Die Rückkehr der Gewohnheiten

Journalgedichte
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Inhaltsangabe
In diesem Buch, entstanden 2020/21, versammeln sich Gedichte, Notate, Satzreihen, Prosastücke zu einem Journal, in dem das tägliche Geschehen, die Erfahrung von Krise, das Fortwirken der Vergangenheit Seite für Seite mitgeschrieben haben. »Augenblicke entscheiden, wo es langgeht, wohin sich das Geschehen bewegt … Sätze aus einem Früher, das nicht aufgehört hat, im Hier und Heute mitzusprechen.«
Es ist die Fortsetzung eines Selbstgesprächs, das »hervorkommt aus dem Schatten des früher Gesagten«, und das heißt auch: der Verfasser vergegenwärtigt Impulse und Motive, die seine früheren Texte durchziehen; er lässt sich auf Wiederholungen ein, wo es darum geht, im zuvor Gesagten den verborgenen Rest des Nichtgesagten, das Übersehene oder Vergessene, zu entdecken. »Eine Erinnerung wiederholt sich, aber sie scheint sich verändert zu haben, denn jetzt erzählt sie alles ganz anders.«
So kommt die Vergangenheit mit Neuigkeiten, die mit den Neuigkeiten der Gegenwart korrespondieren; so kehren Gewohnheiten zurück, die vielleicht vergessen, aber nie verschwunden waren. Und dabei kreuzen sich Erfahrungen und entstehen Zusammenhänge, die etwas kenntlich machen von den Widersprüchen und Täuschungen, den Ungewissheiten und Möglichkeiten unserer gegenwärtigen Existenz.
Produktdetails
  • Erscheinungsdatum: 20.06.2022
  • Autor/Autorin: Jürgen Becker
  • Einband: Hardcover
  • Auflage: 1
  • Verlag: Suhrkamp
  • Sprache: Deutsch
  • Größe (L/B/H): 220/140/18 mm
  • Seitenanzahl: 76
  • ISBN: 9783518430453
Darum lohnt sich dieses Buch

Zum 90. Geburtstag des Autors am 10. Juli 2022

Pressestimmen
»[Becker] sammelt ein, was bislang vergessen wurde.«
SWR, 1. September 2022
»Becker zeigt wieder, wie genau er mit ... Momenten und Assoziationen verfährt.«
Nico Bleutge, Süddeutsche Zeitung, 10. Juli 2022
»Charakteristisch für Becker ist, dass die Schrift immer in Zusammenhang mit sinnlichen Reizen steht. Seine Gedichte haben visuelle oder akustische Auslöser, und in dem jeweiligen Augenblick konstituiert sich das konkrete schreibende Ich neu.«
Helmut Böttiger, taz. die tageszeitung, 10. Juli 2022
»Die ganze Welt hat Platz in diesen Gedichten.«
Thomas Geiger, Berliner Zeitung, 10. Juli 2022
»Jürgen Becker hat in seinem Werk eine eigene Form des autobiografischen Schreibens entwickelt ... Auch viele Gedichte und Prosastücke Jürgen Beckers wirken wie Collagen. In ihnen erforscht er Bewusstseinslandschaften, die von persönlichem Erleben, aber immer auch von Zeitgeschichte geprägt sind.«
Anja Höfer, SWR2 lesenswert Magazin, 10. Juli 2022
»Becker ist ein Autor, der mit Rekombinationen arbeitet ... Dabei gelingt es ihm seit über einem halben Jahrhundert ... immer frisch und anders zu klingen. Er ist ein DJ seines eigenen Materials, der sein Publikum niemals langweilt, ein Collagist und Montagekünstler, dem es stets gelingt, konzise Sprach-, Denk- und Wahrnehmungsbilder zu entwerfen.«
Tobias Lehmkuhl, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Juli 2022
»Nirgendwo zeigen sich hier Spuren der poetischen Erschöpfung, im Gegenteil. Becker hat sein bewährtes poetisches Verfahren der diskreten Synchronisierung von Erinnerung, Imagination und Wahrnehmungseinzelheiten weiter verfeinert.«
Michael Braun, Badische Zeitung, 9. Juli 2022
»Käme jetzt die Sintflut, wäre eine der vornehmsten Aufgaben, Jürgen Beckers Bücher zu retten. Sie sind ein literarisches Archiv der Jahre, die wir kennen.«
Martin Oehlen, Frankfurter Rundschau, 8. Juli 2022
»Auch wenn es im neuen Band an vielen Stellen nach Abschied riecht, so ist dies doch kein Spätwerk. Dafür ist Jürgen Becker zu augenblicklich, zu wach. ... Die Gedichte von Jürgen Becker hören einfach nicht auf zu sprechen.«
Peter Neumann, DIE ZEIT, 15. Juni 2022
Herstellerinformationen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de
Tel: +49 30 740 744 0

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Nachspielzeit

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Mit seinen neuen Gedichten, entstanden 2022/23, setzt Jürgen Becker ein Schreiben fort, das seine Motive vor allem im Wahrnehmen des Augenblicks, im Erleben des Alltags findet. So offenkundig dieses Schreiben von der Gegenwart bestimmt wird, fortwährend mischt sich ein Früher ein, die Anwesenheit des Vergangenen. Die Sätze, die Gedichte, die dabei entstehen, erzählen zumeist von vertrauten Selbstverständlichkeiten, die doch allesamt ungewiss und vom Verschwinden bedroht sind. Und wo Krisen und Kriege im Alltag spürbar werden, hält der Autor an den Hoffnungen fest. »Hoffen wir auf einen trockenen Sommer, auf Heu und Stroh, auf Gas in den Häfen und Kirschen für den Kirschpfannkuchen. Hoffen hat immer Saison …«

Jürgen Becker schreibt, in einem unverwechselbaren Sound, Selbstgespräche für Zuhörer. Sie können Spuren finden, Zugänge in die eigene Biografie. Seine Kriegs- und Nachkriegskindheit korrespondiert mit den Erinnerungen seiner Generation, seine aktuelle Erfahrung mit den Wahrnehmungen der Zeitgenossen, die nicht mehr so jung sind. »Jeder Tag schreibt mit, und er lässt seine Mitschrift nicht jeden Tag lesen.« Und das heißt auch, dass immer ein Schweigen mitspricht, wo Vergessenes keine Wörter findet, Verdrängtes nicht sprechen will.

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