Tschewengur

Die Wanderung mit offenem Herzen. Roman
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Inhaltsangabe

Nicht nur Die Baugrube, auch das zweite Hauptwerk Andrej Platonows, der Roman Tschewengur, durfte in der Sowjetunion nicht erscheinen. Er habe nichts anderes versucht, als den Anfang der kommunistischen Gesellschaft darzustellen, schreibt der Autor an den mächtigen Maxim Gorki. Das Buch, so die Antwort, sei inakzeptabel, denn die Helden würden nicht als Revolutionäre, sondern als komische Käuze und Halbverrückte wahrgenommen.

Don Quijote und Sancho Pansa durchstreifen die Steppe Südrusslands: Sascha Dwanow hat als Heizer an den Kämpfen der Roten Armee gegen die Weißen teilgenommen. Kopjonkin ist auf dem Ross »Proletarische Kraft« unterwegs, auf der Suche nach dem Grab Rosa Luxemburgs, in deren Namen er Heldentaten begehen will. Soll das, was ihnen unterwegs begegnet, die Verwirklichung der sozialistischen Idee sein? Erst nach der Trennung von Kopjonkin kommt Sascha auf die richtige Spur. In der Steppenstadt Tschewengur soll der Kommunismus bereits angebrochen sein.

Wie elf Bolschewiki und ihr Führer dort die Bourgeoisie vernichten und mit der bettelarmen Bevölkerung das Paradies aufbauen, wird als Geschichte eines gigantischen Scheiterns erzählt. Melancholie und Dunkelheit liegen über der Natur und der Stadt: »In die Tiefe der angebrochenen Nacht gingen ein paar Menschen aus dem Kommunismus ins Ungewisse.«

Produktdetails
  • Erscheinungsdatum: 18.04.2018
  • Autor/Autorin: Andrej Platonow
  • Übersetzung: Renate Reschke (aus dem Russischen)
  • Einband: Hardcover
  • Auflage: 1
  • Verlag: Suhrkamp
  • Sprache: Deutsch
  • Größe (L/B/H): 214/135/35 mm
  • Seitenanzahl: 581
  • ISBN: 9783518428030
Darum lohnt sich dieses Buch
  • Erfolgreiche Wiederentdeckung der Baugrube
  • Nachwort von Ingo Schulze und Dževad Karahasan
  • Ein Hauptwerk der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts
Pressestimmen
»Die poetische Eindringlichkeit, mit der Platonow seine surrealistische Vision entwickelt, ist [...] Beleg einer großen Ernsthaftigkeit, einer tiefen, echten Sehnsucht, die völlig konträr zur Aura des Absurden steht, von der viele Geschehnisse und die meisten Dialoge dieses Romans gekennzeichnet sind.«
Katharina Granzin, taz. die tageszeitung, 14. Juli 2018
»In der neuen Übersetzung von Renate Reschke gibt es kaum eine Seite ohne sprachlich überraschende, oft rätselhafte, auch bei fürchterlichem Inhalt lyrisch schöne Sätze, die man nicht nur einmal lesen möchte.«
Thomas Borchert, Ruhr nachrichten, 4. Juli 2018
»[Dževad Karahasan] ist zuzustimmen, wenn er Platonows Werk als ›Mythourgie‹ definiert, als Arbeit am und mit dem Mythos, und es ›vom literarischen Erzählen im engeren Sinne‹ abgrenzt. Das indes macht aus dem Meilenstein der Literatur einen weltanschaulichen Traktat.«
Christiane Pöhlmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Juni 2018
»Ein Kunstwerk von überwältigender Selbstständigkeit, ein Buch, das durch seine sprachliche Erfindungsgabe und Kraft auf jeder Seite Begeisterung erzeugt und das Bedürfnis laut vorzulesen. Andrej Platonow ist ein Sprachmagier der Klasse von Samuel Beckett, Kafka oder Laszlo Krasznahorkai ...«
Uli Hufen, Deutschlandfunk Kultur, 24. Juni 2018
»In Tschewengur verblüfft und fesselt die bruchlose Verknüpfung von altertümlich religiösen mit zeitlos utopischen Heilsmotiven sowie zugleich absurd komischen mit gnadenlos realistischen Schilderungen des Jetzt. In der glänzenden Übersetzung von Renate Reschke gibt es kaum eine Seite ohne sprachlich überraschende, oft rätselhafte, auch bei fürchterlichem Inhalt lyrisch schöne Sätze, die man nicht nur einmal lesen möchte.«
FOCUS online, 12. Juni 2018
»Andrej Platonows 1927 entstandener Roman Tschewengur ist nicht nur voll solch düsterer Absurditäten, er stellt auch die vielleicht radikalste Auseinandersetzung und Abrechnung mit dem Sozialismus in seiner sowjetischen Ausprägung dar.«
ORF, 10. Juni 2018
»In seinem großen Roman Tschewengur erzählt Platonow von den Anfängen der kommunistischen Gesellschaft, irgendwo bei Woronesch, südlich von Moskau. Er schildert alle Spielarten revolutionären Wahns.«
Sonja Zekri, Süddeutsche Zeitung, 2. Juni 2018
»529 Seiten misst der Text des Romans in der Übersetzung von Renate Reschke; sein erzählerischer Reichtum kann nur angedeutet werden.«
Bernhard Schulz, Der Tagesspiegel, 20. Mai 2018
»In der glänzenden Übersetzung von Renate Reschke (nach der Erstveröffentlichung 1990 neu überarbeitet) gibt es kaum eine Seite ohne sprachlich überraschende, oft rätselhafte, auch bei fürchterlichem Inhalt lyrisch schöne Sätze, die man nicht nur einmal lesen möchte.«
Hamburger Abendblatt, 8. Mai 2018
»Ein Glanzstück der frühen sowjetischen Literatur – halsbrecherisch, sprachlich virtuos, modern, komisch, und natürlich jahrzehntelang verboten.«
SWR
Herstellerinformationen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de
Tel: +49 30 740 744 0

