Ein Ozeandampfer, ein Foxterrier und ein Reporter, der ohne Plan in den Kongo aufbricht: So begann vor fast hundert Jahren die Weltkarriere von Tim und Struppi.
Tim und Struppi gehen in Antwerpen an Bord und geraten schon auf der Reise in eine Folge aus Pannen, knappen Rettungen und Verfolgungen. Struppi gerät einem Krokodil zwischen die Zähne und landet später im Arm eines Gorillas, während der junge Begleiter Coco den Mietwagen am Laufen hält. Aus der geplanten Fotosafari wird eine Spur, die zu einem Diamantenschmuggler und einer Bande im Dienst von Al Capone führt. Hergé schrieb die Geschichte Woche für Woche für eine belgische Zeitung unter Zeitdruck, und genau das prägt ihr Tempo. In der kolorierten Fassung von 1946 ist bereits die Ligne claire zu sehen, die klaren Linien und flächigen Farben, die den frankobelgischen Comic prägen. Der Band ist zugleich ein Zeitdokument mit kolonialen Klischees, die heute eingeordnet werden müssen und Gesprächsstoff bieten.
- Frühes Abenteuer eines Comic-Klassikers: Der zweite Tim-Stoff überhaupt, in der Carlsen-Zählung als Band 1 erhältlich und ohne Vorkenntnisse lesbar.
- Ligne claire im Entstehen: Klare Konturen, flächige Farben und lesbare Panels zeigen, wie Hergé seinen weltbekannten Stil fand.
- Rasantes Erzähltempo: Jede Seite bringt eine neue Gefahr, weil die Geschichte ursprünglich als wöchentliche Serie in der Zeitung lief.
- Zeitdokument mit Diskussionsstoff: Die Darstellung des damaligen Belgisch-Kongo spiegelt koloniale Vorurteile der 1930er Jahre, die beim Lesen kritisch reflektiert und diskutiert werden sollten.
Der frühe Hergé in kolorierter Fassung: rasantes Abenteuer für Einsteiger, Sammler und Comic-Historiker.
Die Entstehung von TIM IM KONGO
Diese Geschichte von Tim und Struppi erschien erstmals in den Jahren 1930 und 1931 in einer belgischen Zeitschrift. In der ursprünglichen Fassung reiste Tim nach Belgisch-Kongo, das seit 1885 der Privatbesitz des belgischen Königs Leopold II. war und erst im Jahr 1960 unabhängig wurde. Die belgische Kolonialherrschaft im Kongo ist von zahlreichen Gräueltaten gekennzeichnet und war immer auf die Ausbeutung des Landes und seiner Boden- und Naturschätze ausgelegt.
Mit Kindern gemeinsam lesen
Kinder sollten dieses Abenteuer von Tim und Struppi mit Erwachsenen zusammenlesen, die den historischen Hintergrund erklären und die Darstellung der Afrikaner*innen kritisch beleuchten können. In diesem Zusammenhang lässt sich auch eine Brücke zur aktuellen Situation und Diskussion um Rassismus schlagen. Gemeinsam können Kinder und Erwachsene die Abenteuer von Tim und Struppi erleben und dabei sehen, wie sich auch Tim im Laufe seines “Comic-Lebens” verändert und immer mehr zum Verteidiger der Schwachen wird.