Leben, ins Feuer geworfen

Die Generation des Großen Oktobers
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Inhaltsangabe

»Himmelsstürmer« hießen die jungen Leute, die 1917 für die Oktoberrevolution brannten und sich dem radikalen Umbau der Gesellschaft verschrieben. Viele endeten tragisch: im Lager an der Kolyma oder in den Kellern der Lubjanka, des berüchtigten Moskauer Geheimdienstgefängnisses. Es waren die Schüler und Gefährten Lenins, die den Gewaltexzessen seines Nachfolgers Stalin zum Opfer fielen.

Für Michail Ryklin ist dieses Drama persönliche Geschichte. Die Söhne des Urgroßvaters, eines Geistlichen in Smolensk, gehörten zur bolschewistischen Elite. Nikolaj Tschaplin stieg in der Jugendorganisation Komsomol bis zur Führungsebene auf, Sergej, ein paar Jahre jünger, arbeitete schon mit fünfzehn als Kurier und war später für den Auslandsgeheimdienst in Finnland und Estland tätig. Der eine wirkte von innen für die Revolution, der andere wollte sie in die Welt tragen – bis beide in die Mühlen des Terrors gerieten.

Gestützt auf Archivmaterial und Erinnerungen von Zeitzeugen rekonstruiert Ryklin das Leben und den gewaltsamen Tod seiner Verwandten, die Teil des sowjetischen Herrschaftssystems waren. Sein erschütternder Bericht konfrontiert uns mit dem Innersten der totalitären Macht und dem Versuch Einzelner, ihre menschliche Integrität zu behaupten.

Produktdetails
  • Erscheinungsdatum: 02.04.2019
  • Autor/Autorin: Michail Ryklin
  • Übersetzung: Sabine Grebing, Volker Weichsel (aus dem Russischen)
  • Einband: Hardcover
  • Auflage: 1
  • Verlag: Suhrkamp
  • Sprache: Deutsch
  • Größe (L/B/H): 218/146/30 mm
  • Seitenanzahl: 336
  • ISBN: 9783518427736
Darum lohnt sich dieses Buch
  • Wie Stalin sich der Schüler Lenins entledigte
  • Ein Beitrag zur Terrorgeschichte der Sowjetunion
  • Ein aktuelles Buch zur Kontinuität der russischen Geheimdienste und ihrer Methoden
Pressestimmen
»Gerade weil Ryklin auf die Erinnerungen und Aufzeichnungen seiner eigenen Familie baut, ist es ihm gelungen, die persönliche Geschichte in einen größeren Kontext zu setzen. Verbindungen zur Gegenwart zu ziehen und so ein herausragendes Werk der Erinnerungskultur und Sensibilisierung zu schaffen.«
OSTRAUM, 6. Januar 2022
»Ryklin ist ein sensibler Schreiber von Familientragödien.«
Sabine Adler, Deutschlandfunk, 4. Juni 2019
»Ryklins Buch ist ein wesentlicher zeitgeschichtlicher Beitrag mit Einsichten von elementarer Bedeutung.«
Wolfgang Schrieck, Wostok
Herstellerinformationen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de
Tel: +49 30 740 744 0

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Kommunismus als Religion

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Die Bolschewiki inspirierte der Glaube – eine Art weltliche Religion – an die Möglichkeit einer radikalen Umgestaltung der rückständigen bäuerlichen Gesellschaft. Von Anfang an erklärten sie der Orthodoxie den unversöhnlichen Krieg, installierten ein System von kommunistischen Riten und betrieben eine effektive Propaganda der Errungenschaften des neuen Regimes. Zentrum des sowjetischen Kultus wurde das Leninmausoleum: dort liegt bis zum heutigen Tag der einbalsamierte Leichnam des toten Parteiführers. In den dreißiger Jahren kommt es zu seiner Vergöttlichung, wird im Recht die "Schuldvermutung" eingeführt, in der Kunst ein einheitlicher Stil (der Sozialistische Realismus) verordnet und der Sowjetpatriotismus eingepflanzt. Keine weltliche Religion des 20. Jahrhunderts kann sich in ihrer Anziehungskraft für die Intellektuellen mit der kommunistischen (Raymond Aron nannte sie das "Opium für die Intellektuellen") vergleichen. Die Gründe dieser Verzauberung zu klären ist die wichtigste Aufgabe des Buches. Was am ursprünglichen revolutionären Glauben und seiner Kultur erschien Walter Benjamin, André Gide, Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht und vielen anderen als ungewöhnlich wertvoll und sogar einzigartig? Mikhail Ryklin zeichnet die Konturen des kommnistischens Glaubens, die Funktionsweise des Kommunismus als Religion nach.
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