Mit Dolchen sprechen

Der literarische Hass-Effekt
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Inhaltsangabe

Gerade in letzter Zeit hat der »Hass«-Begriff eine Karriere an öffentlicher Bedeutung hinter sich gebracht. In der publizistischen und sozialhistorischen Kritik an der in Deutschland und Europa verbreiteten Reaktion auf die Flüchtlingskrise rückte er gemeinsam mit Begriffen wie »Identität« und »Rassismus« in die vorderste Linie des Diskurses.

Doch Karl Heinz Bohrers Studie in zwölf Kapiteln sucht im literarischen Hasseffekt etwas ganz anderes. Nicht um den Hass als die begleitende Emotion eines politisch-weltanschaulichen Programms geht es ihm, sondern einzig um den literarischen Ausdruckswert, um die Rolle des Hasses als eines Mediums exzessiv gesteigerter Poesie. Dabei zeigt sich eine privilegierte Rolle von Charakteren des Hasses und ihres Ausdrucksvermögens in der Literatur, an deren Vorbild sich die Expressivität literarischer Sprache selbst entwickelt.

Bohrers Studien führen vom Beginn der Neuzeit, von Shakespeare, Kyd und Marlowe, über Milton, Swift, Kleist, Baudelaire, Strindberg und Céline bis in die Gegenwart: zu Sartre, Bernhard, Handke, Jelinek sowie Brinkmann und Goetz. Und zu Houellebecq, in dem die bösartige Affirmation des Hassenswerten, eine Zeitgenossenschaft ohne Hoffnung, kulminiert.

Produktdetails
  • Erscheinungsdatum: 01.10.2019
  • Autor/Autorin: Karl Heinz Bohrer
  • Einband: Hardcover
  • Auflage: 1
  • Verlag: Suhrkamp
  • Sprache: Deutsch
  • Größe (L/B/H): 215/132/34 mm
  • Seitenanzahl: 493
  • ISBN: 9783518428818
Darum lohnt sich dieses Buch
  • Hass als die schönste und eindringlichste Form der Literatur
  • Zwölf Analysen der großen Schöpfer von Hass-Charakteren in der Weltliteratur: von der Renaissance bis in die Gegenwart
Pressestimmen
»Wer glaubt, der große Essayist und Literaturtheoretiker Karl Heinz Bohrer liefere aus gegebenem Anlass nun seinen Beitrag zu den anhaltenden Debatten über die Verrohung der Gegenwartskultur, wird, wenn er Mit Dolchen sprechen aufschlägt, enttäuscht sein. ... Ihm geht es um den Hass in der Literatur. ... In der Darstellung des Extremen ... erlangt die Sprache oft eine extreme Intensität.«
Manfred Koch, NZZ am Sonntag, 23. Februar 2020
»Mit Leidenschaft begehrt der Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer gegen moralistische Gesinnungsästhetik auf.«
DIE ZEIT, 30. Januar 2020
»Luzide insbesondere ist die Vermutung, dass der ekelhafte politisch-ideologische Hass in der Publizistik des 20. Jahrhunderts uns erspart geblieben wäre, wenn die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts in ihrer Verpflichtung der idealistischen Philosophie gegenüber nicht weitgehend auf poetische Hass-Reden verzichtet, sondern diese gepflegt und entfaltet hätte.«
Eberhard Geisler, Frankfurter Rundschau, 26. Oktober 2019
»Literatur nicht als Lebenshilfe, schönes Objekt oder mentale Kuscheldecke gedacht, sondern von einem der komplexesten Gefühle her: dem Impuls des Hasses.«
Mara Delius, DIE WELT, 12. Oktober 2019
»Dass die Literatur eine starke Stimme hat, wenn es um Hass geht, ja, dass sie geradezu eine Expertin für Hass ist, zeigt in zum Teil fulminanten Lektüren nun der Komparatist Karl Heinz Bohrer ...«
Martina Wagner-Egelhaaf, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. September 2019
Herstellerinformationen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de
Tel: +49 30 740 744 0

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Die »Dreizehn alltäglichen Phantasiestücke«, mit denen Karl Heinz Bohrer nach seiner wissenschaftlichen Studie über den »Hass« zu kleineren, handlichen Formen übergeht, sind so alltäglich nicht: Sie zeigen die Handschrift eines ruhelosen Intellektuellen, der in der konzentrierten Form kurzer Prosa über ausgewählte Befindlichkeiten, Vorlieben, Emphatisierungen, Verstörungen, auch Antipathien eines langen Lebens Auskunft gibt. Mit einem suggestiven Erlebnisbericht über eine Bahnfahrt nach Brüssel – auf dem Höhepunkt der Hitzeperiode des Jahres 2018 –, die in einer apokalyptischen Erfahrung buchstäblich zu entgleisen droht, setzt Bohrer den Ton, bevor es weitergeht zu den Fundamenten unseres Gefühlslebens: zu Herkunft und Wesensart des Ressentiments etwa, zu den Wurzeln von Freundschaft und Entfremdung, zu Reflexionen über Isolation, Einsamkeit und Alleinsein und zu narzisstisch gespiegelter Selbstwahrnehmung.

So entfaltet sich ein reiches Panorama ganz unterschiedlich gestimmter Gedanken und Erinnerungen, in denen der Autor, wie von ihm gewohnt, kein Blatt vor den Mund nimmt und den Leser das Alltägliche denn doch als die aufregende Begegnung mit dem schlechthin Fremden erfahren lässt.

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