Der Staatsbewohner

Erzählungen | Vom Autor des Kultbuchs »Die Baugrube«
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Inhaltsangabe

Der unbequeme Klassiker der russischen Literatur

Besten Willens, beim Bau der Republik mitzuarbeiten, brechen Platonows Helden in die Weiten der neuen sowjetischen Erde auf, um nach dem Rechten zu sehen und die menschlichen Fundamente zu überprüfen. Die Fragen, die sie stellen, stoßen auf Unverständnis. Makar, ein kleiner Bauer, gerät darüber in Verzweiflung und landet am Ende im Irrenhaus, wo man den Kranken aus Lenins Schriften vorliest. Anders der für das Transportwesen zuständige Weretennikow. Er spricht den Staat mit »Sie« an und rät jedem, der leidet, er solle gefälligst warten und so lange leben, bis der Staat ihn bemerkt und sich um ihn kümmert.

Während sich in diesem »Staatsbewohner« der Prototyp des zynischen Untertanen und Mitläufers ausbildet, tritt in der meisterhaften Reisenovelle »Zu Gute« ein enthusiastisch Suchender auf, der die Mängel, die er entdeckt, nicht verschweigen kann. Die Veröffentlichung dieses Textes, der Stalins Zorn erregte, war der Anfang vom Ende der schriftstellerischen Karriere Platonows. Bis zu seinem Tod 1951 konnte er nichts mehr von vergleichbarem Rang veröffentlichen.

Produktdetails
  • Erscheinungsdatum: 17.12.2025
  • Autor/Autorin: Andrej Platonow
  • Übersetzung: Gabriele Leupold (aus dem Russischen)
  • Einband: Hardcover
  • Auflage: 1
  • Verlag: Suhrkamp
  • Sprache: Deutsch
  • Größe (L/B/H): 212/130/24 mm
  • Seitenanzahl: 207
  • ISBN: 9783518431146
Darum lohnt sich dieses Buch
  • Der unbequeme Klassiker der russischen Literatur
  • Neuübersetzung von Gabriele Leupold
Pressestimmen
»Leupold hat diesen Band ... in ein Deutsch übersetzt, in dem sie das sehr eigentümliche Idiom, das Platonow als Teil seiner Literatursprache entwickelt hatte, so weit kongenial nachbildet beziehungsweise kreativ anklingen lässt, wie es überhaupt möglich ist.«
Katharina Granzin, taz. die tageszeitung, 29. Mai 2026
»Andrei Platonow kritisierte die Kollektivierung mit spitzer Ironie. ... Gabriele Leupold hat diese schicksalshafte Prosa in ein wunderbar widerspenstiges Deutsch gebracht, in dem sich die stilistische Meisterschaft Platonows spiegelt.«
Ulrich M. Schmid, Neue Zürcher Zeitung, 20. April 2026
»Die extreme Normierung von Mensch und Gesellschaft fällt unter Platonows stilsichere Kritik. ... Gabriele Leupold hat großartige Arbeit als Übersetzerin geleistet und Hintergrundmaterial beschafft. So bekommt Platonow eine würdige Bühne.«
Anton Thuswaldner, Die Furche, 26. Februar 2026
»Mit Der Staatsbewohner setzt Suhrkamp sein unschätzbares Projekt Andrej Platonow fort, abermals umwerfend ins Deutsche gebracht von Gabriele Leupold.«
Christian Thomas, Frankfurter Rundschau, 7. Februar 2026
»Dank Gabriele Leupold ist [die Sprache der Erzählungen] zugleich rau, schroff, brüchig und noch heute ein Abenteuer ...«
Jörg Plath, ORF, 25. Januar 2026
»Die Erzählsammlung Der Staatsbewohner des Sowjetautors lehrt eindrucksvoll, wie man das Bewusstsein vermittels Sprache manipuliert. ... Man sollte Platonow schon deshalb wiederlesen ... Auch ohne Sowjetkommunismus gibt es dieser Tage genügend Institutionen, die das Bewusstsein mit Unrat fluten.«
Ronald Pohl, Der Standard, 23. Januar 2026
»Andrej Platonow gehörte zu den Mutigsten in Stalins Diktatur. ... Gabriele Leupold hat [seine Erzählungen] akribisch genau ins Deutsche übertragen und vollbracht, was der Literatur-Nobelpreisträger Joseph Brodsky wegen Platonows ›Extremismus der Sprache‹ ... noch für unmöglich hielt.«
Raoul Löbbert, DIE ZEIT, 22. Januar 2026
»Man kann beobachten, wie Platonow [in diesen Erzählungen die ideologische Sprache des Leninismus-Stalinismus] nutzt, sie umkehrt, mit ihr arbeitet, sie durchdringt.«
Tomas Fitzel, rbb, 6. Januar 2026
»Platonows satirische Szenen sind plastisch, beißend und dialogstark. Und das wirkt ungemindert auch fast 100 Jahre nach ihrem Erscheinen.«
Cornelius Wüllenkemper, Deutschlandfunk, 22. Dezember 2025
»Die Widersprüche des Sowjetsystems spiegeln sich in der disparaten Sprache dieser großartigen Erzählungen spannungsvoll wider.«
Judith Leister, 16. Dezember 2025
Herstellerinformationen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de
Tel: +49 30 740 744 0

