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Hörbuch Download
Dateiformat:MP3
Inhaltsangabe
Auf den Feldern liegt die grüngoldene Bronze der letzten Nachmittagsstunde. Nur wenn der Wind dem Bergwald zuläuft, ist es, als spränge eine Unzahl kleiner silberner Tiere über die Wiesen.
Produktdetails
Erscheinungsdatum: 01.07.2023
Autor/Autorin: Alfons Petzold
Gelesen von:Peter Patzak
Format: Hörbuch-Download
Dateiformat: MP3
Verlag: AUDIO MEDIA DIGITAL HÖRBUCH
Sprache: Deutsch
Abspielbar auf: Abspielbar in MP3-kompatiblen Apps, Smartphones und Playern.
Spieldauer: 5 Minuten
ISBN: 9783991552215
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Im ganzen Reich des übervölkerten Zinshauses hieß die bucklige Blumenarbeiterin vom dritten Stock nur das "Armitschkerl". Eine Erzählung von Alfons Petzold.
Lauretta Delevo, die Lorbeerblüte, wie sie die Bauern und Anrainer des Dorfes nennen, ist geboren. Sie war noch jung und so schön wie einer der stolzen Pinienbäume im Garten der Villa zur fröhlichen Frühlingszeit. Die einfachen Menschen des Tales hatten sich unbewusst vor ihr gebeugt, wenn sie ihr begegneten. Da kam Licht aus ihr, durchstrahlte jeden Dunkeln, der an ihr vorüber schritt, und oft geschah es, dass ihr ein süßes Gebet nachgemurmelt wurde, das eigentlich für die Madonna gedichtete war. Nun liegt sie da, noch in der Lage einer ruhig Schlafenden, nur etwas strenger die Glieder gestreckt und lebensferner das Angesicht.
Die silbrige Spur des Sommertaues funkelt auf allem, was in der Sonne steht. Wo sich die weite Wiese in satter Üppigkeit an den dunklen Einsiedlerwald lehnt, umschwebt der letzte Nebel des Morgens einen schönen Jüngling. Strahlend ist sein Blick, der Körper voll Schönheit, die ein schlichter Mantel dürftig bedeckt. Am Ende eines Weges steht er und rüstet zum ersten Schritt auf einen neuen Pfad.
"Wenn es bei euch dunkel ist, wird es bei mir Licht!"
So sprach der junge, blinde Bürstenbinder, der mein rechter Bettnachbar im Krankenhaus war. Und ein Lächeln huschte über die krankhaften Kanten seines totgeborenen Gesichtes und machte es gütig und milde.
Steht da ein Mensch, fern der Straße, einsam auf einer Wiese. Stünde er um die Zeit des Abenddämmers hier, so lehnte sein Schatten an der stahlgrauen Tannenmauer des Waldes. Aber es ist Nacht.
Als Franz Stadler dieser nachlässigen Welt geboren wurde, schwemmte sich sein Vater, der Drechslermeister, den Holzstaub der Arbeit, den säuerlichen Geruch der armseligen, verwahrlosten Wochenstube und die heulenden Vorwürfe seines kreischenden Weibes mit Bier und billigstem Schnaps hinunter, raufte und grölte sich in der düsteren Spelunke in die Vorstadtpolitik hinein, torkelte dann schwer betrunken durch die Straßen und heulte, auf einem Randstein niedersitzend, den Mond an, der vor seinem Gesicht in einer Regenpfütze ein empörtes Antlitz zeigte und die Ursache war, dass der erboste Drechslermeister mit zornig geballten Fäusten vornüber in die schmutzige Lacke fiel.
Die stählerne Spange des Schlafes wollte sich immer fester um sein Gehirn legen. Die Buchstaben der Kalendergeschichte, die er halb bewusstlos in seinen Sinn aufnahm, flohen vor seinen ihnen mühsam nachjagenden Augen und wurden immer kleiner und kleiner. Zwanzig Stunden machte er nun schon ununterbrochen Dienst, nachdem er vorher auch nur vier Stunden geschlafen hatte.
Alfons Petzold (Pseudonym: De Profundis; 1882 bis 1923) war ein österreichischer Schriftsteller. Nach seinem Tod wurde der Alfons-Petzold-Hof in Simmering nach ihm benannt. Auch die Petzoldgasse in Simmering und die Alfons-Petzold-Gasse in Liesing sowie Gedenktafeln im 15. und 16. Wiener Gemeindebezirk erinnern an den Arbeiterdichter, wie auch eine Petzoldstraße in Innsbruck und Attnang-Puchheim, eine Alfons-Petzold-Gasse sowie dem "Alfons Petzold Heim" ein Vereinshaus in Kitzbühel.
Inhalt: Der Blinde – Armitschkerl – Die polnische Jüdin – Auferstehung – Lina Berger – Der entlassene Sträfling – Konsequenz – Die Mühle – Der Streckenwächter – Ritter Wolf Ellegasts Höllenfahrt – Zwei Winterbilder – Spätnachmittag – Das Märchen vom Tod – Tiroler Bergbauern – Thomas Ingram – Sil, der Wanderer
Er lag kurgemäß auf dem Liegestuhl, die ewig kalten Füße von dicken Filzdecken umhüllt und ließ sich von den warmen, guten Strahlenfiguren der Sonne die kranke Brust massieren.
Es ist nicht anders: Tritt dir ein weltbewegendes Gefühl, eine formschaffende, alle Adern unseres Lebens durchsausende Leidenschaft in irgendeiner Gestalt in den Kreis deiner Alltagsteilnahmslosigkeit, dann wachst du auf wie aus einem bilderlosen Schlaf, staunst ob dieser gewaltigen Macht, die sich vor dir aufbäumt und fühlst erst, was es bedeutet, Mensch zu sein.