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Prechts KI-Buch: Was feststeht und warum es mit seinem Vater beginnt

»Auserzählt?« von Richard David Precht, Hardcover bei Goldmann, neben einem leeren Goldrahmen und einem Bildschirm mit Friedrichs »Eismeer«

Richard David Prechts neues Buch »Auserzählt? Wie künstliche Intelligenz die Kultur abschafft« beginnt im Arbeitszimmer seines Vaters, das der Sohn ausräumt, damit dort das Bett des Vaters Platz findet. Es erscheint am 14. Oktober 2026 bei Goldmann. Der Vater, früher Industriedesigner, ist im April 93 geworden; jahrzehntelang hat er fast täglich geschrieben und, so Precht, nie etwas veröffentlicht. Aus dem Ausräumen wird die Frage des Buchs: ob mit dieser Generation die Kultur zu Ende geht. Auf dem Umschlag steht dafür Caspar David Friedrichs »Eismeer«, ein Schiff, begraben unter Eisschollen.

Grundlage sind die 23 Seiten Leseprobe mit Impressum und Inhaltsverzeichnis, die Verlagsangaben zu Buch, E-Book und Hörbuch, Prechts Podcast-Folgen zum Thema und die KI-Umfrage des Börsenvereins.

Auserzählt? Wie künstliche Intelligenz die Kultur abschafft von Richard David Precht, Hardcover bei Goldmann
Hardcover, Goldmann, 14. Oktober 2026

Das Hardcover hat 224 Seiten, das E-Book erscheint am selben Tag. Schon am 12. Oktober kommt beim Hörverlag das ungekürzte Hörbuch heraus, 5 Stunden und 29 Minuten lang, gelesen von Precht.

Von seinen früheren Büchern sind das jüngste, »Angststillstand« von 2025, und der Longseller »Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?« als E-Book lieferbar.

Warum beginnt Prechts neues Buch mit seinem Vater?

Weil Precht an seinem Vater erzählt, wie Neugier und Gedächtnis schwinden, und darin etwas Größeres enden sieht. Das erste Kapitel heißt »Auf der Sandbank«; die schlichten Kiefernregale mit den beschrifteten Ordnern kommen zerlegt in den Keller. »Wenn man nur laut genug spricht, versteht mein Vater alles; aber er behält nichts«, schreibt Precht. Vor fünf Jahren legte der Vater das Schreiben aus der Hand.

Geschrieben hatte er über alles, was ihn neugierig machte, von Husserl bis zu marokkanischen Kanaldeckeln, am liebsten über den Maler Giorgio Morandi, dem er über Jahrzehnte eine »monumentale Abhandlung« widmete. Veröffentlicht hat er davon, so der Sohn, nichts. Sein Geld verdiente er als Industriedesigner beim Solinger Hausgerätehersteller Krups, und Precht nennt es ein Glück, dass er nie vom Schreiben leben musste.

Precht formuliert den Gedanken vorsichtig: Mit der Generation seines Vaters gehe womöglich »das, was man Kultur nennt« zu Ende. Wie groß der Satz klingt, weiß er; die Kulturgeschichte sei auch »eine Geschichte des Jammerns betagter und hochbetagter Kulturpessimisten«. Statt einer »steilen These« kündigt er deshalb »einzelne Miniaturen« an, erzählt auf die Weise seines Vaters, und will herausfinden, »ob das mit dem Ende tatsächlich so ist«.

Vorangestellt sind zwei Motti. Eines stammt aus dem »Pariser Tagebuch« des Vaters von 1954: »Auf jeden Tod folgt stets ein Morgen.« Das andere aus »Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt«, wo Barbossa klagt: »The world used to be a bigger place.« Jack Sparrow antwortet: »The world's still the same. There's just less in it.« Prechts Leser kennen den Vater aus »Lenin kam nur bis Lüdenscheid« (2005), den Erinnerungen an eine Kindheit in einem linken Solinger Elternhaus, in denen er eine Hauptrolle spielt (Wikipedia).

Worum geht es in »Auserzählt?«?

