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50 Jahre Asterix erobert Rom: Gibt es den Passierschein A38 wirklich?

»Asterix erobert Rom« von Goscinny und Uderzo, Sonderausgabe zum 50. Jubiläum, in einer römischen Amtshalle mit Passierschein A38 auf dem Tresen

Am 20. Oktober 2026 wird »Asterix erobert Rom« 50, jedenfalls in Frankreich. Deutschland hätte schon im März feiern können: Hier lief der Zeichentrickfilm am 12. März 1976 an, und insgesamt sahen ihn 7,2 Millionen Menschen, mehr als dreimal so viele wie in Frankreich. Zum Jubiläum bringt Egmont am 6. Oktober eine limitierte Sonderausgabe des Albums zum Film heraus, mit dem Passierschein A38 als Beilage. Den Schein gibt es tatsächlich: Zwei deutsche Städte stellen ihn aus, und im Bundestag fiel er seit 2020 achtmal.

Für diesen Beitrag haben wir die Plenarprotokolle des Bundestags durchsucht, die Pressemappe zum 40. Jubiläum des Films gelesen und Besucherzahlen, Synchronkartei, Verlagsangaben sowie die Serviceportale zweier Städte ausgewertet.

Asterix erobert Rom von René Goscinny und Albert Uderzo, limitierte Sonderausgabe des Albums zum Film zum 50. Jubiläum, Egmont
Limitierte Sonderausgabe, Egmont, 6. Oktober 2026

Wer Sprechblasen erwartet, wird überrascht: Das Album erzählt die zwölf Aufgaben als Vorlesegeschichte. Nach der ersten deutschen Ausgabe von 1976 erschien es vierzig Jahre lang nicht mehr; 2016 brachte Egmont es in der Übersetzung von Klaus Jöken neu heraus, mit über 40 ganzseitigen Illustrationen, die Uderzo aus seinen Skizzen für den Film mit Feder und Aquarell neu anlegen ließ. Auf dieser Fassung beruht auch die Sonderausgabe.

Den Film selbst gibt es auf DVD und Blu-ray sowie in der Großen Asterix Edition mit sieben Filmen, als DVD-Box und als Blu-ray-Box.

Gibt es den Passierschein A38 wirklich?

Ja, allerdings nicht als Amtsformular. Einen Vordruck mit der Nummer A38 haben wir bei keiner Behörde gefunden, beantragen kann man den Schein trotzdem. Mönchengladbach bietet in seinem Serviceportal einen »Antrag auf Passierschein A38« an, kostenlos und komplett online. Man meldet sich mit BundID und Online-Ausweis an, füllt den Antrag aus und bekommt den Schein per E-Mail. Ein echtes Verfahren steht nicht dahinter; so lernen Bürger das Portal kennen. Wiesbaden übernahm die Idee am 30. Mai 2025 und versprach den ersten 500 erfolgreichen Antragstellern eine Passierschein-Powerbank. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund zeichnete beide Städte dafür mit dem Siegel »Bewährt vor Ort« aus (Kommune21).

Im Film ist der Schein die achte von zwölf Prüfungen, mit denen Cäsar die Gallier als gewöhnliche Sterbliche entlarven will. Im »Haus, das Verrückte macht« irren Asterix und Obelix durch Flure und Stockwerke, jeder Schalter verweist weiter, und der schwerhörige Pförtner versteht nur etwas von einer Galeere. Wie Asterix den Apparat schließlich mit dessen eigenen Mitteln schlägt, verraten wir hier nicht; es ist eine der bekanntesten Pointen des Films.

Goscinny war sich bei der Szene unsicher. »Ich hatte zuerst Angst, mit meiner Satire auf die Verwaltung etwas zu weit gegangen zu sein. Ich dachte, die Kinder würden das nicht verstehen«, zitiert ihn die Pressemappe, die 2016 zum 40. Jubiläum auf asterix.com erschien. Nach seinen Worten kam es anders: Kaum eine Szene habe Kinder so zum Lachen gebracht, denn es gebe kein Kind, das nicht Papa, Mama oder Tante Elise auf ein Amt begleitet habe.

Auch der französische Senat kennt den Schein. Ein Bericht vom 16. September 2025 über den Zugang zu öffentlichen Diensten erinnert an Asterix' Suche nach dem »formulaire A38« in der »maison qui rend fou« (Sénat, Bericht Nr. 895). Warum Goscinny und Uderzo ausgerechnet die Nummer A38 wählten, erklärt keine der Quellen, die wir gefunden haben.

Wie oft zitiert der Bundestag den Passierschein A38?

Seltener, als man meinen könnte, und erst seit 2020, soweit die Volltextsuche im Dokumentationssystem des Bundestags reicht. Sucht man dort nach »Passierschein A38« und nach der Schreibweise »Passierschein A 38«, finden sich sieben Plenarprotokolle mit zusammen acht Erwähnungen (Stand 25. September 2026). Der früheste Beleg stammt vom 11. März 2020, einen Tag vor dem 44. Jahrestag des deutschen Kinostarts. Der FDP-Abgeordnete Jens Brandenburg sagte in einer Debatte über ausländische Berufsabschlüsse: »Die besten Fachkräfte gewinnen wir nicht mit dem Passierschein A38, sondern mit schnellen und guten Entscheidungen« (Plenarprotokoll 19/151).

