Eine kritische Analyse der deutschen Erinnerungskultur: Klug und polemisch seziert Bestsellerautor Max Czollek den Wandel im deutschen Selbstverständnis.
Max Czolleks legendäre Bücher „Desintegriert euch!“ und „Gegenwartsbewältigung“ streuten lustvoll Zweifel an den deutschen Narrativen von Integration bis Leitkultur. Scharf, gewitzt und an jeder Stelle überraschend, schließt Versöhnungstheater diesen Kreis, wenn es nach der aktuellen Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit fragt. Seit weltweit bewunderten Gesten der deutschen Selbstvergewisserung vom Warschauer Kniefall bis zum Holocaust-Mahnmal hat sich in letzter Zeit einiges verändert: Das Berliner Stadtschloss feiert Preußens Könige, mit dem neuen Militärhaushalt wird eine Zeitenwende beschworen und der Bundespräsident bedankt sich auf Israelreise ungefragt für die „Versöhnung“. Deutschland ist wieder wer, auch weil es sich so mustergültig an den Holocaust erinnert. Herzlich willkommen zum Versöhnungstheater!
Produktdetails
Erscheinungsdatum: 23.01.2023
Autor/Autorin: Max Czollek
Einband: Hardcover
Auflage: 2
Verlag: Hanser, Carl
Sprache: Deutsch
Größe (L/B/H): 208/130/18 mm
Seitenanzahl: 176
ISBN: 9783446276093
Herstellerinformationen
Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 81679 München DE
Deutschland versteht sich als Erinnerungs- und Aufarbeitungsweltmeister. Aber wie kommt es dann, dass Rechtspopulisten Wahlen gewinnen, rechtsextremistische Straftaten unzureichend aufgeklärt werden und »Nie wieder ist jetzt« zu einer Phrase verkommt? Max Czollek und Hadija Haruna-Oelker meinen, dass das auch an einer gescheiterten deutschen Erinnerungskultur liegt. Gemeinsam denken sie über eine neue Praxis nach, die die Gegenwart so einrichtet, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholt. Ein Buch voller Witz, Trauer, Widerstand und mit der Energie, alles auf Anfang zu setzen.
Der Protagonist Zweifelssohn – wie der jüdische Aufklärer Mendelssohn, aber mit Zweifel – reist von Wien über verschiedene deutsche Städte bis nach Rügen und ist dabei immer auch auf der Flucht vor einer Welt, die der eigenen Gewalt nicht mehr entkommen kann. »Zweifelssohn« ist der poetische, witzige und verzweifelt optimistische Debütroman von Max Czollek. Zweifelssohn begleiten auf seiner Reise die Spuren einer Gewalt, egal ob in der Bahn, bei einem Abendessen mit Fremden, im Urlaub mit der Freundin oder einsam in Hotelzimmern. Das hat mit einem jüdischen Blick auf Deutschland zu tun, von dem Zweifelssohn nicht lassen kann, dem er zugleich ausgeliefert ist. Er ist versucht, sich bei seiner Reise Richtung Norden an die Oberflächen zu klammern – an Mode, Musik, Exzess. Aber immer lauter wird die Gewalt, drängt sich auf als wäre sie der Blick in eine nahende Zukunft, selbst wenn man versucht, die Augen davor zu verschließen. Ähnlich wie beim Propheten Jeremias, in dessen Leben Zweifelssohn sich selbst nicht finden möchte und doch wiedererkennt, dessen Untergangsvisionen er zurückweist und doch aktualisiert. Max Czollek ringt in seinem ersten Roman mit einer Gegenwart zwischen Popliteratur und Untergangsvision, wie es sonst wohl kaum jemand vermag. Emotional, voller bitterbösem Humor und hochgradig aktuell!