Zweihundert Jahre vor Goethe reist Michel de Montaigne nach Italien – mit neugierigem und staunendem Blick hält er 17 Monate und 8 Tage lang die Zustände und kulturellen Kuriositäten im Europa des 16. Jahrhunderts fest – ein Lesevergnügen nicht nur für Liebhaber von Reiseberichten.
Produktdetails
Erscheinungsdatum: 27.11.2007
Autor/Autorin: Michel de Montaigne
Übersetzung: Ulrich Bossier (aus dem Französischen)
Reihe: detebe
Einband: Taschenbuch
Auflage: 4
Verlag: Diogenes
Sprache: Deutsch
Größe (L/B/H): 180/113/23 mm
Seitenanzahl: 432
ISBN: 9783257236750
Pressestimmen
»Ich empfehle Ihnen Montaigne. Lesen Sie ihn von Anfang bis Ende, und wenn Sie fertig sind, beginnen Sie wieder von neuem.«
Gustave Flaubert
Herstellerinformationen
Diogenes Verlag AG Sprecherstrasse 8 8032 Zürich CH
"Kein Hirngespinst ist so windig und so verstiegen, als daß ich es nicht als Ausbund des menschlichen Geistes für bedenkenswert hielte." Michel de Montaigne
Montaignes Essai Die Kunst, sich im Gespräch zu verständigen (De l'art de conferer) ist Ausdruck seiner Skepsis gegen Dogmatismus und Fundamentalismus. Es geht im Gespräch nicht um Rechthaberei, missionarischen Anspruch und possessive Belehrung, sondern um Verständigung, auch wenn man anderer Meinung bleibt. Die neue Übersetzung von Helmut Knufmann vermittelt gut Montaignes heitere Gelöstheit, die uns heute noch anspricht.
Nichts ist so voll und ganz das Werk unsres freien Willens wie Zuneigung und Freundschaft
Der französische Philosoph MICHEL DE MONTAIGNE (1533 - 1592) befaßt sich in seinen Essais mit nahezu allen sittlichen Fragen, die den Menschen bewegen. Beeinflußt von großen Humanisten wie Erasmus von Rotterdam, ist Montaigne in seinem Werk ganz dem Geist der Aufklärung und dem skeptischen Denken verpflichtet. Er zeigt den Menschen in seinen Tugenden und Schwächen, ohne ihn jedoch auf eine bestimmte Moral zu verpflichten. Dem Ideal der Freiheit verpflichtet, widersetzt sich sein Werk der strengen Form und wurde so zum Ausgangspunkt für den Essay als literarische Gattung. Seit der Zeit der Aufklärung, in der besonders Montesquieu und Voltaire auf Montaigne hinwiessen, zeigt sich der Einfluß der
Essais in der gesamten europäischen Literatur.
Die Kleine Bibliothek der Weltweisheit versammelt berühmte Werke zur klugen und gelungenen Lebensführung. Sie befassen sich mit den zeitlos gültigen Fragen: Was überhaupt ist Glück? Was müssen wir tun, wie sollen wir Handeln? Wie können wir mit Rückschlägen des Lebens am besten umgehen? Was sind wir unseren Mitmenschen schuldig? Und worin besteht ein richtiges, ein gerechtes Leben? Die hier versammelten Texte sind als Meisterwerke der Weltweisheit und Lebenskunst in das Gedächtnis der Menschheit eingegangen.
Lesen heißt leben lernen: Eine Schule der Lebenskunst in 16 Kapiteln
»Bücher sind die beste Wegzehrung, die ich für unsre irdische Reise gefunden habe«, notierte Montaigne. Der vorliegende Band versammelt, in der vielgerühmten Übersetzung von Hans Stilett und ausgewählt von ihm, die schönsten Essais und Passagen des Reisetagebuchs von Michel de Montaigne. Eine Schule der Lebenskunst in 16 Kapiteln: Lachend die Wahrheit sagen - Lesen - Lieben - Freundschaft und Geselligkeit pflegen - Reisen - Essen und Trinken - Tanzen - Mode und Luxus mit Augenmaß genießen - Mit Geld vernünftig umgehen - Praxisbezogen Philosophieren - Der eignen Erfahrung vertrauen - Schlafen und Träumen - Lehrmeister Tier folgen - Krankheiten höflich behandeln - Den Tod nicht fürchten.
»Er ist ein Mensch, der immer geliebt werden wird.« – Voltaire
Hans Stilett, der sein Leben Michel Montaigne gewidmet hat und am 18. Januar 2015 verstorben ist, lädt uns ein, in seinem Kommentarband »anderer Art« Michel Montaignes Werk zu durchwandern. Der große Übersetzer, der uns die erste moderne Gesamtübertragung der Essais und des Reisetagebuchs geschenkt hat, erzählt uns in Von der Lust, auf dieser Erde zu leben von einer Denkwelt, deren oft tiefernste, oft spielerisch-heitere Widersprüchlichkeit uns Montaigne so menschlich macht, so faszinierend. Michel Montaignes Werke in der Übersetzung von Hans Stilett sind Klassiker der Anderen Bibliothek.