Den schönsten Wortwechsel lieferte die Rentendebatte. Am 17. November 2023 sagte Kai Whittaker (CDU/CSU): »Die Rentenreform scheint der Passierschein A38 der Ampel zu sein: Irgendwo gibt es eine Rentenreform, keiner weiß genau, wie man an sie herankommt, und auf dem Weg dorthin werden alle bekloppt.« Martin Rosemann (SPD) rief zurück: »Am Ende gewinnen immer die Gallier, Herr Whittaker!« (Plenarprotokoll 20/138). Im Mai 2024 wiederholte Whittaker den Vergleich für das Rentenpaket. Spitzenreiter ist Dirk Wiese (SPD) mit drei Erwähnungen, zuletzt im September 2024 in der Debatte über das Vierte Bürokratieentlastungsgesetz. Die jüngste stammt von Christian Reck (AfD), der am 6. Juni 2025 über die EU-Agrardirektzahlungen sprach.

Am 19. Oktober 2023 sagte Lukas Benner (Grüne), man habe die Aktenordner für Windkraftgenehmigungen im Plenum »genauso oft als Beispiel gehört wie den Passierschein A38 aus dem ›Asterix‹-Film«; in den Plenarprotokollen ist seine Rede die zweite Fundstelle. Auch die Wissenschaft nutzt das Bild: Das ifo Institut spielte 2025 in seiner Inventur der Sozialleistungen des Bundes auf den Schein und auf ein »Haus der sozialen Hilfe und Förderung« an und zählte 502 Leistungen (ifo Schnelldienst 10/2025).

Was steckt in der Sonderausgabe?

Egmont kündigt 96 Seiten an, darunter 16 Sonderseiten zur Entstehung des Films, und als Beilage den Passierschein A38. »Der berühmt-berüchtigte Passierschein A38 ist seitdem ein geflügeltes Wort, und wir freuen uns, ihn unserer limitierten Jubiläumsausgabe endlich auch in gedruckter Form beizulegen«, zitiert der Verlag seinen Verleger Wolf Stegmaier in einer Mitteilung vom 10. August 2026. Wie viele Exemplare es gibt, nennt Egmont nicht.

Nicht zu verwechseln ist sie mit einer kartonierten Jubiläumsausgabe mit 64 Seiten, die der Egmont-Shop für den 20. Oktober führt, mit Artikelnummer statt ISBN; im Verzeichnis lieferbarer Bücher haben wir sie nicht gefunden. Eine Beilage ist für diese Ausgabe nicht angekündigt.

Sah Deutschland den Film vor Frankreich?

Ja, gut sieben Monate vorher. Laut dem Lexikon des internationalen Films (filmdienst.de) kam »Asterix erobert Rom« am 12. März 1976 in die bundesdeutschen Kinos; in Frankreich startete »Les Douze Travaux d'Astérix« am 20. Oktober 1976. Der Filmdienst urteilte streng, der Film treffe »in keiner Phase die heiter-satirische Note der Vorlage«.

Das Publikum sah es anders. InsideKino zählt 7.198.628 Besucher, Platz eins unter den Filmen des deutschen Kinojahrs 1976, vor »Einer flog über das Kuckucksnest«. In Frankreich kam der Film auf 2.202.481 Zuschauer (JP Box-Office). Die Pressemappe von 2016 spricht von fast acht Millionen Besuchern in Deutschland und dem größten Auslandserfolg eines Asterix-Zeichentrickfilms; Egmont nennt ihn den erfolgreichsten Asterix-Film aller Zeiten in Deutschland.

Was ist an der deutschen Fassung anders?

Auf Deutsch sprechen Hans Hessling (Asterix), Edgar Ott (Obelix) und Friedrich Schoenfelder (Präfekt); Dialogbuch und Regie der Berliner Synchronfassung von 1976 hatte Heinrich Riethmüller, so verzeichnet es die Deutsche Synchronkartei. Zwei Pointen fielen dabei zahmer aus als im Französischen: Obelix' Antwort nach der Höhle der Bestie und der letzte Satz des Films. An der ersten Stelle bleibt ausgerechnet die bairische Fassung näher am Original; sie liegt als dritte Tonspur auf der Blu-ray.

Gab es das Haus, das Verrückte macht, schon vorher auf Deutsch?

In gewisser Weise ja, bei Karl Valentin. 1940 nahm er den Sketch »Buchbinder Wanninger« auf Schallplatte auf: Ein Handwerker hat am Telefon eine einzige Frage zu seiner Rechnung und wird bei der Baufirma Meisel & Compagnie so lange durchgestellt, bis Feierabend ist. Wer in Süddeutschland im Kreis geschickt wird, kommt sich »wie der Buchbinder Wanninger« vor, eine Redewendung, die Wikipedia mit dem Passierschein A38 vergleicht. Valentins Buchbinder hing also mindestens 36 Jahre vor Asterix in der Warteschleife.

