Thomas Sparr, 1956 in Hamburg geboren, ist Autor, Literaturwissenschaftler und Verlagslektor. Nach dem Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie in Marburg, Hamburg und Paris war er von 1986 bis 1989 an der Hebräischen Universität in Jerusalem tätig, anschließend im Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Von 1990 bis 1998 leitete er den Jüdischen Verlag, war Cheflektor des Siedler Verlags und arbeitet heute im Suhrkamp Verlag als Editor-at-Large. 2020 erschien sein vielbesprochenes Buch »Todesfuge. Biographie eines Gedichts« (DVA). Für seine Recherchen zur Geschichte von Anne Franks Tagebuch wertete er zahlreiche Archive aus. Er lebt in Berlin.
Christopher Street: Die Geburt einer Bewegung "Für die Homosexuellen ist das Dritte Reich noch nicht zu Ende", schrieb der deutsch-jüdische Historiker Hans-Joachim Schoeps 1963. Es endete für sie sechs Jahre später, in einer Nacht in der Christopher Street von New York. Nah an den Menschen, erzählt Thomas Sparr vom Aufstand im Stonewall Inn und seinen weltweiten Folgen. Es war eine Selbstbefreiung, die gelang und trotzdem bis heute gefährdet ist. Es war die Nacht zum 28. Juni 1969. In dieser Sommernacht wehrten sich junge Männer und Frauen im Stonewall Inn, einer Homosexuellenbar in New York, gewaltsam gegen eine Razzia der Polizei. Der kleine "Aufstand der Anstößigen" wurde später zum großen, weltweiten Symbol des Widerstands und der Selbstbehauptung einer entrechteten Minderheit. Im selben Jahr wurde in der Bundesrepublik der Paragraph 175 liberalisiert, während in der DDR Homosexualität bereits straffrei war. Thomas Sparr schildert den Mythos und die Wirklichkeit des Aufstands in der Christopher Street und zeigt seine Folgen bis heute. Wie wirkte...