interviews mit Zeichner Achdé.
Das Album kommt als Hardcover und als Softcover, übersetzt von Klaus Jöken, der Lucky Luke seit 1995 ins Deutsche bringt. Bereits am 6. Oktober 2026 erscheint der Interviewband »WANTED – Ein Zeichner für Lucky Luke«, in dem Achdé von seinem Weg zur Serie erzählt.
Worum geht es in »Heiliger Lucky!«?
Um einen Gegner, gegen den der schnellste Revolver nichts ausrichtet: Leichtgläubigkeit und religiösen Fanatismus, »la crédulité et le fanatisme religieux«, wie der französische Verlag Dargaud schreibt. Lucky Luke glaubt, in einer ruhigen Ecke von Kansas angekommen zu sein, doch zwei Gurus reden den Bewohnern zweier Städte ein, der Cowboy habe übernatürliche Kräfte, und rund um ihn entsteht gegen seinen Willen eine Religion. Die deutsche Ankündigung setzt anders an: Bei ihr gründet ein Prediger, den Lucky vor Desperados rettet, den »Lukismus«.
Das Cover zeigt Lucky Luke neben seinem eigenen Standbild, das einen Heiligenschein trägt; davor brennen Kerzen. Auf dem Sockel steht »Celerius quam umbra sua sagittat«, lateinisch für den bekanntesten Satz der Serie: Er schießt schneller als sein Schatten. Die Geschichte schrieb Jul, französischer Karikaturist und seit 2016 Szenarist der Reihe; gezeichnet hat Achdé.
Warum heißt das Album in Deutschland Lucky Luke 103?
In Frankreich trägt es den Titel »Saint Lucky Luke« und ist erst der zwölfte Band der Reihe »Les Aventures de Lucky Luke d'après Morris«, die 2004, drei Jahre nach Morris' Tod, mit eigener Zählung begann. Egmont, damals Ehapa, übernahm die Reihe 1977 und setzte die Zählung des Koralle-Verlags mit Band 15 fort (Wikipedia). In die deutsche Nummerierung fließen außerdem die Alben der Nebenreihe »Lucky Kid« und einige Bände ein, die es nur auf Deutsch gibt. So kommt Deutschland auf 103.
Gab es die Daltons wirklich?
Ja, und ihre Bande ging in Kansas unter. Am 5. Oktober 1892 ritten Bob, Grat und Emmett Dalton mit zwei Komplizen nach Coffeyville, um gleichzeitig zwei Banken auszurauben: die C. M. Condon & Co. und die First National Bank. Bob und Grat trugen falsche Schnurrbärte. Die Bürger erkannten sie trotzdem und griffen zu den Waffen, die meisten mit Gewehren aus dem Eisenwarenladen, wie der US-Nationalparkdienst aus einem Zeitungsbericht zitiert. Nach rund zehn Minuten waren acht Menschen tot: Bob, Grat und die beiden Komplizen, dazu vier Männer aus der Stadt, unter ihnen City Marshal Charles T. Connelly.
Emmett überlebte mit 23 Schusswunden. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, 1907 begnadigt und schrieb später über die Bande; in der Stummfilmfassung seiner Geschichte von 1918 spielte er sich selbst und zwei seiner toten Brüder. Er starb 1937 in Los Angeles, in dessen Umgebung er im Bau- und Immobiliengeschäft tätig gewesen war (Oklahoma Historical Society). Dabei waren Bob und Grat zuvor selbst Deputy Marshals gewesen; ihr älterer Bruder Frank wurde 1887 im Dienst erschossen.
Das Museum, das Coffeyville 1963 eröffnete, heißt »Dalton Defenders Museum« und erinnert an die Bürger, die ihre Stadt verteidigten. In Meade, Kansas, zeigt ein weiteres Museum ein angebliches Versteck der Bande. Laut der englischen Wikipedia geht es auf eine Ortslegende aus dem 20. Jahrhundert zurück; ein Aufenthalt der Brüder dort nach 1890 ist nicht belegt.
Wie wurden aus der Bande vier Vettern?