Um die Frage, was von Kultur bleibt, wenn Maschinen schöpferische Arbeit übernehmen. Die 14 Kapitel reichen von »Auf der Sandbank« bis »Die Göttin des Vergessens«, dazwischen stehen Überschriften wie »Kultur war, was nicht weiterbrachte«, »Abenteuerlosigkeit«, »Kunst ohne Kultur«, »Kulturverlust des Politischen« und »Die Rückkehr der Könige«. Den Buchtitel erklärt Precht im zweiten Kapitel: Die Menschen erzählten zu Ende, was sie zu sein glaubten, »indem sie dieses Erzählen unmöglich machen«. Das alte Gleichgewicht fasst er in einem Satz: »Mithilfe der Technik fanden sich die Menschen zurecht, mithilfe der Kultur fanden sie sich wieder.«

Vorab präsentiert Precht das Buch auf der Frankfurter Buchmesse: am 8. Oktober um 14 Uhr in der »30-Minuten-WG«, einer live gestreamten Gesprächsreihe von stern und Penguin Random House, unter dem Titel »Killt KI unsere Kultur?«, und am 9. Oktober mit Book Talk um 10 Uhr und Signierstunde um 10.30 Uhr. Am 1. und 2. Februar 2027 folgen Vorträge in Basel und Zürich unter dem Titel »Wie KI die Kultur abschafft«.

Was ist neu gegenüber Prechts KI-Buch von 2020?

Vor allem der Ton. »Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens« stand 2020 sieben Wochen auf Platz eins der SPIEGEL-Bestsellerliste. Laut der Rezension auf literaturkritik.de richtete es sich gegen die »Hohepriester des Silicon Valley«, die im Menschen eine unvollständige Maschine sähen. In der Leseprobe schreibt Precht, er habe über die künftige Arbeitswelt und »unseren künftigen Umgang mit uns selbst« Bücher geschrieben, »ohne auch nur die geringste Emotion« darauf zu verwenden, ob er KI gut oder schlecht finde. »Auserzählt?« eröffnet er, ausdrücklich »frei nach Nietzsche«, mit dem »Exitus der menschlichen Kultur«.

KI ist für ihn trotzdem »kein Akteur mit einem im Zweifelsfall bösen Willen«. Im Buch antwortet er dem »KI-Freund« Andreas O. Loff, mit dem er am 29. Mai 2026 im Podcast »Lanz + Precht« darüber diskutiert hatte, ob KI unsere Kreativität bedroht (Folge 247); im Juli kam die Folge »Ist der KI-Hype am Ende?« hinzu (ZDF).

Stammt das Wort »Sofortness« von Precht?

Nein, das Schlagwort des Verlagstexts ist fast 20 Jahre alt. Dort ist von der »Sofortness« der Maschine die Rede, die an die Stelle von Kunst, Bildung und Kreativität trete. Geprägt hat das Wort der Journalist Peter Glaser 2007 in der Technology Review, für die Erwartung, »sofort bedient zu werden bzw. eine Reaktion in medialer Echtzeit zu erhalten«. Populär machte es Sascha Lobo 2011 in seiner Spiegel-Online-Kolumne »Digitale Ungeduld« (Wikipedia).

Welches Bild ist auf dem Cover?

Caspar David Friedrichs »Das Eismeer«, so steht es im Impressum. Der Umschlag zeigt einen Ausschnitt: die aufgetürmten Eisschollen und rechts das Heck eines gekenterten Seglers. Friedrich malte das Bild 1823/24 und fand zu Lebzeiten keinen Käufer. Erst 1905 erwarb es Alfred Lichtwark, der Direktor der Hamburger Kunsthalle, der es seither gehört.

Über Jahrzehnte trug es einen fremden Titel, »Die gescheiterte Hoffnung«. Erst 1965 wies der Kunsthistoriker Wolfgang Stechow nach, dass dieser Name auf einer Verwechslung mit einem anderen Polarbild Friedrichs beruht, das seit 1868 verschollen ist und auf dessen Wrack der Name »Hoffnung« stand (Wikipedia). Die Deutung als Bild des Scheiterns ist dem Eismeer geblieben.

Die wechselvolle Geschichte von Friedrichs Bildern, verbrannt, vergessen und wiederentdeckt, erzählt Florian Illies in »Zauber der Stille«.

Wie viel KI steckt im Buchmarkt?

