Teil der Reihe: Beck Paperback (Band 6571)

Kritik der großen Geste

Anders über gesellschaftliche Transformation nachdenken
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Inhaltsangabe
Über Transformation wird zumeist mit großer Geste und noch größerer Betroffenheit gesprochen. Ob es um die Bekämpfung des Klimawandels, den Umbau von Staat und Wirtschaft oder die Frage nach der Beendigung von Kriegen geht: Von der Dringlichkeit wird auf die Möglichkeit und Zustimmungsfähigkeit geschlossen, oft mit mahnendem Blick. In Vergessen- heit gerät dabei, dass alle Transformation in einer Welt stattfinden muss, die bereits da ist und mit ihren eigenen Mitteln darauf reagiert, unter anderem mit populistischen Gefährdungen der Demokratie. Armin Nassehi fragt in seiner deutlichen Intervention, was jenseits der großen Geste zu finden ist: eine Gesellschaft, die anders über Transformation nach- denken muss und am Ende von der Logik kleiner Schritte profitieren wird.

Multiple Krisenerfahrung bedeutet: Viele Bedingungen unserer Lebensweise der letzten Jahrzehnte sind fragwürdig geworden, ihre Verletzlichkeit und ihre Voraussetzungen werden immer sichtbarer. Das erzeugt allerorts einen Ruf nach rascher, möglichst umfassen- der Transformation. Denn: Eine andere Welt sei möglich, wir müssten sie nur wollen. Aber dieser Triumph des Willens rechnet nicht mit dem Eigensinn, mit der inneren Komplexität und den Widerständen einer Gesellschaft, die eben kein ansprechbares Kollektiv ist. Und sie rechnet nicht mit der populistischen Reaktion auf Krisenerfahrungen. Dabei wird immer deutlicher: Man kann nicht gegen die Gesell- schaft transformieren, sondern nur in ihr und mit ihr und nur mit ihren eigenen Mitteln.
Produktdetails
  • Erscheinungsdatum: 18.08.2026
  • Autor/Autorin: Armin Nassehi
  • Einband: Taschenbuch
  • Auflage: 4
  • Verlag: C.H.Beck
  • Sprache: Deutsch
  • Seitenanzahl: 224
  • ISBN: 9783406851551

CineBuch-Redaktion

Unsere Einschätzung

Transformation wird hierzulande meist mit großer Geste verhandelt: Von der Dringlichkeit einer Krise wird kurzerhand auf ihre Lösbarkeit geschlossen, mahnender Blick inklusive. Armin Nassehi hält dagegen, dass sich keine Gesellschaft gegen sich selbst umbauen lässt – sie ist kein ansprechbares Kollektiv, sie reagiert mit Eigensinn, Widerständen und populistischen Gegenbewegungen. Seine Intervention plädiert für die unterschätzte Logik der kleinen Schritte.

Eine pointierte Streitschrift des Soziologen, der zuletzt mit »Unbehagen« die Überforderung moderner Gesellschaften vermessen hat. Statt Alarmrhetorik gibt es Systemdenken mit klarer Kante – unbequem gerade für Engagierte, denen das Buch die Illusion des »Man müsste nur wollen« nimmt. Politisch interessierte Leser, die Analyse einer Predigt vorziehen, sind hier richtig.

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