Diese Ausgabe der »Suhrkamp BasisBibliothek – Arbeitstexte für Schule und Studium« bietet nicht nur Bernard Shaws welt>bekannte »Romanze« über den Aufstieg des Blumenmädchens Eliza Doolittle zur Dame der angesehenen Gesellschaft, sondern neben dem Nachwort des Autors auch einen Kommentar, der alle für das Verständnis des Stücks erforderlichen Informationen enthält: die Entstehungsgeschichte, die Wirkungsgeschichte, einen Überblick über die verschiedenen Deutungsanspekte und die thematischen Schwerpunkte von Pygmalion, Literaturhinweise sowie ausführliche Wort- und Sacherläuterungen.
Mehr als drei Jahrzehnte nach G. B. Shaws Tod entdeckte sein Biograph Michael Holroyd die verschollen geglaubte Urfassung dieses frühen Stückes zur Frauenemanzipation. Sie wird jetzt erstmals in deutscher Sprache im insel taschenbuch veröffentlicht. Der Titelheld dieser modernen Beziehungskomödie steht zwischen zwei Frauen und erlebt, daß er, trotz aller kumpelhaften Umgangsformen im Zuge der Gleichberechtigung, zum Objekt weiblicher Zuneigung, Besitzergreifung, ja passionierter Leidenschaft wird.
»Die Dinge«, schrieb Shaw einmal, »stellen sich mir zuerst als Szenen mit Handlungen und Dialogen vor – als Momente, die sich aus der ihnen innewohnenden Lebenskraft heraus entwickeln.« Träger solcher Lebenskraft, im Kontrast zum lähmenden Dasein derer, »die nicht zu leben verstehen« und deshalb »aus dem Sterben eine Tugend machen müssen«, sind die Hauptgestalten Kapitän Shotover, der jedoch der Menschheit überdrüssig ist und sich der Gesellschaft entzieht, sowie die junge Ellie Dünn, Opfer und erschreckend gelehrige Schülerin in »Haus Herzenstod«, das – so Shaw zu Beginn seiner Vorrede – »nicht bloß der Name des Dramas ist«, sondern »das verfeinerte, müßige Europa vor dem Krieg«, welches die beängstigenden Voraussetzungen zu diesem Krieg in sich trug.
»Man kann es als geistesgeschichtliches Unglück bezeichnen, daß Shaws Interpretation der Nibelungen-Tetralogie bisher weder von Wagnerianern noch von Wagner-Gegnern zur Kenntnis genommen wurde. Vermutlich wäre die mehr verdunkelnde als erhellende Wagner-Diskussion vermeidbar gewesen, wenn diese Analysen Shaws das deutsche Bewußtsein rechtzeitig erreicht hätten.« Joachim Kaiser