Psychoanalyse und Antisemitismus

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Inhaltsangabe

Das Konzept des autoritären Charakters und die These von der Schuldabwehr bestimmen seit Jahrzehnten den Diskurs über Antisemitismus in Deutschland. Aber sind sie überhaupt noch hilfreich und vor allem: zeitgemäß? In ihren aufsehenerregenden Adorno-Vorlesungen legt Ilka Quindeau aus psychoanalytischer Perspektive dar, warum das nicht der Fall ist. Beide Erklärungsmodelle aus dem Denkzusammenhang der frühen Kritischen Theorie dienen nämlich der psychischen Entlastung und lenken von der eigenen Involviertheit ab. Nach dem Motto: Antisemiten sind immer die anderen.

Anhand von Fallvignetten aus ihrer klinischen Praxis arbeitet Quindeau heraus, dass es sich bei jener latenten, bewussten Überzeugungen widersprechenden Form des Antisemitismus um eine kulturell vermittelte und transgenerationell übertragene Ausdrucksgestalt des Unbewussten handelt. Diese ist keineswegs an einen bestimmten Charakter gebunden und wird in folgenreicher Weise nicht psychisch, sondern vielmehr strategisch abgewehrt. Um ihr zu begegnen, ist der Vorwurf des Antisemitismus allerdings kein probates Mittel, wie Quindeau am Beispiel der hitzigen Debatten um die documenta fifteen und die Berlinale 2024 analysiert. Das Ziel einer produktiven Kritik des Antisemitismus ist nur mittels Selbstreflexion erreichbar. Nur auf diesem Weg, so zeigt dieses Buch, wird Solidarität möglich sowie ein Mitfühlen mit dem Leid der anderen.

Produktdetails
  • Erscheinungsdatum: 18.03.2025
  • Autor/Autorin: Ilka Quindeau
  • Einband: Hardcover
  • Auflage: 1
  • Verlag: Suhrkamp
  • Sprache: Deutsch
  • Größe (L/B/H): 208/134/28 mm
  • Seitenanzahl: 284
  • ISBN: 9783518588291
Pressestimmen
»Quindeaus schnörkelloser, klarer Wissenschaftsprosa gelingt es, auf einem von Missverständnissen umstellten Feld neue Perspektiven zu eröffnen, die Psychoanalyse und Gesellschaftstheorie produktiv verbinden und kaum dringender gebraucht werden könnten als heute. Unbedingte Empfehlung.«
Norbert Reck, theologie.geschichte, 29. Januar 2026
»Psychoanalyse und Antisemitismus erweist sich als gutes Beispiel und zugleich überzeugendes Plädoyer für ein aufklärerisches Erkenntnisunternehmen, das psychoanalytische und gesellschaftstheoretische Perspektiven vereint. Dabei schafft es Quindeau, die einzelwissenschaftlichen Grenzen aufrecht zu halten und trotzdem die gesellschaftliche Totalität in den Blick zu bekommen.«
Anneke Schmidt, neues deutschland, 11. September 2025
»Ilka Quindeaus Buch bietet eine umfassende, gut begründete Kritik am alltäglichen Antisemitismus ...«
Stefan Müller-Doohm, Neue Zürcher Zeitung, 7. April 2025
»Mit ihrem klugen und gut lesbaren Buch erinnert Quindeau in bester Tradition der Frankfurter Schule an die mühevolle Aufgabe der Aufklärung, die mit einer ernsthaften Kritik des Antisemitismus verbunden ist.«
Jakob Hayner, WELT AM SONNTAG, 6. April 2025
Herstellerinformationen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
DE

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Tel: +49 30 740 744 0