Weitere Bücher von Andrej Platonow

Die Baugrube

€18,00

Am Rand einer großen Stadt heben Arbeiter eine riesige Grube aus, um ein »gemeinproletarisches Haus« zu errichten. Vom Kriegsinvaliden über den Handlanger bis zum Ingenieur bildet sich unter den freiwilligen Sklaven eine Hierarchie, die den sozialen Verhältnissen in Stalins Sowjetunion ähnelt. Mit Nastja, dem Waisenkind, das sich nach seiner bourgeoisen Mutter sehnt, ist der »neue Mensch« bereits unter ihnen. Doch am Ende wird es in der Baugrube beerdigt, dem kollektiven Grab, das sich die »Paradieserbauer« (Brodsky) geschaufelt haben.

Andrej Platonows Helden setzen alle ihre Kräfte ein, die glückliche Zukunft der Menschheit durch ihrer Hände Arbeit herbeizuführen – und werden doch von der Wucht dieser Aufgabe erdrückt: Sie versinken in Schwermut, leiden an Erschöpfung und Grübelsucht oder gehen zugrunde, weil es in der neuen Ordnung der Dinge keinen Platz mehr für sie gibt. Die Sprache kann mit dem utopischen Denken nicht Schritt halten, der Boden entgleitet ihr unter den Füßen.

Wie kein zweiter Autor lässt Platonow die Atmosphäre einer Epoche spüren, die voll war von Utopien und Prophezeiungen einer künftigen Welt. Die russische Revolution, die alle Bereiche des Lebens in diesem riesigen Land erfasste, der Kampf um einen »neuen Himmel und eine neue Erde«, findet in seinem Werk einen unerhörten Ausdruck.

Auf der Grundlage der 2000 in Sankt Petersburg erschienenen, erstmals edierten gültigen Originalausgabe hat Gabriele Leupold, gerühmt für ihre Übersetzungen von Andrej Belyjs Petersburg und Warlam Schalamows Erzählungen aus Kolyma, eine neue deutsche Fassung des als unübersetzbar geltenden Buches erarbeitet.

Dieses Buch ist Teil der Reihe »75 Jahre Bibliothek Suhrkamp«: Willy Fleckhaus hatte für die Bibliothek Suhrkamp ein ikonisches Coverdesign und eine eigene visuelle Ordnung geschaffen. Mit »30 Farben für Willy Fleckhaus« (2026) greift Olaf Nicolai diese Gestaltung auf und aktualisiert die scheinbar zeitlose Gestaltungsgrammatik. Mit deren mathematisch berechneten Kombinationen bespielt er dieses Raster und verändert unseren Blick auf Fleckhaus’ Arbeit: Was ursprünglich als funktionaler Entwurf gedacht war, wird jetzt als konzeptuelle Struktur sichtbar. Nicolai erzeugt so eine neue Aufmerksamkeit für die Reihe als Form, er konserviert sie nicht, er aktiviert sie, er zeigt die Bibliothek Suhrkamp als eine höchstlebendige Struktur.

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