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Inhaltsangabe
Im deutschen Sprachraum ist Wolfgang Koeppen der einzige Reiseschriftsteller nach 1945 von Rang. In den Jahren 1955 bis 1957 bereiste er im Auftrag des Süddeutschen Rundfunks unter anderem Spanien, die Niederlande, die Sowjetunion, London und Rom.
Zu dieser Zeit entstanden jene Reise-Essays, die unter dem Titel Nach Rußland und anderswohin. Empfindsame Reisen 1958 erstmals erschienen. Der vorliegende Band beinhaltet darüber hinaus ein umfangreiches Konvolut bislang unveröffentlichter Notizen der Reisen nach Rußland und Italien.
Bei aller Genauigkeit der Schilderung sind Koeppens Reiseimpressionen mehr als fotografische Reproduktion. Die Faszination des Bandes beginnt, wo der Reisende dem Schriftsteller das Wort überläßt – der Wirklichkeit kommt er dort am nächsten.
Produktdetails
Erscheinungsdatum: 18.12.2007
Autor/Autorin: Wolfgang Koeppen
Einband: Hardcover
Auflage: 1
Verlag: Suhrkamp
Sprache: Deutsch
Größe (L/B/H): 205/128/31 mm
Seitenanzahl: 453
ISBN: 9783518418086
Pressestimmen
»Von gefälligen Reiseberichten unterscheidet Koeppens Prosa, dass sie in hohem Maße literarisch durchformt ist.«
Walter Hinck, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Auch heute noch überträgt sich das Fieber des empfindsamen Reisens im Handumdrehen auf den Leser: ›Ich pirsche durch die Stadt. Ich durchstreife ihre entlegensten Reviere. Ich sehe, höre, rieche, schmecke Menschen, Häuser, Plätze, Kirchen, Friedhöfe, Amtsstuben, Gerichtssäle, Kneipen. Ich trinke die fremde Luft‹.«
Eine unglückliche Liebe heißt der erste Roman, den Wolfgang Koeppen 1934 publizierte, und Koeppen hat die Themen Liebe, Begehren und Sehnsucht immer wieder in seiner Prosa aufgegriffen. Meist ist es eine unerfüllte Liebe, eine Suche nach dem »Reich der Sinne«, die Koeppens Helden ertragen bzw. zu ertragen haben.
Der erste Band erzählender Prosa aus dem Nachlaß mit bisher 170 unveröffentlichten Texten zeigt die durch die Jahrzehnte ungebrochene Fabulierfähigkeit Wolfgang Koeppens. Enthalten sind u. a. frühe Versuche aus dem Jahr 1923 bis hin zu Im Hochsitz, der letzten veröffentlichten Erzählung.
»Wenn es so wäre, wie die eingebildete Klugheit meint, stolz, daß man sie nicht betrügen könne: man solle nur glauben, was man mit seinen leiblichen Augen sehen könne: dann sollte man vor allen Dingen aufhören, an die Liebe zu glauben. Und wenn man das täte, und täte es aus Furcht, betrogen zu werden, wäre man dann nicht betrogen? Sich selbst um die Liebe betrügen ist das Furchtbarste, ist ein ewiger Verlust ...« Ein einsiedlerischer alter Freiherr auf einer winzigen holländischen Insel, von dem eine merkwürdige Strenge und Kraft ausgehen, zitiert seinem Besucher aus Kierkegaard. Meint er damit sich selbst, sein eigenes abenteuerliches Leben, das dieser Roman uns zu erzählen beginnt? Carel wächst als Waise in der Obhut des Onkels, der ihm die Insel vererben wird, auf. Dem Offiziersanwärter gelingt es, das ihn beherrschende Gefühl der Nichtzugehörigkeit »zum Leben« zu verbergen. Spielschulden eines Freundes, für den er bürgt, führen in die Katastrophe. Carel muß aus dem Offizierskorps ausscheiden und schifft sich als Soldat nach Surabaya ein. Wenig später bricht der Roman, mit dem sich Wolfgang Koeppen (1906–1996) zwischen 1937 und 1939 im holländischen Exil beschäftigte, ab. Bereits das Fragment besticht mit der Figur Carels, dieses welterfahren-weltabgewandten Außenseiters.
Dieses Buch will sein – eine Verführung zum Lesen: Ich ging Eulenspiegels Weg bietet vor allem jungen Menschen einen Begegnung mit einem Werk, das in unserem Jahrhundert einzigartig dasteht, das Werk des großen Romanciers Wolfgang Koeppen, eines Klassikers zu Lebzeiten.
Dagmar von Briel, die sich seit vielen Jahren mit dem Werk des bald neunzigjährigen Autors befaßt, ist es hier gelungen, auf über 350 Seiten einen höchst anschaulichen Spannungsbogen zwischen Leben und Werk eines von seiner Zeit in besonderem Maße geprägten Schriftstellers zu schlagen. Das Buch beginnt mit autobiographischen und fiktiven Skizzen aus der Jugend des Autors in Greifswald, folgt den ersten Anfängen des Journalisten in Berlin, seinem Debüt als Schriftsteller während der Zeit des Nationalsozialismus und erreicht über Koeppens hellsichtige, verzweifelt-kritische Bestandsaufnahmen der Nachkriegszeit die Reiseessays, Meisterwerke ihres Genres.
