Zwischen Dezember 1963 und August 1965 fand in Frankfurt am Main der Auschwitz-Prozeß statt, in dem die für das Funktionieren der Vernichtungsmaschinerie Verantwortlichen vor Gericht standen. Peter Weiss hat in seinem 1965 gleichzeitig an 15 Orten uraufgeführten dokumentarischen Theaterstück die Fakten über diese Hölle auf Erden, die im Prozeß zur Sprache kamen, in Gesängen gestaltet: Gesang von der Rampe, Gesang vom Lager, Gesang vom Bunkerblock. In ihnen wurden Täter und Opfer miteinander konfrontiert, und auf diese Weise wird, gerade durch den Verzicht der Rekonstruktion individueller Erlebnisse und die Betonung der funktionalen Aspekte, das Grauen dieser Tötungsfabrik deutlich. Zugleich wird die Möglichkeit gezeigt, daß sich ähnliches wiederholen könnte, und die Notwendigkeit, dies zu verhindern.
Der Roman Die Ästhetik des Widerstands ist zu einem Kultbuch geworden. Was erzählt der Roman? Er berichtet von jungen Arbeitern, die 1937 in Berlin ihren Standort umreißen. Über die Tschechoslowakei gelangt der Erzähler nach Spanien und nimmt teil am Bürgerkrieg. Der zweite Teil schildert die Vielschichtigkeit der Erlebnisse im Stockholmer Exil. Der Autor verfolgt die Wege der Personen: Endstation für viele sind die Hinrichtungsstätten des »Dritten Reichs«. Dennoch bleibt der Widerstand ihr Vermächtnis.
Diese Ausgabe der »Suhrkamp BasisBibliothek - Arbeitstexte für Schule und Studium« bietet nicht nur Peter Weiss' Drama Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats in einer neu durchgesehenen und korrigierten Fassung, sondern auch einen Kommentar, der alle für das Verständnis des Buches erforderlichen Informationen enthält: eine Zeittafel zu Leben und Werk Peter Weiss', Interpretationsansätze, die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Textes, Literaturhinweise sowie detaillierte Wort- und Sacherläuterungen mit zahlreichen historischen Dokumenten.
In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts plante Peter Weiss eine Trilogie, in der er in Anlehnung an Dantes Divina Commedia ein Welttheater der bürgerlich-kapitalistischen Verhältnisse gestalten wollte. Der dritte Teil der Trilogie erschien 1965: Die Ermittlung. Jetzt wurde das Stück im Nachlaß entdeckt, das die Trilogie eröffnen sollte: Inferno. „Inferno ist das Deutschland von heute [...] die Mörder von damals an den Schaltwerken der modernen Wirtschaft Industrie »Kultur«.“ Der Dichter „Dante“ kehrt in ein Land der Täter zurück, die auch ihn verbrennen wollten. Die Tätergesellschaft nutzt die Schuldgefühle des überlebenden zum Versuch, den Dichter einzugemeinden ... Mit Inferno hat Peter Weiss sein Schicksal als emigrierter Jude, als Schriftsteller im Exil aufgearbeitet und seine Erfahrungen mit den beiden deutschen Staaten geschildert.
Entstanden ist ein Buch, das viele Filme en detail analysiert, vor allem jedoch von der eigenen filmischen Poetik handelt, von seinem Verständnis als avantgardistischer Filmemacher.
Die Theaterform, die Peter Weiss mit diesen beiden frühen Stücken wiederbeleben möchte, ist die der Schaubude. Hier, schreibt er, »gab es keine Intrigen, und es wurden keine Seelen geschildert, die Probleme wurden mit Ohrfeigen und Messerstichen gelöst. Es ging Schlag auf Schlag, mit hinausgeschrieenen Witzen und Knittelreimen. Jeder war ein Typ, leicht zu erkennen, mit greller Maske und groben Gebärden. Alle hintergingen alle, alle waren Possen und Zoten ausgesetzt, niemand wurde ernst genommen. Und sie waren alle unsterblich, sie waren alle nur krachendes Holz und standen gleich wieder auf und grinsten mit ihren geschnitzten Gesichtern.«
Diese Ausgabe der »Suhrkamp BasisBibliothek - Arbeitstexte für Schule und Studium« bietet nicht nur Peter Weiss' autobiographisch geprägte Erzählung Abschied von den Eltern, sondern auch einen Kommentar, der alle für das Verständnis des Buches erforderlichen Informationen und Materialien enthält: die Text- und Entstehungsgeschichte, die Deutungsansätze im Feuilleton und in der Forschung, Literaturhinweise sowie ausführliche Wort- und Sacherläuterungen.
Im Nachlaß von Peter Weiss fand sich ein abgeschlossenes Typoskript dem der 1982 gestorbene Autor den Titel Rekonvaleszenz gegeben hatte. Dieser Titel bezieht sich auf die persönliche Situation von Peter Weiss in der Mitte des Jahres 1970, als er, wie er es formulierte, »an die Grenzlinie«, an die Grenze des Todes, geriet; für ihn der Anlaß, eine Summe seines bisherigen Lebens als Schriftsteller zu ziehen: Die Veränderungen in seinem Schreiben, von den eher autobiographisch-surrealistischen Anfängen bis zu den objektiv dokumentierenden Theaterstücken, sein politisches Engagement selbstkritisch zu prüfen, auch auf seine Konsequenz für sein Werk. Aber nicht nur Anlaß zum »Rückblick« war diese Zwischenzeit, sondern sie brachte auch neue Formen der Wahrnehmung mit sich: »… geriet ich in ein Nachtleben, in dem meine sonstigen Vorsätze zum vernünftigen, verantwortungsvollen Reagieren rücksichtslosem Spott ausgesetzt wurden. Mein Umgang bestand hier vor allem aus Prostituierten, Spielern, Zirkusartisten, Komödianten, aus Unzugehörigen, Außenseitern, Gescheiterten, in einer eigentümlichen Unterwelt, einer Art Totenreich.«
Durch die täglichen Eintragungen, in denen Rückblick und Gegenwart sich verschränken, hat Peter Weiss einen einzigartigen Text geschaffen – indem er sich selbst, sein Schreiben, seine Nacht- und Tagträume in luzider Weise erzählt und durch sein Erzählen sie sich und dem Leser aufhellt.