Worum handelt es sich eigentlich bei dieser eigenartigen Gesellschaftsform, die wir als »Kapitalismus« bezeichnen? Nancy Fraser und Rahel Jaeggi stellen uns im so intensiven wie kontroversen Gespräch seine verschiedenen historischen Formen vor, die stets auf der Trennung von Ökonomie und Politik, Produktion und Reproduktion, menschlicher Gesellschaft und Natur beruhten. Dabei verwerfen sie althergebrachte Vorstellungen vom Wesen des Kapitalismus und wie dieser zu kritisieren sei. Stattdessen liefern sie präzise Diagnosen der gegenwärtigen Krisen und Aufstände und analysieren die Handlungsspielräume linker Politik.
Produktdetails
Erscheinungsdatum: 19.02.2020
Autor/Autorin: Nancy Fraser,Rahel Jaeggi
Übersetzung: Jürgen Schröder (aus dem Englischen)
Reihe: suhrkamp taschenbuch wissenschaft, Teil 2307
Einband: Taschenbuch
Auflage: 2. Deutsche Erstausgabe
Verlag: Suhrkamp
Sprache: Deutsch
Größe (L/B/H): 178/108/17 mm
Seitenanzahl: 329
ISBN: 9783518299074
Pressestimmen
»Das Buch ist nicht zuletzt wegen seiner reichhaltigen Bibliographie ... zum Thema Kapitalismus (-kritik) und seiner vielen Verweise auf andere Bücher .. und dabei besonders auf von Frauen geschriebener Literatur eine große Bereicherung.«
Martin Arndt, Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, 19. April 2023
»Das Buch leistet einen Beitrag, differenziert zu diskutieren.«
Simon Gajer, Heilbronner Stimme, 18. September 2020
»Wer glaubt, den Kapitalismus schon verstanden zu haben, sollte sich durch dieses Buch eines Besseren belehren lassen. Die beiden Denkerinnen liefern eine angesichts ihrer analytischen Tiefe erstaunlich gut lesbare Zeitdiagnose.«
Frankfurter Rundschau, Stephan Hebel, 9. Juli 2020
»So kommt das neue Buch von Nancy Fraser und Rahel Jaeggi zur rechten Zeit: Der Band ... dokumentiert den Austausch der US-Philosophin mit ihrer Berliner Kollegin über den Stand der Kapitalismuskritik heute. Und eine zentrale These der beiden besteht gerade darin, dass dieses System unter anderem auf dem systematischen Ausschluss bestimmter Menschengruppen beruht.«
Daniel Hackbarth, WOZ Die Wochenzeitung, 25. Juni 2020
»Das Buch leistet einen wertvollen Beitrag zum Diskurs.«
Klaus-Rüdiger Mai, Die Tagespost, 9. Mai 2020
»Im Kern ist Kapitalismus ... ein hochaktuelles Buch, insofern es den ambitionierten Versuch unternimmt, ein globales Gesellschaftsmodell mit dem entwickeltsten Instrumentarium zu sezieren, das die zeitgenössische Gesellschaftstheorie zur Verfügung stellt.«
Franco Zotta, Widerspruch – Münchner Zeitschrift für Philosophie
Kapitalismus ist nicht nur ein Wirtschaftssystem, sondern eine Gesellschaftsform. Als solche ist er darauf angewiesen, sich auch nichtökonomische Ressourcen einzuverleiben und so langfristig seine eigenen Grundlagen zu zerstören. Wie der Ouroboros, die Schlange, die ihren eigenen Schwanz verspeist, verschlingt er natürliche Rohstoffe und unbezahlte Betreuungsarbeit. Er enteignet rassifizierte Gruppen und unterminiert die Macht demokratischer Institutionen, auf deren Funktionieren er eigentlich angewiesen ist. Damit erweist er sich als Motor hinter den diversen Krisenphänomenen, mit denen wir heute konfrontiert sind. In ihrem lang erwarteten neuen Buch zeichnet Nancy Fraser die historische Entwicklung des kapitalistischen Allesfressers über mehrere Epochen hinweg nach. Indem sie den Zusammenhang zwischen unterschiedlichen Krisen analysiert, zeigt sie zugleich auf, wie ein Sozialismus für das 21. Jahrhundert aussehen könnte. Klimawandel, Rassismus, Pflegekrise und demokratische Regression als Symptome desselben Problems zu begreifen weist den Weg zu neuen und starken gegenhegemonialen Allianzen.
Die bekannte Philosophin Nancy Fraser untersucht eine Reihe von neueren Ansätzen kritischer Gesellschaftstheorie in Frankreich, Amerika und Deutschland und im Hinblick auf die Theorie und Praxis der Frauenbewegung. Ziel ist die Ausarbeitung einer kritischen Theorie, die als Reflexion der politischen Praxis an praktischen Eingriffsmöglichkeiten orientiert ist. Eine solche Gesellschaftstheorie definiert Fraser als »Selbstverständigung der Zeit über ihre Kämpfe und Wünsche«, wobei der Kampf gegen die Unterdrückung der Frau im Mittelpunkt steht. Getreu der Prämisse, daß sich eine kritische Gesellschaftstheorie von den traditionellen Denkgebäuden durch ihre Orientierung an der politischen Praxis (und nicht durch ein epistemologisches Merkmal) unterscheidet, arbeitet Fraser sowohl die methodisch und inhaltlich relevanten Einsichten neuerer Gesellschaftstheorien als auch ihre systematischen Grenzen, blinden Flecke und Leerstellen heraus.
Ihre Arbeiten situieren sich einerseits in der Nachfolge der sogenannten »Poststrukturalisten« und sind andererseits der Kritischen Theorie von Jürgen Habermas verbunden. Beide Positionen werden einer kritischen Lektüre hinsichtlich des Geschlechterverhältnisses unterzogen.