Morris erzählte den Überfall schon in »Die Gesetzlosen«, 1951 und 1952 im Magazin Spirou erschienen und 1954 als Album. Auf Deutsch kam die Geschichte 1979 in der österreichischen Zeitschrift Comic Forum heraus, in den 1990er-Jahren in der Reihe »Lucky Luke Classics« und 2007 als Band 81 der regulären Reihe. Am Ende sind alle vier Brüder tot, auch Bill, der in Wirklichkeit nicht dabei war und erst 1894 starb. Morris wurde danach oft gebeten, die Daltons trotzdem wieder auftreten zu lassen.
So entstanden Joe, William, Jack und Averell, erfundene Vettern, die kurz in »Lucky Luke gegen Joss Jamon« auftauchen und in »Vetternwirtschaft« (Album 1958) ihr erstes eigenes Abenteuer bekommen. Die Idee, die toten Brüder durch erfundene Vettern zu ersetzen, schrieb Morris 1988 René Goscinny zu, der ab 1955 die Texte verfasste.
Welche echten Westernfiguren trifft Lucky Luke noch?
Im Album »Der Richter« begegnet Lucky Luke Roy Bean, Friedensrichter in Texas, der als »Hanging Judge« in Erinnerung blieb; laut der englischen Wikipedia ließ er nie jemanden hängen. Seinen Saloon benannte er nach der Schauspielerin Lillie Langtry, die den Ort erst nach seinem Tod 1903 besuchte. Calamity Jane, die Lucky Luke in einem eigenen Album trifft, hieß eigentlich Martha Jane Canary; vieles, was man über sie erzählt, stammt aus einem Werbeheft, das sie 1896 diktierte.
Weit weg vom Wilden Westen scheint das Album »Sarah Bernhardt« von 1982, doch auch dahinter steht eine echte Reise: Die französische Schauspielerin brach im Oktober 1880 zu ihrer ersten Amerika-Tournee auf: 157 Vorstellungen in 51 Städten, unterwegs in einem eigenen Salonwagen der Eisenbahn. Solche Begegnungen mit realen Figuren ziehen sich durch die Serie, von Billy the Kid bis zum Detektiv Allan Pinkerton.
Wer zeichnet Lucky Luke seit Morris?
Hervé Darmenton, 1961 in Lyon geboren, ist gelernter Röntgenassistent; sein Künstlername Achdé ist die französische Aussprache seiner Initialen H. D. Seinen ersten Lucky Luke kaufte er nach Angaben von Dargaud mit neun Jahren. 1999 zeichnete er vier Seiten für das Sammelalbum »Hommage à Morris«; nach Morris' Tod am 16. Juli 2001 fiel die Wahl auf ihn, sein erstes reguläres Album war »Schikane in Quebec« (2004). Sechs Monate habe er damit verbracht, die Eigenheiten in Morris' Zeichnungen aufzuspüren, sagte er 2016 dem französischen Magazin Zoo. In einem Interview, das Egmont 2006 veröffentlichte, nannte er sich »nur ein Relais«.
Der Interviewband »WANTED« ist eine deutsche Idee. Der Journalist Alex Jakubowski, der unter anderem für die Comic-Fachzeitschriften Alfonz und Comixene schreibt, verbrachte Ende Februar 2026 vier Tage in Achdés Atelier; davon berichtet er in seinem Blog Comic-Denkblase. Das Buch ehrt auch Achdés 65. Geburtstag, den er im Juli feierte.
Wie feiert Deutschland 80 Jahre Lucky Luke?
Das Museum für Kommunikation in Berlin zeigt vom 2. Oktober 2026 bis zum 28. März 2027 die Ausstellung »Lucky Luke. Morris' einsamer Westernheld« mit rund 80 originalen Comicseiten und Coverzeichnungen von Morris, die laut Museum erstmals in Deutschland zu sehen sind. Kuratiert hat die Ausstellung der Zeichner Flix gemeinsam mit Dietrich Wolf Fenner. Am 29. Oktober stellen Jul, Achdé und Übersetzer Klaus Jöken den neuen Band in der belgischen Botschaft vor, Teilnahme nur nach Anmeldung bei Egmont und schriftlicher Bestätigung; am 31. Oktober sprechen sie mit Flix auf einem Podium im Museum. Die Botschaft passt: Morris, eigentlich Maurice de Bevere, wurde 1923 im belgischen Kortrijk geboren.
