Ins Innere hinaus

Von den Engeln und Mächten
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Inhaltsangabe

Eine »Geschichte der unsichtbaren Welt in einzelnen Blättern«, nichts Geringeres schwebt dem Dichter und Theologen Christian Lehnert in diesem Buch vor. Ausgangspunkte seiner Gedanken sind Naturgeister und niedere Gottheiten, dualistische Vorstellungen von Engeln und Dämonen, himmlische Hierarchiebildungen, Grenzüberschreitungen zwischen Diesseits und Jenseits mit geheimnisvoller geistiger Schmuggelware im Gepäck. Gnosis, Kabbala und Visionen kommen ebenso vor wie moderne Psychotechniken. Von der sogenannten ›faktischen‹ Seite der Wirklichkeit her aber treten Analogien des Geistersehens im philosophischen Denken und in den Naturwissenschaften ins Bild. Zugrunde liegt die Frage: Wie kann das Numinose heute, in einer postsäkularen Welt, zu einer progressiven Kraft werden, welche die vorherrschenden, scheinbar festgefügten Weltbilder unterwandert und verflüssigt? Den kleinen Rissen in den festen Straten religiöser oder wissenschaftlicher, liberaler oder säkularer Weltanschauungen folgt Lehnert, sucht jene Risse, wo der Zweifel eindringt, wo die vergessenen Axiome der ›Exaktheit‹ und die Brüchigkeit ihrer Anschauungen aufleuchten.

Wie stellt man derartiges dar? Begriffliches Denken, poetisches Bild und Erzählung, Autobiographisches und Spekulation schwingen in den einzelnen Texten ineinander, erhellen sich gegenseitig. Eine bewegliche Form des Schreibens stellt sich ein: ein suchendes Sprechen, das sich ins Unsagbare vortastet. So versammeln sich – immer vom Ausgangs- und Bezugspunkt des eigenen Lebens aus und ohne Fiktion – Bruchstücke eines Bekenntnisses als »Blätter« sehr unterschiedlicher Tonlagen. Sie behalten als Ganzes die Gestalt einer Frage.

Produktdetails
  • Erscheinungsdatum: 18.11.2020
  • Autor/Autorin: Christian Lehnert
  • Einband: Hardcover
  • Auflage: 2
  • Verlag: Suhrkamp
  • Sprache: Deutsch
  • Größe (L/B/H): 205/129/24 mm
  • Seitenanzahl: 234
  • ISBN: 9783518429570
Darum lohnt sich dieses Buch
  • Eine »Geschichte der unsichtbaren Welt in einzelnen Blättern«
  • In Analogie und Distanz zum vorherrschenden säkularen Weltbild
  • Zugleich eine poetische Herausforderung an die ›Exaktheit‹ der modernen Wissenschaften
Pressestimmen
»... das Wunderbare an Lehnerts schwebender Erzählweise: Es bleibt offen, ob sich die Mächte in der Außenwelt oder in einem inneren Raum Bahn brechen, ob es sich gar um einen Spezialfall der Einbildungskraft handelt. Mit dem Geheimnis ihres Orts vertieft sich nur das Geheimnis des menschlichen Daseins.«
Marion Poschmann, DIE ZEIT, 22. Juni 2023
»... wunderbar subversiv ist sie, die Sehnsucht nach den Engeln ...«
Christian Feldmann, Kirche In, 3. Mai 2021
»Die Macht der Gewaltlosigkeit ist das tiefstblickende Buch zum Thema Gewalt und Gewaltlosigkeit, welches ich kenne.«
Hansuli Gerber, Neue Wege, 3. Mai 2021
»Ein produktiv herausfordernder Text, der zwischen Theologie und Ästhetik schwebt und lange nachhallt.«
Hans-Rüdiger Schwab, Die Furche, 7. April 2021
»Großen Gewinn verspricht [das Buch] ... für jeden, der sich nicht mit der antiquierten Bimmelbahn zufriedengeben will, als die uns Religion oft präsentiert wird.«
Birthe Mühlhoff, Süddeutsche Zeitung, 2. Februar 2021
»... spirituell wie intellektuell anregend ...«
Michael Wolf, Der Tagesspiegel, 30. Dezember 2020
»Lehnert, ein Meister kurzer, treffsicherer Betrachtungen, bleibt Skeptiker und nimmt doch die Sache ernst.«
Raimund Kirch, Nürnberger Nachrichten, 30. Dezember 2020
»Lehnert führt den Leser weit fort von der modernen religiösen Harmonie sucht und der Sehnsucht nach Behausung, kirchlicher Stall wärme. Er zeigt, dass Glauben viel mehr ins Unsichere führt.«
Daniel Zöllner, anbruch-magazin.de, 11. Dezember 2020
»Als Poet wählt Lehnert den Weg der beschreibenden Annäherung mit Worten an Phänomene, die sich eigentlich sprachlicher Verfasstheit entziehen. Texte so leicht und flüchtig wie das Gesuchte selbst sind das Ergebnis. Wer fliegen mag, fliegt mit. Wer stehen bleibt, dem zerfließt der Text zwischen den Fingern. Das Haben zählt wenig im Reich der schönen und guten Gedanken. Das Mitbewegen und Bewegtwerden ist alles.«
Sven Schlebes, theo
»So ist auch der neueste Gedichtband von Christian Lehnert ... ein kunstvoll musikalisches Lob der Schöpfung und der Natur.«
Erich Garhammer, Lebendige Seelsorge
Herstellerinformationen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de
Tel: +49 30 740 744 0

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Die Enden des Blicks

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Horizonte sind Grenzlinien der Erfahrung, die ein Hier und ein Dort, ein Diesseits und ein Jenseits erzeugen und den Raum des Lebens bestimmen. Christian Lehnerts neues Buch, Die Enden des Blicks, geht auf Horizonte zu, auf Grenzen der Wahrnehmung und der Existenz, versucht sie zu erkunden – jene Welten, die nur in der Vorstellung existieren und diese zugleich transzendieren, denn sie weisen auf etwas dahinter. Jenseits aber der Enden des Blicks, markiert durch die dürren Fakten von Geburt und Tod, was ist dort? Nichts?

Jakob Hesychow, der träumend, imaginierend dieses »Dahinter« ausschreiten will, gerät selbst in eine Grenzlage. Vorübergehend ist er in ein altes Haus im Gebirge gezogen. Naturgänge und Alltagsarbeiten an dem alten Gehöft überlagern sich mit Kindheits- und Jugenderinnerungen aus einer Zeit der Diktatur, wo starke Jenseitshoffnung unter dem Begriff des Kommunismus das kindliche Bewusstsein bestimmten. Doch ist das Haus wirklich? Darf den Erinnerungen getraut werden? Und ist das fremde Kind, das eines Tages auftaucht und Trost sucht, nur ein Phantasma von Jakobs eigener vermissten Tochter?
In ihrem Fortgang wird diese Prosa, wie die in ihr aufgehobenen religiösen Erzählungen, selbst zu einer Möglichkeitsform des Unmöglichen, zu einem radikal offenen Raum, in dem die beschränkenden Horizonte implodieren und der sich ins Jenseits weitet.

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