Alles ist genauso passiert, soweit ich mich erinnere ...
Ihre Wege kreuzen sich schon, laufen nebeneinander, lange, bevor Alexander Osang beschließt, Uwes Geschichte aufzuschreiben. Und mit ihm aufbricht auf einem Schiff in die Vergangenheit. Die weißen Nächte über der Ostsee – sie sind fast hell, verheißungsvoll und trügerisch, so wie die Nachwendejahre, die beide geprägt haben. Eindringlich und mit staunendem Blick erzählt er von den Zeiten des Umbruchs und davon, wie sich das Leben in der Erinnerung zu einer Erzählung verdichtet, bei der die Wirklichkeit vielleicht die geringste Rolle spielt.
»Osang kann einfach fantastisch schreiben.« Antonia Baum, Die Zeit
Produktdetails
Erscheinungsdatum: 11.10.2022
Autor/Autorin: Alexander Osang
Einband: Taschenbuch
Auflage: 1. Auflage
Verlag: Aufbau TB
Sprache: Deutsch
Größe (L/B/H): 190/115/21 mm
Seitenanzahl: 237
ISBN: 9783746639734
Herstellerinformationen
Aufbau Verlage GmbH & Co. KG Prinzenstr. 85 10969 Berlin DE
Seine Gefühle zum Haustier in einem deutschen Nachrichtenmagazin zu beschreiben kostet Überwindung. Erst recht in Zeiten angespannter Nachrichtenlage. Wenn die Welt brennt, redet man nicht über die Katze. Ein Hund würde vielleicht noch gehen, ein richtiger Hund, aber ich bin leider ein Katzentyp. Hatte der Nahostkonflikt meine deutsche Katzenallergie besiegt? Und wenn ja, war das ein Kolumnenthema? Darf man mit einer Holländerin anstoßen, wenn Deutschland aus dem WM-Turnier fliegt? In der Vorrunde? Das ist eine Frage deutscher Leitkultur, die mich weit mehr beschäftigt als der Zusammenhang zwischen deutscher Politik, deutschen Autos und deutschem Fußball. Darf man als Nachfahre von Nazideutschland in einem Meer baden, über das israelische Kampfhubschrauber Richtung Gaza fliegen? Oder muss man sogar ins Wasser? Wie erklärt man einem betrunkenen Russen in der Moskauer Metro, dass der Krieg vorbei ist? Was zieht man an, wenn man eine AfD-Veranstaltung besucht? All das sind Fragen, die ich mir stelle. Pausenlos.
»Impressionen und Augenblicke, in denen sich ein Leben verdichtet.« Frankfurter Neue Presse. Jedes Jahr im Dezember schreibt Alexander Osang eine Weihnachtsgeschichte. Dieses Buch vereint seine besten Erzählungen. Sie sind komisch, tragisch, verrückt und überraschend, aber immer dicht dran am Leben. „Die Geschichten enden fast alle mit einem Hoffnungsschimmer, meiner kleinen Weihnachtsbotschaft an die Welt. Eine Tür öffnet sich, wenn man nicht mehr damit rechnet. Es geht ziemlich viel schief im Leben meiner Helden, aber am Ende gibt es ein kleines Licht.“ In Alexander Osangs Weihnachtsgeschichten haben die Protagonisten ihre besten Jahre hinter sich, wenn sie überhaupt je beste Jahre hatten. Da ist der Immobilienmakler, der am Weihnachtsabend seine eigene Wohnung vermittelt. Oder die bekannte Fernsehmoderatorin, die sich beim Saunieren ausschließt und, nur mit einer Mülltüte bekleidet, hofft, dass ihr jemand die Tür öffnet. Und da ist ein Geschäftsführer, der verzweifelt versucht, sein Jackett aus dem Altkleidercontainer zu fischen, denn die Kette, das Weihnachtsgeschenk für seine Frau, steckt noch in der Tasche. Mit seinen Geschichten fängt Alexander Osang Fallende und Gefallene ein. Weihnachten zeichnet er nie als pompöses oder grundgutes Fest. Er versteht es als eine Zeit der Inventur, da man überprüft, was eigentlich noch im Regal des Lebens steht. Oft steht, ganz hinten, etwas Bemerkenswertes. »Kino im Kopf, das ist die Kunst, die der Reporter Alexander Osang meisterhaft beherrscht, als wärs das Einfachste auf der Welt.« Hessischer Rundfunk
Die Geschichte einer lebenslangen Freundschaft: Zwei Männer in den letzten Jahren der DDR, der Wendezeit und den Jahrzehnten danach – »Mein Ehrgeiz, sein Freigeist. Unser Tanz vor den Frauen.«
1983 lernen sich Alexander und Christian in Leipzig kennen. Beide studieren an der Sektion Journalistik der Karl-Marx-Universität, dem »Roten Kloster«. Alexander stammt aus einer katholischen Familie im Prenzlauer Berg und hat früh lernen müssen, sich im sozialistischen Staat durchzuschlängeln. Christian weigert sich dagegen beharrlich, sich dem DDR-System anzupassen. Sie trinken viel, schlafen wenig und konkurrieren um Frauen. Während ihr Land zerfällt, feiern beide eine endlose Party.
Nach der Wende steigt Alexander schnell auf. Er beginnt als Journalist bei der Berliner Zeitung, schreibt preisgekrönte Texte und reist durch die Welt. Christian jedoch findet in der neuen Gesellschaft keinen Platz. Er zelebriert sein Leben als Außenseiter und Lebenskünstler, produziert Ideen wie ein Daumenkino mit den schönsten Toren des FC Bayern, schreibt Gedichte und fotografiert die Risse im Asphalt. Für Alexander aber bleibt er der Mann, der ihn mit seiner Vergangenheit und seinem inneren Kern verbindet. Als Alexander heiratet, wird er sein Trauzeuge.
Dann erkrankt Christian an Krebs, und Alexander besucht ihn in einem Berliner Krankenhaus. Dort liest er ihm aus Mark Twains »Huckleberry Finn« vor und zieht Parallelen zwischen dem freigeistigen Huck Finn und Christian, der sich lebenslang den Normen und der »Zivilisierung«, der Eingliederung in die Gesellschaft, widersetzt hat. In einem letzten Versuch, Ordnung in Christians Hinterlassenschaft zu bringen, holt Alexander Christians Tochter Franziska ans Sterbebett. Sie hat ihren Vater nie zuvor gesehen. Als Christian schließlich stirbt, spürt Alexander, dass damit auch in seinem Leben etwas zu Ende geht. Es ist der Ausgangspunkt dieses bewegenden Textes.
Alexander Osangs Memoir ist nicht nur ein Buch über eine Freundschaft, die den Untergang eines Gesellschaftssystems überstanden hat, es fragt auch generell nach dem Wesen und den Formen von Freundschaft. Es ist gleichermaßen Selbstporträt wie Porträt eines ungewöhnlichen Menschen. Und es ist nicht nur ein Buch über spezifisch ostdeutsche Erfahrungen vor und nach der Wende, sondern zeigt allgemein die Verschiedenartigkeit, Zufälligkeit und Brüchigkeit von Lebenswegen.