»Daß ein solcher Mensch geschrieben hat, dadurch ist die Lust auf dieser Erde zu leben vermehrt worden«, schrieb Friedrich Nietzsche über den französischen Philosophen Michel de Montaigne. Montaignes berühmte Essais liegen hier, übersetzt von Hans Stilett, vollständig vor. »Ich gehöre zu denen, die am stärksten gegen diese Gemütsbewegung gefeit sind, und weder liebe noch achte ich sie, obgleich alle Welt sich wie auf Absprache in den Kopf gesetzt hat, sie vorrangig mit ihrem Wohlwollen zu beehren. Die Weisheit, die Tugend und das Gewissen werden damit drapiert – was für eine alberne und abstoßende Aufmachung! Die Italiener haben viel zutreffender auch die Erbärmlichkeit auf den Namen tristizia getauft; und in der Tat ist die Traurigkeit stets schädlich, stets abwegig, und da überdies stets feige und niedrig, verbieten die Stoiker ihren Weisen, sich ihr zu überlassen. Freilich wird auch folgende Geschichte erzählt: Als der ägyptische König Psammetich, vom Perserkönig Kambyses geschlagen, in dessen Hände gefallen war und eines Tages seine ebenfalls in Gefangenschaft geratne Tochter auf dem Weg zum Wasserschöpfen als Dienstmagd gekleidet vorübergehen sah, blieb er im Gegensatz zu seinen Freunden, die um ihn herum zu weinen und wehklagen begannen, völlig gefaßt und hielt den Blick, ohne ein Wort zu sagen, starr zu Boden gerichtet. Selbst als man bald darauf vor seinen Augen seinen Sohn zur Hinrichtung führte, bewahrte er die gleiche Haltung. Da aber erblickte er unter den Gefangnen, die gerade weggeführt wurden, einen seiner Vertrauten, und nun erst begann er sich ans Haupt zu schlagen und äußersten Schmerz zu bekunden. Dies ließe sich mit dem vergleichen, was man neulich bei einem unserer Fürsten beobachtet hat: Als er in Trient weilte und die Nachricht vom Tod seines ältesten Bruders erhielt, der zugleich Stütze und Ehre des ganzen Hauses war, und bald danach die vom Ableben eines jüngeren Bruders, seiner zweiten Hoffnung, ertrug er die beiden Schickalsschläge mit beispielhaftem Gleichmut. Einige Tage später jedoch starb einer von seinen Leuten, und von diesem letzten Unglück ließ sich der Fürst nun völlig überwältigen: Derart verlor er hierüber die Fassung, derart gab er sich seinem Schmerz und seiner Wehmut hin, daß einige daraus folgerten, nur die letzte Unglücksbotschaft habe ihn ins Mark getroffen. In Wahrheit verhielt es sich aber so, daß bei ihm, der von Traurigkeit bereits erfüllt, ja übervoll war, das kleinste Mehr genügte, die Grenzen des Erträglichen zu durchbrechen. Man könnte, meine ich, unsre obige Geschichte genauso auslegen, wäre darin nicht hinzugefügt, daß Kambyses sich bei Psammetich erkundigte, warum er angesichts des Unglücks seines Sohns und seiner Tochter unbewegt geblieben sei, während er das seines Vertrauten kaum habe ertragen können. >Darum<, antwortete er, >weil nur dieses letzte Leid sich in Tränen zu offenbaren vermag, während das der ersten beiden Schicksalsschläge jedes Maß des Ausdrückbaren weit überschreitet.<«
Kaum waren seine berühmten Essais erschienen, da brach Michel de Montaigne zu seiner großen Reise auf, der wir sein »Tagebuch der Reise nach Italien über die Schweiz und Deutschland von 1580 bis 1581« verdanken. Ob in seinem berühmten Turm bei der neun Jahre währenden Niederschrift seiner Essais oder auf seiner Tour durch Italien: das Unterwegssein gehörte für Montaigne zum Dauerzustand seiner Existenz. Montaignes genauer Blick in toleranter »Aufmerksamkeit und Gelassenheit« lässt sein Reisetagebuch zur farbig vitalen Quelle der Kulturgeschichte werden – wobei ihn Kunstführerqualitäten und Berichte über Sehenswürdigkeiten wenig interessieren. Er nimmt Landschaft, Land, Leute und Lebensweisen in Augenschein – mit Hochachtung vor dem »niederen Volk«: Koch- und Tischsitten in den Gasthöfen haben es ihm angetan, er studiert die Bordelle von Venedig und Florenz oder erlebt Hinrichtungen und Teufelsaustreibungen. Kaum eine Gelegenheit zu Trink-, Bade-und Schwitzkuren lässt der reisende Humanist und Erkenntnissucher aus – gequält von seinem Nierenleiden. So gut wie auf dieser Reise fühlte er sich nie. Seine tollkühne Jahrhundertarbeit der ersten modernen Gesamtübersetzung der Essais aus Montaignes sprachgewaltigem Französisch der Renaissance setzt Hans Stilett mit diesem Reisetagebuch fort. »So habe ich gerade mit großem Interesse die Reisebeschreibungen Montaignes gelesen: Sie bereiten mir an manchen Stellen noch mehr Vergnügen als selbst seine Essais.« Johann Wolfgang von Goethe