Mit »Champagner« erscheint am 19. Mai 2027 bei Diogenes der erste Roman von Doris Dörrie seit zwölf Jahren. Er erzählt von vier Schwestern, die sich auf Ibiza treffen, um über das Haus ihrer Eltern im Orangenhain zu entscheiden.
Für diesen Beitrag haben wir die Datensätze im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB), die englischsprachige Rechteliste von Diogenes für die Frankfurter Buchmesse 2026 und die Wikipedia-Artikel zu Tschechow und seinem Stück »Drei Schwestern« ausgewertet; Stand ist der 26. Oktober 2026.
Der Roman »Champagner« erscheint als Hardcover; die Rechteliste, mit der Diogenes auf der Buchmesse 2026 um ausländische Verlage warb, nennt 288 Seiten und zeigt das Buch auf ihrem Titelblatt. Es ist Dörries erster Roman seit »Diebe und Vampire« aus dem Jahr 2015. Dazwischen veröffentlichte sie Bücher über das Schreiben, das Reisen und das Wohnen sowie das gezeichnete Geschenkbuch »Tricks«.
Laut derselben Liste sind Dörries Bücher in 33 Sprachen erschienen; verkauft wurden laut Verlag über zwei Millionen Exemplare. Im VLB steht der Roman seit dem 29. September 2026, ein E-Book oder Hörbuch ist dort nicht verzeichnet.
Worum es in Champagner geht
Die Mutter liebte Anton Tschechow mehr als alles andere und gab ihren vier Töchtern die Namen Natascha, Mascha, Olga und Irina. In ihren Fünfzigern treffen sich die vier auf Ibiza. Dort steht zwischen Orangenbäumen das Haus, in dem die Eltern ihr Aussteigerleben bis zum Schluss geführt haben. Laut Klappentext ist es überschuldet und soll in wenigen Tagen zwangsversteigert werden, und die Schwestern müssen entscheiden, was daraus wird: Behalten sie es mit allen Erinnerungen, oder trennen sie sich gerade deshalb davon?
Diogenes beschreibt das Buch als Geschichte über das Vergehen der Zeit und über ein Glück, das so schnell verfliegt wie die Perlen im Champagnerglas. Laut Verlag ist der Roman eine bewegende und zugleich humorvolle Hommage an Tschechow, Dörries Lieblingsschriftsteller; die Rechteliste fasst ihn in drei kurzen Sätzen zusammen: vier Schwestern, ein Haus, tausend Erinnerungen.
Warum die Schwestern Namen aus Tschechows Drei Schwestern tragen
Olga, Mascha und Irina heißen die Schwestern Prosorow in Tschechows Stück »Drei Schwestern«, das er 1900 in Jalta auf der Krim schrieb. Uraufgeführt wurde es am 31. Januar 1901 am Moskauer Künstlertheater, inszeniert von Konstantin Stanislawski und Wladimir Nemirowitsch-Dantschenko. Seine Mascha schrieb Tschechow für die Schauspielerin Olga Knipper, die kurz darauf seine Frau wurde. Bei Dörrie trägt die vierte Schwester den Namen der Schwägerin aus dem Stück: Natascha ist bei Tschechow die Frau des Bruders, und darauf weist auch die Diogenes-Rechteliste ausdrücklich hin.
Auch bei Tschechow geht es um ein Familienhaus: Im dritten Akt hat der Bruder Andrej es ohne Wissen der Schwestern verpfändet, um Spielschulden zu bezahlen, und Natascha übernimmt nach und nach den Haushalt, bis sie im letzten Akt das Haus fest im Griff hat. Bei Dörrie droht dem Haus der Eltern die Zwangsversteigerung. Wer das Stück vor dem Roman lesen möchte, findet es in der oben verlinkten Einzelausgabe; Tschechows Dramen in der Übertragung von Thomas Brasch versammelt der Band »Die großen Dramen«.
Der Satz über den Champagner
Im VLB stellt Diogenes dem Roman einen einzigen Satz voran: »Ich habe schon lange keinen Champagner mehr getrunken.« Er erinnert an die letzten Worte, die von Tschechow überliefert sind. Der Schriftsteller, der wegen seiner Tuberkulose zur Kur gekommen war, starb am 15. Juli 1904 im badischen Kurort Badenweiler. Nach den Erinnerungen von Olga Knipper ließ der Arzt in der Nacht ein Glas Champagner bringen; Tschechow sagte auf Deutsch »Ich sterbe«, dann zu ihr: »Lange keinen Champagner mehr getrunken«, trank das Glas aus und legte sich hin. Ob Dörrie ihren Titel ausdrücklich darauf bezieht, sagt der Verlag nicht.
Wer Doris Dörrie ist
Geboren in Hannover, studierte Dörrie Theater und Schauspiel in Kalifornien und New York und lernte das Regiehandwerk an der Filmhochschule in München. Zu ihren Filmen gehören »Mitten ins Herz«, »Männer« und »Kirschblüten – Hanami«. Neben der Filmarbeit veröffentlicht sie Erzählungen, Romane, ein Buch über das Schreiben, autofiktionale Texte und Kinderbücher. Die Rechteliste zitiert die US-Fachzeitschrift Publishers Weekly mit dem Urteil, sie sei eine brillante Autorin mit unverwechselbarer Stimme.