In einer Umfrage der IG Digital im Börsenverein unter 196 Fachleuten aus Verlagen hielten 31 Prozent die Bedeutung von KI für ihre Arbeit für hoch oder sehr hoch, ein Jahr zuvor waren es 9 Prozent; für 2031 rechnen 83 Prozent damit (Börsenverein). 69 Prozent der Verlage nutzen KI bei neuen Inhalten, etwa zur Unterstützung des Korrektorats (Buchmarkt). Audible kündigte im Mai 2025 mehr als 100 KI-Stimmen für ausgewählte Verlage an, auf Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch, dazu KI-Übersetzungen, unter anderem ins Deutsche (Publishers Weekly).

»Auserzählt?« zieht für sich eine Grenze: Im Impressum behält sich der Verlag die Nutzung des Textes für Text- und Data-Mining ausdrücklich vor, gestützt auf § 44b des Urheberrechtsgesetzes.

Ausgaben und Prechts frühere Bücher

»Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?« stand 2008 16 Wochen auf Platz eins; insgesamt kamen mindestens acht Sachbücher Prechts an die Spitze der SPIEGEL-Liste, eines davon mit Harald Welzer. Sein Podcast mit Markus Lanz führte 2024 und 2025 die Apple-Jahrescharts in Deutschland an (iFun für 2024, meedia für 2025).

»Auserzählt?« in allen Ausgaben (das Hörbuch liest Precht selbst, ungekürzt), dazu Prechts frühere Bücher bei uns (»Die vierte Gewalt« mit Harald Welzer) und Florian Illies' Buch über Caspar David Friedrich; Termin ist das Erscheinen der jeweiligen Ausgabe
Ausgabe Format Termin Preis
Auserzählt? Hardcover, 224 S. 14.10.2026 22,00 €
Auserzählt? E-Book, bei uns nicht erhält­lich 14.10.2026 18,99 €
Auserzählt? Hörbuch-Download, 5:29 Std., bei uns nicht erhält­lich 12.10.2026 17,95 €
Angst­stillstand E-Book 15.10.2025 18,99 €
Das Jahrhundert der Tole­ranz E-Book 30.5.2024 16,99 €
Das Jahrhundert der Tole­ranz Hörbuch-Download, Precht liest, 5:43 Std. 28.5.2024 21,95 €
Mache die Welt (Geschichte der Philosophie 4) E-Book 25.10.2023 19,99 €
Mache die Welt (Geschichte der Philosophie 4) Hörbuch-Download, 17:18 Std. 23.10.2023 5,95 €
Die vierte Gewalt E-Book 17.4.2024 11,99 €
Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? E-Book 18.9.2024 12,99 €
Zauber der Stille (Florian Illies) Hardcover 25.10.2023 25,00 €
Zauber der Stille (Florian Illies) E-Book 25.10.2023 12,99 €

Unsere Empfehlung

Das Hardcover passt zu Lesern, die Prechts KI-Folgen im Podcast kennen und das Argument im Zusammenhang lesen wollen, und zu allen, die persönliche Essays mögen: Die Szenen mit dem Vater geben der Frage nach der Kultur ein Gesicht. Wer Precht vor allem als Stimme kennt, dem liegt die Hörbuchfassung nahe.

Weniger geeignet ist das Buch für Leser, die eine technische Einführung in künstliche Intelligenz suchen. Dafür gebe es »viele gute Bücher«, schreibt Precht; ihm geht es darum, was KI mit unserer Kultur macht.

Stand: 25. September 2026; Preise und Verfügbarkeit der 10 verlinkten Produkte stammen aus unserem Sortiment, die Angaben zu E-Book und Hörbuch von Goldmann und dem Hörverlag (ohne Link, ISBN 978-3-641-34790-1 und 978-3-8445-5661-2). E-Book-Preise laut VLB: »Auserzählt?« bis 14. Oktober 18,99 €, danach 19,99 €; »Angststillstand« vom 1. bis 31. Oktober 8,99 €, sonst 18,99 €. Zitate aus der Leseprobe des Verlags (S. 4–22). Weitere Quellen: Penguin Random House, Veranstaltungsseiten zur Frankfurter Buchmesse 2026, und actnews.ch zu den Vorträgen 2027 (beide ohne Link); meedia, 4. Dezember 2025 (Apple-Jahrescharts, ohne Link); SPIEGEL-Bestsellerliste laut Wikipedia (Liste) und Börsenblatt zu »Die vierte Gewalt«; Wikipedia zu Richard David Precht und Lanz + Precht.

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