Bis 2021 hatte Egmont nach eigenen Angaben über 30 Millionen Lucky-Luke-Alben in Deutschland verkauft (Börsenblatt). Das französische Vorgängeralbum »Un cow-boy sous pression« kam bis Februar 2026 auf 247.579 verkaufte Exemplare, meldet das Branchenblatt Livres Hebdo. Seit dem 23. März 2026 gibt es den Cowboy außerdem als Realserie bei Disney+, mit Alban Lenoir in der Titelrolle; die vier Zeichentrick-Kinofilme erschienen am 17. September 2026 als Sammlung auf DVD und Blu-ray.
Welche Ausgaben von Lucky Luke 103 gibt es?
Neben dem Album gibt es den Interviewband und den siebten Band der Gesamtausgabe mit »Die Daltons auf dem Kriegspfad«, »Billy the Kid« und »Familienkrieg in Painful Gulch«, darunter also eine Geschichte mit den erfundenen Vettern und eine um einen realen Revolverhelden.
| Titel | Umfang | Termin | Preis |
|---|---|---|---|
| Lucky Luke 103: Heiliger Lucky! | Hardcover, 48 S. | 3.11.2026 | 15,00 € |
| Lucky Luke 103: Heiliger Lucky! | Softcover, 48 S., bei uns nicht erhältlich | 3.11.2026 | 8,99 € |
| WANTED – Ein Zeichner für Lucky Luke | Interviewband, 144 S. | 6.10.2026 | 35,00 € |
| Gesamtausgabe 07 | 3 Alben, 216 S. | 7.7.2026 | 39,00 € |
| Spielfilm-Collection | Blu-ray | 17.9.2026 | 38,90 € |
| Spielfilm-Collection | DVD | 17.9.2026 | 27,90 € |
Unsere Empfehlung
»Heiliger Lucky!« richtet sich an Leser, die mit den Alben groß geworden sind: Leichtgläubigkeit und falsche Propheten passen zu einer Serie, die den Westernmythos seit Jahrzehnten parodiert. Wer die Klassiker von Morris und Goscinny lieber in der Reihenfolge ihres Erscheinens liest, ist mit der Gesamtausgabe besser bedient.
Der Interviewband ist etwas für Leser, die sich für das Handwerk hinter der Serie interessieren; wer eine neue Geschichte sucht, bleibt beim Album.
Stand: 26. September 2026; Preise und Verfügbarkeit der 5 verlinkten Produkte stammen aus unserem Sortiment. Verlagsangaben: Egmont Comic Collection, Produktseiten und Pressemitteilung vom 24. September 2026 (ohne Link); Dargaud, Seite zu »Saint Lucky Luke« (ohne Link). Zählung und Verlagsgeschichte: Wikipedia, »Lucky Luke«. Überfall von Coffeyville: National Park Service; Oklahoma Historical Society; Wikipedia, »Emmett Dalton«, »Beyond the Law (1918 film)«, »William M. Dalton«, »Dalton Gang Hideout and Museum«. »Die Gesetzlosen« und Vettern: Wikipedia, »Lucky Luke«, »Hors-la-loi (Lucky Luke)«. Reale Figuren: Wikipedia, »Roy Bean«, »Calamity Jane«, »Sarah Bernhardt«. Achdé: Dargaud (Autorenseite, ohne Link), Wikipedia; Zoo, 16. Dezember 2016; Egmont-Interview 2006 (ohne Link). »WANTED«: Comic-Denkblase, 18. April 2026 (ohne Link). Ausstellung: Museum für Kommunikation Berlin (ohne Link). Verkaufszahlen: Börsenblatt, 11. Februar 2021; Livres Hebdo, 18. Februar 2026. Serie: Wikipedia, »Lucky Luke (Fernsehserie, 2026)«.




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