»Damit alles bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern.« Der berühmte Satz aus dem Roman Der Leopard ist so etwas wie das inoffizielle Motto des gemäßigten Konservatismus. Parteien wie die CDU arrangierten sich mit Veränderungen und erwiesen sich als Anker der Stabilität. Heute ist nicht mehr sicher, ob die rechte Mitte hält: Setzen ihre Vertreter weiterhin auf Ausgleich und behutsame Modernisierung? Oder auf polarisierenden Kulturkampf? In der Bundesrepublik waren die letzten Merkel-Jahre von unionsinternen Richtungsstreits geprägt. Doch nicht zuletzt der Aufstieg Donald Trumps hat gezeigt, dass die Identitätskrise der rechten Mitte kein exklusiv deutsches Phänomen ist: In Italien füllten Berlusconi und radikal rechte Parteien wie Giorgia Melonis Fratelli d’Italia das durch die Implosion der Democrazia Cristiana entstandene Vakuum. In Frankreich spielen die Républicains zwischen Macron und Le Pen kaum noch eine Rolle. Und die Tories versinken nach dem Brexit-Chaos in Unernst und Realitätsverweigerung. Thomas Biebricher widmet sich dieser internationalen Dimension und zeichnet die turbulenten Entwicklungen seit 1990 nach. Seine Befunde sind auch deshalb brisant, weil sich am gemäßigten Konservatismus die Zukunft der liberalen Demokratie entscheidet.
Produktdetails
Erscheinungsdatum: 19.04.2023
Autor/Autorin: Thomas Biebricher
Einband: Hardcover
Auflage: 1
Verlag: Suhrkamp
Sprache: Deutsch
Größe (L/B/H): 220/146/46 mm
Seitenanzahl: 638
ISBN: 9783518430996
Darum lohnt sich dieses Buch
Gefragter Ansprechpartner für Zeitungen und Fernsehen
Pressestimmen
»Ein gut geschriebenes, materialreiches Buch, das viele Ansatzpunkte für eine vertiefte Diskussion des Themas bietet.«
Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 12. März 2025
»Für alle politisch hoch Interessierten; auch für die Erwachsenenbildung geeignet.«
Oliver Georg Hartmann, Der Evangelische Buchberater. Evangelisches Literaturportal e.V., 30. August 2023
»Überzeugend beschreibt Biebricher, wie seit den Neunzigerjahren anstelle des äußeren Feindes des Kommunismus vielfach innere Feindbilder getreten sind …«
Oliver Weber, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Juni 2023
»Nach den glänzenden Analysen zu Italien, Frankreich und Großbritannien kommt der Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die Geschichte dieser Länder sowie die unterschiedlichen politischen Systeme die Krise des Konservativismus dort vorantrieb.«
Aschot Manutharjan, Das Parlament, 5. Juni 2023
»... verständlich werden die entsprechenden Dynamiken anregend dargestellt und differenziert erörtert ...«
Armin Pfahl-Traughber, hpd - Humanistischer Pressedienst, 23. Mai 2023
»Die Stärke von Biebrichers Buch besteht darin, dass er nicht mit abstrakten (quantitativen) Modellen vorgeht, um seinen Ländervergleich zu vollziehen, sondern sehr differenziert auf den spezifischen Kontext seiner Fallstudien eingeht.«
Daniel Binswanger, republik.ch, 19. Mai 2023
»Dieses Buch erklärt, warum der Crash der klassischen Konservativen jede liberale Demokratie angeht.«
Marc Reichwein, WELT AM SONNTAG, 23. April 2023
»Thomas Biebrichers lesenswertes Buch schärft den Blick für [...] zeiggenössische Paradoxien, und für die Politiker, die sich ihnen nicht zu stellen vermögen ...«
Adrian Daub, Soziopolis, 20. April 2023
»Mit seinem neuen Buch leistet Thomas Biebricher einen wichtigen Beitrag zu dieser längst überfälligen Debatte um die politische Verortung des gemäßigten Konservatismus.«
»Neoliberalismus« wird heute meist einfach mit ungebremstem Kapitalismus gleichgesetzt. Thomas Biebricher weist dagegen auf der Grundlage einer historischen Rekonstruktion nach, dass neoliberales Denken sich nicht nur mit ökonomischen, sondern auch mit politischen Fragen auseinandersetzt. Dieses Denken unterzieht er sodann einer kritischen Analyse und führt vor, welche Rolle die politischen Vorstellungen des Neoliberalismus im heutigen krisengeschüttelten Europa spielen.
Als Donald Trump zum ersten Mal Präsident wurde, ging ein Richard Rorty zugeschriebenes Zitat viral: Wenn die »kulturelle Linke«, so Rorty 1998, materielle Fragen weiterhin ignoriere, werde es einen Bruch geben – »something will crack«. »Ärmere Wähler« würden einen starken Mann an die Macht bringen, es drohe eine Rückkehr des Sadismus. So hellsichtig diese Prognose war, hat derFokus auf die »woken« Linken und die »Verlierer« in Debatten über Trump & Co. doch einen blinden Fleck erzeugt. Geht man davon aus, dass Politiker wie Trump, Tino Chrupalla oder der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš sich auch selbst wählen, kommt schließlich eine andere »Klassenfraktion« in den Blick: konservative Männer, die ihr eigenes Unternehmen leiten. Aus diesem Milieu stammen nicht nur Vorläufer wie Silvio Berlusconi und Christoph Blocher, sondern auch Unterstützer wie etwa Elon Musk oder Peter Thiel. Genau diese Gruppe der kleinen und großen politischen Unternehmer nehmen die Beiträge in diesem Band unter die Lupe. Verfolgt wird dabei testweise die These, dass der Rechtspopulismus nicht in erster Linie eine spontane Revolte »ärmerer Wähler« darstellt, sondern ein gezielt vorangetriebenes Projekt.