Zu »Kirschblüten – Hanami« gibt es ein eigenes Filmbuch. Der Film erzählt von Rudi, der nach dem plötzlichen Tod seiner Frau Trudi zum Sohn Karl nach Japan fliegt. Der Band versammelt etwa 120 Farbfotos aus dem Film, das vollständige Drehbuch und Dörries Hintergrundtexte zum Dreh am Fujiyama, zu Japan, zum Butoh-Tanz und zum Zen.
Doris Dörries Romane von 1999 bis 2015
Fünf Romane vor »Champagner« führt die Diogenes-Liste auf. Fred Kaufmann gerät in »Was machen wir jetzt?« (1999) ins Grübeln, weil seine Frau Buddhistin wird und die Tochter mit einem tibetischen Lama fortwill. »Das blaue Kleid« (2002) erzählt von Trauer und neuer Nähe, »Und was wird aus mir?« folgte 2007. »Alles inklusive« (2011) spielt in einem Sommer im Süden Spaniens und handelt von Müttern und Töchtern; Dörrie verfilmte den Roman 2014 selbst, unter anderem mit Hannelore Elsner und Nadja Uhl. »Diebe und Vampire« (2015) begleitet eine junge Deutsche von Mexiko nach San Francisco und zurück.
Der Süden als roter Faden
Mit Ibiza führt der Roman in den Süden, der in Dörries Büchern immer wieder auftaucht. »Alles inklusive« handelt laut Verlag auch von der Sehnsucht nach dem Süden, »Die Heldin reist« führt bis nach Marokko, und in »Die Welt auf dem Teller« schreibt sie über das familiäre Miteinander bei spanischer Paella. Im Mittelpunkt von »Champagner« stehen vier Schwestern, deren Namen schon eine literarische Familiengeschichte mitbringen. Wie die vier sich am Ende entscheiden, verrät keiner der Verlagstexte.
Schreiben, Reisen, Wohnen: Dörries Bücher seit 2015
Nach »Diebe und Vampire« wandte sich Dörrie dem autofiktionalen Erzählen zu. Mit »Leben, schreiben, atmen« (2019) lädt sie zum Schreiben über das eigene Leben ein, das Schreibjournal »Einladung zum Schreiben« (2021) setzt diese Idee mit Übungen fort. Über Essen und Kochen als Lebensfreude schreibt sie in »Die Welt auf dem Teller« (2020).
Unterwegs sein ist ihr zweites großes Thema: »Die Heldin reist« (2022) führt nach San Francisco, Japan und Marokko und handelt davon, als Frau unterwegs zu sein: allein, mit Freundinnen, mit Männern. »Die Reisgöttin« (2024) erzählt von Mitbringseln, darunter eine Origami-Schnecke aus Japan und eine Ringermaske aus Mexiko. 2025 folgte bei Hanser Berlin »Wohnen«, ein Buch über die vielen Arten, wie Menschen wohnen, im März 2026 das von ihr geschriebene und gezeichnete »Tricks«. Alle lieferbaren Titel sind auf der Seite Doris Dörrie zusammengestellt.
Unsere Empfehlung
»Champagner« passt zu Leserinnen und Lesern, die Familienromane über Schwestern, Erbe und Erinnerung mögen, und zu allen, die Dörries leichten, komischen Ton schätzen. Als Einstieg eignen sich »Alles inklusive«, das wie »Champagner« in Spanien spielt, und Tschechows »Drei Schwestern«, in dem alle vier Namen vorkommen. Wer Dörries persönlichen Ton mag, findet ihn in »Die Heldin reist« und »Leben, schreiben, atmen«. Tschechow und andere Dramatiker stehen unter Theaterstücke und Dramatik, große Werke der Weltliteratur bei den Klassikern; weitere Titel mit festem Erscheinungstermin versammelt die Übersicht der angekündigten Romane und Erzählungen.
Stand: 26. Oktober 2026; die Verfügbarkeit der verlinkten Produkte wurde an diesem Tag bei CineBuch geprüft. Zitate aus dem Englischen: eigene Übersetzung. Deutsche Ausgabe: Verzeichnis lieferbarer Bücher, Datensatz zur ISBN 978-3-257-07416-1 (Termin, Verlagstexte, angelegt am 29. September 2026), dazu die VLB-Datensätze der übrigen genannten Dörrie-Titel (»Tricks – Der Weg der Katze«, »Wohnen«, »Alles inklusive«, »Diebe und Vampire«, »Was machen wir jetzt?«, »Das blaue Kleid«, »Kirschblüten – Hanami«, »Die Welt auf dem Teller«, »Einladung zum Schreiben«, »Die Heldin reist«, »Die Reisgöttin«) und zu Tschechow, »Die großen Dramen«, abgerufen am 26. Oktober 2026. Umfang, Übersetzungen und Werkliste: Diogenes, Foreign Rights List Frankfurt 2026 (PDF, ohne Link). Verfilmung von »Alles inklusive«: Wikipedia, Artikel Alles inklusive. Tschechows Tod und letzte Worte nach den Erinnerungen Olga Knippers: Wikipedia, Artikel Anton Pawlowitsch Tschechow; Uraufführung, Regie, Rolle der Mascha, Natascha und das verpfändete Haus: Wikipedia (englisch), Artikel Three Sisters.





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