Vom Leben des Geistes
Karl Jaspers brachte Hannah Arendt zur Vernunft und Martin Heidegger um den Verstand. Seine mächtige Urteilskraft stieß den Deutschen so bitter auf, dass sie ihm schließlich den schlimmsten Ehrentitel hinterherwarfen, der für Nestbeschmutzer zu vergeben ist: «Das Gewissen der deutschen Nation», seit 1947 wohnhaft in der Austraße, Basel, Schweiz. Der junge Karl Jaspers versuchte es bodenständig mit Jura, entschied sich dann aber fürs Medizinstudium, um sein Leben zu retten. Sein Körper jedoch blieb zeitlebens so schwach, dass nur eines aus ihm werden konnte. Er wurde der meistgelesene, meistübersetzte Philosoph der deutschen Nachkriegszeit.
Die Philosophin Bettina Stangneth erzählt vom Leben eines Eingesperrten, der gern mehr von der Welt gesehen hätte, aber der Welt zu Sehen half. Die erste große Jaspers-Biografie ist eine Liebeserklärung an einen Philosophen, der am Ende zum Schluss kam, dass doch alles umsonst war, und so die Aufklärung ins nächste Jahrtausend gerettet hat.














