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Inhaltsangabe
»Was diese Gedichte an Irritationen, an Desorientierung auch ausdrücken mögen, sie zeigen alle die Unbeirrbarkeit an der Fähigkeit dieses Ausdrückenkönnens. Sie zeigen eine Meisterschaft in der Beherrschung der Mittel, die Celan ausgebildet hat, wie kaum ein Band von ihm vorher.« Helmut Heißenbüttel
Bereits der Briefwechsel mit seiner Frau Gisele Celan-Lestrange gewährte Einblicke in die Gefühlswelt des Dichters. Ein Gleiches versucht auch dieses Buch, das Gedichte aus allen Schaffensperioden versammelt.
Dieses Buch ist Teil der Reihe Die schönsten Liebesgedichte im insel taschenbuch.
Ohne Liebe geht es nicht. Nicht im Leben und nicht in der Literatur.
Ben Becker ist auf Tour – mit Giora Feidman, dem berühmten Klezmer-Klarinettisten. Der Schauspieler mit der unverwechselbar rauchig-kantigen Stimme und der kongeniale Virtuose des »Jewish Soul« haben sich zusammengefunden für eine Hommage an Paul Celan, den wohl bedeutendsten Dichter deutscher Sprache nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Schönheit der Gedichte und die künstlerische Radikalität des Autors aus der Bukowina haben Becker von jeher fasziniert, in den Auftritten bringt der Schauspieler und Sänger die Begeisterung für Paul Celan seinem Publikum nahe. Für den Suhrkamp Verlag hat er die für ihn wichtigsten Gedichte und Briefe ausgewählt.
»Eine neue Eiszeit kommt auf uns zu, lese ich im ›Spiegel‹, es sind nur noch 250 Jahre bis dahin – sollten wir uns da nicht noch einmal treffen?« Letzter Brief Paul Celans an Gisela Dischner, 26. Januar 1970
Als sie sich 1964 in Paris kennenlernen, ist die Studentin Gisela Dischner 24 Jahre alt, Paul Celan 43. Für Paul Celan wird sie die jüngste seiner wichtigen Briefpartnerinnen, die Vertreterin einer neuen Generation. Den Nationalsozialismus und den Krieg hat sie nicht mehr bewusst erlebt. Sie studiert bei Adorno und Habermas, steht politisch weit links. Es ist die Zeit der Notstandsgesetzgebung, der Großen Koalition, des ersten Vietnam-Kongresses. Viele politische Zeitereignisse nimmt Celan entschieden anders wahr als seine Briefpartnerin: so den Pariser Mai 1968, bei dem er die Antisemitismen der Aufständischen schärfer beleuchtet, so den Sechstagekrieg, bei dem die unterschiedlichen »Neigungswinkel« deutlich werden. Auch über Literatur, Malerei und Musik tauschen sie sich aus: einander bereichernd so gut wie kontrovers. Allen Differenzen zum Trotz kommt es zu vorübergehendem Schweigen, nie aber zum Bruch.
Das Verhältnis der 121 brieflichen Dokumente ist das unausgewogenste aller Celan-Korrespondenzen. Seine Fortsetzung hat der schriftliche Austausch in zehn, elf Begegnungen oder im Telefonat erfahren. Ein reichhaltiger Kommentar und ein Erinnerungstext erschließen das unausgesprochene ›Dazwischen‹ dieses Briefwechsels.
Diese Korrespondenz ist ein außergewöhnliches Dokument: Gustav Chomed (1920-2002) war ein Schulkamerad und enger Freund Celans seit etwa 1932. Der zwischen beiden geführte Briefwechsel der Jahre 1938-1970 überbrückt die größte Zeitspanne aller Celan-Briefwechsel und ist zwischen beiden Briefpartnern ausgewogen wie kein zweiter. 1938 beginnt die Korrespondenz mit einem langen Brief Celans aus Tours, einem der frühesten bekannten Briefe des Dichters überhaupt. Am Ende stehen Briefe aus den letzten Lebensmonaten 1970, in denen Celan seine verzweifelte Situation zu erkennen gibt und zugleich noch einmal wichtige Positionen seiner späten Poetik formuliert. Aus Chomeds Briefen wiederum erfahren wir nicht nur von der Situation der im sowjetischen Czernowitz zurückgebliebenen Freunde Celans. In ihnen berichtet er auch von seinem Weg als Soldat der Roten Armee, der Auschwitz und die verkohlte Leiche von Goebbels im eroberten Berlin mit eigenen Augen gesehen und der als Dolmetscher an den Nürnberger Prozessen teilgenommen hat.
Die Ausgabe dieser Briefe mit Nachwort und Kommentar läßt eine im Leben Paul Celans selten enge, vertrauensvolle und dauerhafte Beziehung vor dem katastrophischen Hintergrund des 20. Jahrhunderts lebendig werden.
