Tagebuch der Übersiedlung

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Inhaltsangabe

»Weiß vor Angst und Schlaflosigkeit, machten wir uns auf nachzusehen, was von Marindvor übriggeblieben war.« Wieder sind sie verschont geblieben: ein Granatsplitter hat nicht den Autor und seine Frau, aber die Bücher getroffen: William Faulkner, Nadeshda Mandelstam, Gottfried Kellers »Grünen Heinrich«.

In kurzen, unvergesslichen Szenen beschreibt Dževad Karahasan das Leben im belagerten Sarajevo. Einen Mann, der aus der Warteschlange tritt, sich auf ein Mäuerchen setzt und stirbt. Die Evakuierung der jüdischen Gemeinde. Das absurde Gespräch mit einem französischen Korrespondenten über Hunger und Kälte.

Sarkasmus, Humor, Güte und eine beeindruckende geistige Souveränität charakterisieren die Haltung, mit der Karahasan vom Alltag im Krieg und von der Übersiedlung einer kulturell und religiös polyphonen Stadt in die Sphäre des Idealen schreibt.

Das Tagebuch der Übersiedlung ist ein bleibendes Zeugnis über die Belagerung Sarajevos – weniger im Sinne einer Alltagsdokumentation als durch seine gedankliche und ethische Strahlkraft.

Produktdetails
  • Erscheinungsdatum: 12.05.2021
  • Autor/Autorin: Dževad Karahasan
  • Übersetzung: Katharina Wolf-Griesshaber
  • Einband: Hardcover
  • Auflage: 2
  • Verlag: Suhrkamp
  • Sprache: Deutsch
  • Größe (L/B/H): 214/134/30 mm
  • Seitenanzahl: 223
  • ISBN: 9783518429815
Darum lohnt sich dieses Buch
  • Bleibendes Zeugnis der Menschlichkeit in finsteren Zeiten
  • Ein großer europäischer Erzähler
Pressestimmen
»Wenn es heute noch Reste der ›Wunderstadt‹ gibt, liegt es auch daran, dass ihre Bewohner während der Belagerung und in den Jahren seither nicht aufgehört haben, deren Erbe zu hüten. Karahasan gießt das in die Formel: ›Es gilt die Form zu bewahren.‹ Ihm ist das gelungen, über den Preis, den er dafür zahlte, schweigt er vornehm.«
Hannes Hintermeier, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Oktober 2021
»Seine umfassende Bildung, sein Vermögen, zu jedem Thema mindestens drei unerwartete, inspirierende Querverbindungen herzustellen und sein analytischer Blick leuchten aus jeder der knapp zweihundert Seiten heraus.«
Freie Presse, 1. Juli 2021
»Kein Geheimnis, dass Dževad Karahasan ein brillanter Erzähler ist. Ebenso kein Geheimnis ist die bittere Ausweglosigkeit Sarajevos im Jugoslawienkrieg. Karahasans neu übersetztes und ergänztes Essay ist die lesenswerte Verbindung beider Geheimnisse.«
Daniel Hadler, kleinezeitung.at, 1. Juli 2021
»Karahasan wieder zu lesen, ist im Zeitalter vermeintlich einzementierter Identitäten aktueller denn je.«
Marko Martin, DIE WELT, 26. Juni 2021
»Er ist einer der großen europäischen Gelehrten der Gegenwart ... Ein Buch, das man jedenfalls gelesen haben sollte, wenn man die jüngste, schmerzvolle Geschichte Europas besser verstehen möchte.«
ORF, 10. Juni 2021
»So ist das Sarajevo von vor der Belagerung durch die bosnischen Serben und der Invasion durch die Touristen in eine ideale Sphäre übergesiedelt, die nur noch die die Literatur, ... durch dieses Tagebuch der Übersiedlung also, zu erreichen ist.«
Tobias Lehmkuhl, Süddeutsche Zeitung, 5. Juni 2021
»Dževad Karahasan ... ist der wichtigste Chronist dieser Belagerung, bei der rund 14.000 Menschen starben, und einer der bedeutendsten Schriftsteller Ex-Jugoslawiens.«
SR2, 19. Mai 2021
»Dzevad Karahasans Essayband ist ein bewegendes Dokument sowohl des möglichen Reichtums menschlicher Beziehungen unter mörderischen Bedingungen als auch des künstlerischen Widerstands gegen die gewaltsame Zerstörung einer Lebenswelt, die immer schon multikulturell, multiethnisch, multireligiös gewesen ist.«
Peter Strasser, Die Presse, 8. Mai 2021
Herstellerinformationen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de
Tel: +49 30 740 744 0

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Berichte aus der dunklen Welt

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Zwanzig Minuten Fußweg sind es von der Lateinerbrücke, an der mit dem Attentat auf das Habsburger Thronfolgerpaar das »kurze 20. Jahrhundert« begann, bis zur Vrbanjabrücke, an der es 1992 mit der Ermordung zweier Studentinnen endete. Nüchtern und unspekulativ hellt Dževad Karahasan die Dunkelheit auf, die über diesem Weg und den Menschen liegt, die ihn gegangen sind. Karahasan folgt den Spuren, die das 20. Jahrhundert in seiner Heimatstadt Sarajevo und in Bosnien hinterlassen hat. Anatomie der Traurigkeit handelt von dem Sohn eines italienischen Partisanen und einer jugoslawischen Kommunistin, der im Exil sein Leben rekapituliert. In Prinzip Gabriel führen Recherchen den Erzähler nach Theresienstadt. Er entdeckt, daß dort auch Gavrilo Princip, der Attentäter von Sarajevo, inhaftiert war. Die Briefe aus dem Jahre 1993 berichten von einem Studenten, der seinen Dozenten mit den Briefen eines in Sarajevo Umgekommenen konfrontiert. Immer wieder verknüpft dieser Berichterstatter aus einer dunklen Welt scheinbar unzusammenhängende Ereignisse. In einer Prosa, die Authentisches und Fiktives geschickt ineinander verwebt, wird so die »spiralförmige Struktur der Zeit« sichtbar.
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