Was bringt der Asterix-Herbst 2026?

Am 10. November erscheinen drei Mundart-Bände: »Suu a Gwerch um Asterix«, erstmals auf Mittelfränkisch, übertragen vom Kabarettisten Bernd Regenauer, bekannt durch die »Metzgerei Boggnsagg«; »Jux, Kies un Edelwiess« auf Kölsch, unter anderem von Hella von Sinnen; und »Asterix bi de Walliser« auf Schweizerdeutsch von Seven. Seit dem schwäbischen »Dr große Graba« von 1995 sind laut Egmont über 100 Mundart-Bände erschienen.

Am 3. Dezember startet »Asterix und das Königreich Nubien«, der 16. Asterix-Kinofilm und der erste animierte seit »Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks«. Wie »Asterix erobert Rom« beruht er auf einer Originalgeschichte ohne Albumvorlage: Ein Jugendelixier gerät in den Zaubertrank, die Gallier werden zu Kindern, und Asterix, Obelix und Idefix reisen nach Nubien, um das Gegenmittel zu finden (Leonine). Zum Kinostart erscheint das illustrierte Album zum Film.

Auch die zwölf Aufgaben sollen neu verfilmt werden, diesmal als Realfilm unter der Regie von Jonathan Cohen. Ende November 2025 sagte er in der France-2-Sendung »Beau Geste«, man sei noch beim Schreiben (Écran Large); einen Starttermin nannte er nicht.

Alle Ausgaben im Überblick

Bücher und Filme mit Format, Termin und Preis; die Alben zum Film sind illustrierte Prosafassungen, die Mundart-Bände Comics
Ausgabe Format Termin Preis
Asterix erobert Rom, Sonder­ausgabe gebunden, 96 S., mit Passier­schein A38 6.10.2026 17,00 €
Asterix erobert Rom, Jubiläums­ausgabe kartoniert, 64 S., bei uns nicht erhältlich 20.10.2026 9,99 €
Asterix erobert Rom gebunden, 80 S., bei uns nicht erhältlich 3.11.2016 16,00 €
Asterix erobert Rom E-Book, bei uns nicht erhältlich 3.11.2016 7,99 €
Asterix erobert Rom (Film) DVD 1.10.2015 12,99 €
Asterix erobert Rom (Film) Blu-ray, Ton deutsch, bairisch, französisch 10.4.2014 13,99 €
Die große Asterix Edition 7 DVDs 16.11.2023 33,90 €
Die große Asterix Edition 7 Blu-rays 16.11.2023 44,90 €
Asterix – Das Königreich Nubien Album zum Film, 48 S. 3.12.2026 14,50 €
Suu a Gwerch um Asterix Mundart Mittel­fränkisch I 10.11.2026 17,00 €
Jux, Kies un Edelwiess Mundart Kölsch VI 10.11.2026 17,00 €
Asterix bi de Walliser Mundart Schwyzer­dütsch IV 10.11.2026 17,00 €

Unsere Empfehlung

Sammler greifen zur Sonderausgabe: Sie ist limitiert und mit dem Passierschein A38 als Beilage angekündigt. Zum Vorlesen eignet sie sich ebenso, denn die zwölf Aufgaben lassen sich einzeln erzählen. Weniger geeignet ist sie für Leser, die einen Comic erwarten; das Album erzählt in Prosa. Wer Asterix lieber mit Sprechblasen und im eigenen Dialekt liest, hat mit dem mittelfränkischen »Suu a Gwerch um Asterix« ab dem 10. November eine Premiere.

Den Film gibt es auf Blu-ray mit allen drei Tonfassungen, auch der bairischen. Goscinny wäre am 14. August 2026 hundert Jahre alt geworden; seinen Blick für die Absurditäten des Alltags zeigt auch »Der kleine Nick«.

Stand: 25. September 2026; Preise und Verfügbarkeit der 10 verlinkten Produkte stammen aus unserem Sortiment, Termine der Neuerscheinungen aus dem VLB. Die kartonierte Jubiläumsausgabe vom 20. Oktober nennt der Egmont-Shop (Artikelnummer 200/03508, ohne Link), Album und E-Book von 2016 das VLB (ISBN 978-3-7704-3941-6 und 978-3-8413-9119-3). Bundestag: DIP-Volltextsuche, geprüft an den Plenarprotokollen 19/151, 20/131, 20/138, 20/169, 20/170, 20/188 und 21/11. Weitere Quellen: Lexikon des internationalen Films und Deutsche Synchronkartei (ohne Link); Pressemappe »Les 12 Travaux d'Astérix«, asterix.com 2016 (Goscinny-Zitat, eigene Übersetzung); Egmont, Pressemitteilung vom 16. April 2026; Stadt Wiesbaden, Pressemitteilung vom 30. Mai 2025; Wikipedia zu Asterix erobert Rom und Les Douze Travaux d'Astérix.

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