Mit den Bänden 15 (bereits erschienen) und 16 der Historisch-kritischen Ausgabe der Werke Paul Celans (Bonner Ausgabe) tritt die Prosa in den Blickpunkt, nachdem mit den Bänden 1-14 das lyrische Werk vollständig ediert vorliegt. Im Zentrum des Bandes 16 steht die Edition sämtlicher vorbereitender Materialien zur Büchner-Preis-Rede Der Meridian von 1960, einem der bedeutendsten und meistgedeuteten poetologischen Texte des 20. Jahrhunderts. Es schließt sich die Edition diverser unveröffentlichter Ensembles wie Umkreis Gegenlicht, Gegen das Gelichter, Erzählerisches, Poetologisches und Szenisches an. Ergänzt wird der Band durch einen reichhaltigen, über einhundertseitigen Anteil von Faksimiles und einen Index.
Mit diesem Band ist die Historisch-kritische Ausgabe von Lyrik und Prosa Paul Celans, besorgt von der Bonner Arbeitsstelle für die Celan-Ausgabe, nach über 40 Jahren der Planung und Ausführung abgeschlossen. Sie ist die umfangreichste Edition von Celans dichterischem Werk.
Der Briefwechsel zwischen Paul Celan und Rudolf Hirsch, dem langjährigen Geschäftsführer des S. Fischer Verlags, Redakteur der Neuen Rundschau und für kurze Zeit auch Leiter des Insel-Verlages, bietet eine neue Perspektive auf Leben und Werk des Dichters. Er ermöglicht erstmals Einblicke in die Beziehung Celans zu einem Verleger. Entstehung und Publikation seiner Werke erscheinen damit in einem neuen Licht. Hirsch war in einem von Celan gewünschten Sinne »aufmerksam«: Von ihm fühlte er sich als Dichter verstanden, bei ihm suchte er Rat und Hilfe, ihm vertraute er seine Werke an. Neben bedeutenden übersetzungen erschienen die Lyrikbände Sprachgitter und Die Niemandsrose sowie die Büchner-Preis-Rede Der Meridian bei S. Fischer. »Die Worte, die Sie mir vor meiner Lesung zuteil werden ließen, haben mich zuinnerst ergriffen«, schreibt Celan im März 1959 nach einer Lesung in Frankfurt: »Es war ein großer Augenblick für mich, ich wollte, ich hätte in ihm stehen bleiben dürfen, sofort, mit den Gedichten.« So sind die 207 erhaltenen Briefe, Karten und Telegramme, welche die beiden zwischen 1954 und 1964 wechselten, Zeugnisse einer langsam wachsenden tiefen Freundschaft, bis sie tragisch zerbrach: Bedrängt und gequält von den in der ›Goll-Affäre‹ erhobenen, unberechtigten Plagiatsvorwürfen, wandte sich Celan schließlich auch gegen seinen Verleger, glaubte ihn als Drahtzieher eines »doppelten Spiels« zu durchschauen und zog sich ins Schweigen zurück.
Diese Ausgabe der »Suhrkamp BasisBibliothek - Arbeitstexte für Schule und Studium« bietet nicht nur eine repräsentative Auswahl der Gedichte Paul Celans, sondern im Anhang auch die für das Verständnis des Werks höchst aufschlussreiche Büchner-Preisrede »Der Meridian«. Ergänzt wird die Edition von einem Kommentar, der alle für das Verständnis der Gedichte erforderlichen Informationen enthält: eine Zeittafel zu Leben und Werk Celans, die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der Gedichtbände, Deutungsansätze, Literaturhinweise sowie detaillierte Einzelkommentare zu den hier versammelten 50 Gedichten.
Die Gedichte dieses Bandes entstanden zwischen Dezember 1967 und Oktober 1968. Die politischen Ereignisse jener Zeit haben darin ihre Spuren hinterlassen. Auch formal entwickelte Celan seine Dichtung weiter. Er schrieb nun in rascherer Folge als in den Jahren zuvor, oft zwei oder drei Gedichte am Tag. So bestand ein wesentlicher Teil seiner Arbeit an diesem Band in der Auswahl der Texte. In den Nachlassmappen zu Schneepart finden sich neben den 70 darin aufgenommenen Gedichten weitere 57 (bereits veröffentlicht in den Gedichten aus dem Nachlaß), die nach und nach ausgesondert wurden. Schneepart ist der letzte Gedichtband, den Celan noch zum Druck vorbereitet hat, doch konnte er nicht mehr selbst Korrektur lesen. Textgrundlage der »Endfassung« ist eine Reinschrift, die Celan für seine Frau Gisèle Celan-Lestrange anfertigte und die Fragen der endgültigen Textgestalt im einzelnen offenläßt. Schneepart erscheint nun in einer kritisch edierten Studienausgabe, die zu den Gedichten jeweils die wichtigsten, oft auch alle Vorstufen graphisch aufbereitet und synoptisch zum Vergleich darbietet. Den Texten sind Worterklärungen und Zitatnachweise sowie Anmerkungen zu den Textzeugen und zur Entstehung etc. beigegeben.
Paul Celan (1920-1970) ist und bleibt wohl der wichtigste Dichter deutscher Sprache nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Holocaust. Im Unterschied zu den vor 40 Jahren, in Celans Todesjahr, veröffentlichten, seit langem vergriffenen "Ausgewählten Gedichten" kann die neue Auswahl aus der Fülle der in den beiden großen Werkausgaben des Suhrkamp Verlags vollständig publizierten Gedichte schöpfen. Sie schließt eine Lücke in der großen Sammlung mit Gedichtbänden von Klassikern der Moderne, die in der Bibliothek Suhrkamp vorliegen.