Yulia Marfutova, geboren 1988 in Moskau, studierte Germanistik und Geschichte in Berlin und promovierte in Münster. Für ihre literarischen Arbeiten erhielt sie unter anderem Werkstipendien des Berliner Senats und des Deutschen Literaturfonds sowie den GWK-Förderpreis für Literatur. Sie war Stipendiatin des Brecht-Hauses und der Jürgen-Ponto-Stiftung, der Meisterklasse der Berliner Festspiele und des Literarischen Colloquiums Berlin. «Der Himmel vor hundert Jahren», ihr erster Roman, war für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurde mit dem Debütpreis des Buddenbrookhauses und dem Friedrich-Hölderlin-Förderpreis ausgezeichnet.Yulia Marfutova lebt in Boston.
Neue Einblicke in die Geschichte einer berühmten Familie. Zum 100. Jahrestag der Erstveröffentlichung von Franz Kafkas Amerika Am 31. Mai 1918 wird ein Mann zum Verhör geladen. Sein Name: Franz Kafka. Es handelt sich allerdings nicht um den heute berühmten Schriftsteller aus Prag, sondern um dessen Cousin: zehn Jahre jünger, Vorbild (vielleicht) für die Figur des Karl Roßmann im 1927 posthum veröffentlichten Amerika -Roman. Cousin Franz oder Frank, wie er sich bald lieber nennt, ist als Fünfzehnjähriger auf einem Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie in New York angelandet. Was ihn dort erwartet? Nicht das, was er sich erhofft hat. Stattdessen: der Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Misstrauen. Verdächtigungen. Schließlich gibt es da noch einen Bruder, der vor ihm nach New York ausgewandert ist und von dem man munkelt, er sei ein deutscher Spion. «Familien sind kompliziert, und Namensdopplungen machen es nicht eben leichter.» Vor unseren Augen füllt eine Aktennotiz sich mit Leben. Franz alias Frank Kafka steht dem Militärgeheimdienst Rede und Antwort. Oder eher:...