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Inhaltsangabe
Irena hat 1968 Prag verlassen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Paris. Aber weder da noch dort fühlt sie sich zu Hause. Und ohne Heimat kann sie nicht bei sich selbst ankommen. Bis sie Josef trifft, der auch aus Prag geflohen ist und einst Irenas Liebhaber war. Mit ihm hofft Irena, Erinnerungen zu teilen und in ein neues Leben aufzubrechen. Der unsentimentale Melancholiker Milan Kundera erzählt meisterhaft von Exil und Heimat und der traurigen Unmöglichkeit der Rückkehr.
Produktdetails
Erscheinungsdatum: 22.05.2014
Autor/Autorin: Milan Kundera
Einband: Taschenbuch
Auflage: 2. Auflage
Verlag: FISCHER Taschenbuch
Sprache: Deutsch
Größe (L/B/H): 189/125/8 mm
Seitenanzahl: 176
ISBN: 9783596197491
Herstellerinformationen
S. Fischer Verlag GmbH Hedderichstraße 114 60596 Frankfurt am Main DE
MILAN KUNDERA entwirft durch die großen Romane der Weltliteratur ein Bild Europas. Mit dem Wissen und den Gedanken der Romanciers - Rabelais und Flaubert, Gombrowicz und Broch - unternimmt Kundera die Verteidigung der europäischsten aller Künste, des Romans. Und manchmal scheinen die Bücher lebendiger als die Wirklichkeit selbst.
›Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins‹ verschaffte Milan Kundera den internationalen Durchbruch. Der Prager Chirurg Tomas, der die Frauen begehrt und zugleich fürchtet und seine Scheidung wie eine Hochzeit feierte, will fortan der Liebe aus dem Weg gehen. Erst für die Kellnerin Teresa bricht er mit seinen Grundsätzen. Aber Teresa verlässt ihn in Zürich, wo die beiden sich nach dem russischen Einmarsch in Prag niedergelassen haben und kehrt in ihr Heimatland zurück. Er folgt ihr, verliert seine Stellung, arbeitet als Fensterputzer und später als Lastwagenfahrer in einem Dorf fern von Prag. Das Glück endet in der Katastrophe.
Vier alte Freunde flanieren durch Paris, plaudern, philosophieren und treffen sich auf einer Cocktailparty. Alain reflektiert noch immer über seine Mutter, die ihn als Kind verlassen hat. Charles organisiert Feste und erzählt Anekdoten über Stalin, während seine Mutter im Sterben liegt. Auf diesen Festen wiederum verdient der arbeitslose Schauspieler Caliban sein Geld als Kellner und gibt vor, kein Wort Französisch zu verstehen. Roman denkt darüber nach, eine Chagall-Ausstellung zu besuchen, und über die Bedeutungslosigkeit des menschlichen Seins.
Chantal und Jean-Marc sind glücklich miteinander. Bis Chantal eines Tages auffällt, dass ihr die Männer auf der Straße nicht mehr hinterherschauen. Eine Beobachtung, die ihr zu schaffen macht. Jean-Marc will ihr Selbstvertrauen stärken und schickt Chantal einen anonymen Liebesbrief, der ein neues Strahlen, eine neue Leidenschaft in ihr erweckt. Doch auch ihre Ehe beginnt, sich zu verändern.
Der Schriftsteller Milan und seine Frau Vera ziehen sich auf ein französisches Schloss zurück. Statt der erhofften Ruhe stoßen sie auf eine internationale Tagung von Insektenforschern und auf Pariser Intellektuelle, die sich ganz im Ruhm und in der Selbstpräsentation verlieren. Ganz anders der junge Adelige, der im 18. Jahrhundert in demselben Schloss von einer erfahrenen Madame verführt wird. Die mechanische, seelenlose Erfahrung des modernen Menschen in Zeiten rasanter Geschwindigkeit wird der sinnlichen, lebendigen Erfahrung langsamer Lust gegenübergestellt.
In einem Pariser Fitnessclub beobachtet der Erzähler Kundera, wie eine ältere Dame ihrem Schwimmlehrer zum Abschied zuwinkt. Diese anmutige Geste nimmt er zum Anlass, eine Geschichte zu erzählen: Die Geschichte der gegensätzlichen Schwestern Agnes und Laura, und zwischen ihnen und Agnes’ Ehemann Paul, mit dem sich Agnes nicht mehr recht versteht und zu dem sich Laura hingezogen fühlt. Und dann ist da noch Lauras Ehemann Bernard, von dem diese sich zunehmend distanziert.
Die russische Invasion in der Tschechoslowakei 1968 hat nicht nur die Menschenrechte und die Demokratie mit Füßen getreten, sondern auch eine einzigartige Kultur. Ein Porträt Prags zu zeichnen, bedeutete für Milan Kundera, ein versunkenes Atlantis wieder ans Licht zu bringen, eine Weltan-schauung zu retten. Der erstmals 1980 erschienene titelgebende Text dieses Bandes, »Prag, ein Gedicht verklingt«, erstmals in deutscher Übersetzung, ist ein Plädoyer für die Kultur, in der der Autor aufgewachsen ist und die sein Werk geprägt hat. In dem Essay »Neunundachtzig Wörter«, 1985 erstmalig erschienen und hier in einer erweiterten Form erstmals auf Deutsch, beschreibt Milan Kundera die Herausforderungen, mit denen er sich konfrontiert sieht: dem Exil, dem Leben in einer anderen Sprache als seiner Muttersprache und den Übersetzungen seiner Werke. In seinem persönlichen Wörterbuch der Literatur definiert er neunundachtzig Vokabeln, die zentral für sein Werk sind, und erklärt ihren Wert und ihre Bedeutung. Milan Kundera ist im Juli 2023 im Alter von vierundneunzig Jahren verstorben. In diesen Texten ist er wieder mitten unter uns.