Auch für dieses Lesebuch – das drei Texte enthält, die bisher nur in Zeitschriften veröffentlicht waren – gelten die Worte Wolfgang Koeppens: »Jeder, der schreibt, webt weiter am großen Märchenteppich der Welt. Alle dichten das Prinzip Hoffnung…«
Der fünfte Band der Gesammelten Werke Wolfgang Koeppens stellt Bereichte und Skizzen vor – und damit den Autor als reportierenden Chronisten, der nicht nur festhält, was ihm vor Augen kommt, sondern der in jedem Gegenstand, in jedem Geschehen das dabei Besondere, oft unauffällig Charakteristische sieht. Dies betrifft die journalistischen Arbeiten aus den zwanziger Jahren genauso wie die reflektierenden Erinnerungen aus den siebziger und achtziger Jahren. Was den Schriftsteller ausmacht, ist die Tatsache, daß er, auch wenn es »nur« um Berichte und Skizzen geht, über alles scheiben kann und dennoch mit jedem Text fesselt, weil bei ihm auch das auf den ersten Blick unbedeutende Details ein wichtiges Moment beim Erzählen ist, Sinn erhält im großen Ganzen einer – auch keinen – Prosaarbeit. Ob es sich um eine Beobachtung in einer Straße, um ein Frühstückscafé oder um eine Darbietung im Varieté handelt, ob um Dreharbeiten zu einem Film oder um die Zahnbürste eines berühmten Mannes – Wolfang Koeppen beschreibt auch das eher Marginale mit narrativer Meisterhaft. Was das wohl Wichtigste an diesem fünften Band der Gesammelten Werke ist: viel Unbekanntes ist zu entdecken. Eine ganze Reihe von Texten ist nie in Buchform publiziert worden, war nur in Archiven – und dort schwer – zugänglich, ist also einem größeren Publikum bislang verborgen geblieben. Die »neuen« Texte zeigen zwar keinen »neuen« Koeppen, denn immer spricht der Autor ganz unverkennbar mit der ihm eigenen Stimme, aber sie verdeutlichen, daß Wolfang Koeppen offenbar jedem Stoff etwas abzugewinnen vermag, daß es nicht gibt, was für den Schriftsteller reizlos ist.
Jugend ist ebensosehr Darstellung der eigenen wie die einer fremden Jugend. Jugend ist ebensosehr Beschreibung wie Erzählung: Fakten und Fiktion mischen sich. Da sind die Kleinstadt und ihre Gesellschaft; die erste Wirklichkeit im Lichtspielhaus, und die Wirklichkeit des Kriegs, die der Mutter, des Gefallenen, die der Träume und die des Musters der Tapete. Und die Not, natürlich, die vielfältige Not. Wie immer bei Dichtungen ist auch diese Prosa zunächst vom Stil, dann erst vom Geschehen her zu begreifen."
Der Tod in Rom, aus der Distanz eines ironischen Geistes und zugleich mit der ganzen Kraft des Moralisten geschrieben, ist die Geschichte einer Handvoll Menschen, die nach dem Krieg in Rom zusammentreffen: Opfer, Täter, Vorbereiter und Nachgeborene des Schreckens. Wolfgang Koeppen beschreibt in diesem Zeitroman die verborgenen Krankheiten der deutschen Seele: ein Werk voll beklemmender, faszinierender und befreiender Lebenseinsichten.
»Koeppens Werk besteht, wie das von allen Schriftstellern, aus Büchern von sehr unterschiedlicher Bedeutung. Ich schätze besonders den frühen Roman Eine unglückliche Liebe, den Roman Der Tod in Rom und das Fragment Jugend. Für das allerwichtigste Buch von Koeppen halte ich den herrlichen Roman Tauben im Gras, veröffentlicht 1951 und nach wie vor viel zu wenig bekannt. Wer diesen Roman nicht gelesen hat, der solle nicht glauben, er kenne die deutsche Literatur nach 1945.« Marcel Reich-Ranicki
Das Treibhaus erzählt von einem, der im Bonn der fünfziger Jahre politische Verantwortung übernimmt, von einem Regierenden und damit in übertragener Weise von dem, was man Staatsapparat nennt: sein »Treibhaus«-Klima von Wahlkampf, Diplomatie und Opportunismus verdeutlicht, was Koeppen von Politik hält – sie ist ein Geschäft, und wer sich nicht an die Regeln hält, ist verloren.
»Wie oft ich komme, mit der Eisenbahn über den Damm, durch die gleißende Lagune, im Zug Paris-Venedig, München-Venedig, zu Schiff, von der Adria, von den Tempeln, von den Säulen … Venedig lockt, fängt ein, verführt mit seinem Licht, seiner Wasserluft, der Geisterluft … Der Reisende wird aus der Bahn geworfen. Er ist an Land gesprungen, des Abenteuers gewiß.« Wolfgang Koeppens Erinnerungen an Venedig »entschlüsseln sehr schnell ihren Zauber, der Koeppens Texten immer eigen war«. Andreas Müller, Darmstädter Echo