Weitere Bücher von Andrej Platonow

Die Baugrube

€18,00

Am Rand einer großen Stadt heben Arbeiter eine riesige Grube aus, um ein »gemeinproletarisches Haus« zu errichten. Vom Kriegsinvaliden über den Handlanger bis zum Ingenieur bildet sich unter den freiwilligen Sklaven eine Hierarchie, die den sozialen Verhältnissen in Stalins Sowjetunion ähnelt. Mit Nastja, dem Waisenkind, das sich nach seiner bourgeoisen Mutter sehnt, ist der »neue Mensch« bereits unter ihnen. Doch am Ende wird es in der Baugrube beerdigt, dem kollektiven Grab, das sich die »Paradieserbauer« (Brodsky) geschaufelt haben.

Andrej Platonows Helden setzen alle ihre Kräfte ein, die glückliche Zukunft der Menschheit durch ihrer Hände Arbeit herbeizuführen – und werden doch von der Wucht dieser Aufgabe erdrückt: Sie versinken in Schwermut, leiden an Erschöpfung und Grübelsucht oder gehen zugrunde, weil es in der neuen Ordnung der Dinge keinen Platz mehr für sie gibt. Die Sprache kann mit dem utopischen Denken nicht Schritt halten, der Boden entgleitet ihr unter den Füßen.

Wie kein zweiter Autor lässt Platonow die Atmosphäre einer Epoche spüren, die voll war von Utopien und Prophezeiungen einer künftigen Welt. Die russische Revolution, die alle Bereiche des Lebens in diesem riesigen Land erfasste, der Kampf um einen »neuen Himmel und eine neue Erde«, findet in seinem Werk einen unerhörten Ausdruck.

Auf der Grundlage der 2000 in Sankt Petersburg erschienenen, erstmals edierten gültigen Originalausgabe hat Gabriele Leupold, gerühmt für ihre Übersetzungen von Andrej Belyjs Petersburg und Warlam Schalamows Erzählungen aus Kolyma, eine neue deutsche Fassung des als unübersetzbar geltenden Buches erarbeitet.

Dieses Buch ist Teil der Reihe »75 Jahre Bibliothek Suhrkamp«: Willy Fleckhaus hatte für die Bibliothek Suhrkamp ein ikonisches Coverdesign und eine eigene visuelle Ordnung geschaffen. Mit »30 Farben für Willy Fleckhaus« (2026) greift Olaf Nicolai diese Gestaltung auf und aktualisiert die scheinbar zeitlose Gestaltungsgrammatik. Mit deren mathematisch berechneten Kombinationen bespielt er dieses Raster und verändert unseren Blick auf Fleckhaus’ Arbeit: Was ursprünglich als funktionaler Entwurf gedacht war, wird jetzt als konzeptuelle Struktur sichtbar. Nicolai erzeugt so eine neue Aufmerksamkeit für die Reihe als Form, er konserviert sie nicht, er aktiviert sie, er zeigt die Bibliothek Suhrkamp als eine höchstlebendige Struktur.

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