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Inhaltsangabe
Seine Stücke sind bis heute unter den meistgespielten auf deutschen Bühnen, Schullektüre und universell bekannte, moderne Mythen. Aus Anlass des 25. Todestags von Friedrich Dürrenmatts Todestag am 14. Dezember 2015 erscheinen alle seine Stücke in einem Band.
Produktdetails
Erscheinungsdatum: 25.11.2015
Autor/Autorin: Friedrich Dürrenmatt
Einband: Hardcover
Auflage: 1
Verlag: Diogenes
Sprache: Deutsch
Seitenanzahl: 1584
ISBN: 9783257069198
Herstellerinformationen
truepages UG (haftungsbeschränkt) Westermühlstrasse 29 80469 München DE
Wer mit dem Visionär und Weltautor Friedrich Dürrenmatt denken und sich mit seinen oft Kapriolen schlagenden Gedankengängen in geraffter Form auseinandersetzen möchte, der kann mit diesem kleinen Band beginnen. Ein Begleiter der besonderen Art, kritisch, witzig, widerspruchsfreudig, voller Neugier und Einfallsreichtum.
»Gibt es noch mögliche Geschichten?« fragt Friedrich Dürrenmatt in der Einleitung zu seiner 1956 erstmals erschienenen Prosaerzählung ›Die Panne‹, die dem Leser zunächst wie eine spannend geschriebene Kriminalgeschichte erscheinen mag. Er hat die selbstgestellte Frage im Verlauf seines Schriftstellerlebens mit einer Reihe meisterhafter Erzählungen immer wieder neu und unter ganz anderen Blickwinkeln beantwortet. Sechs dieser Erzählungen, dieser »noch möglichen Geschichten«, sind im vorliegenden Band versammelt: ›Der Tunnel‹ · ›Die Panne‹ · ›Der Sturz‹ · ›Abu Chanifa und Anan ben David‹ · ›Der Winterkrieg in Tibet‹ · ›Mondfinsternis‹.
Moses Melker – selber steinreich – hat eine ›Theologie der Armut‹ entwickelt. Er möchte die Reichen von der Last des schnöden Mammons erlösen, damit sie der Gnade Gottes teilhaftig werden. Ein Gangster-Syndikat nimmt den Gedanken auf, erwirbt im Schweizer Durcheinandertal ein Kurhotel für Millionäre und läßt es zum ›Haus der Armut‹ umbauen …
Vom Himmel steigt ein Engel nach Babylon hernieder, der sich selbst als Physiker ausgibt. Einem Bettler soll er ein gottgeschaffenes Mädchen bringen. Doch es kommt zu einer Verwechslung.
»Dürrenmatt ist ein Meister der sprachlichen Perspektive, er hat sie nicht zuletzt am Hörspiel ausgebildet. Im ›Unternehmen Wega‹ wird die Auseinandersetzung zwischen West und Ost auf unserem Planeten ausgeweitet auf einen neuen möglichen Kriegsschauplatz: die Venus. Sie ist zur Strafkolonie der Erde geworden. In ›Stranitzky und der Nationalheld‹ rückt das Staatsoberhaupt Baldur von Moeve infolge Erkrankung an Aussatz auf die Seite der Geächteten und Geschändeten. Einer von diesen, der an beiden Beinen amputierte Kriegsverletzte und ehemalige Fußballchampion Stranitzky, hält nun seine Stunde für gekommen. Die bisherigen Opfer der Politik werden regieren – denn zum Regieren braucht es ja schließlich keine Beine, wohl aber einen Kopf. Das ›Nächtliche Gespräch‹ ist nicht nur ganz allgemein ein Kurs für Zeitgenossen, sondern im besonderen eine Anleitung für Dürrenmatt-Leser, vielleicht sogar d i e Anleitung.«
»Ein alter Tyrann liegt im Sterben. Inszenierung und Zeitpunkt seines Todes liegen jedoch in den Händen verschiedener Fraktionen: da sind die Alten, die ihn in den Jahren seiner Herrschaft umgeben haben; die revolutionäre, die religiöse, die monarchistische Fraktion; die bürokratische und technologische und schließlich die Medizin selbst. Jede Fraktion hat ihre eigenen machtpolitischen Gründe für eine Verkürzung oder Verlängerung der Sterbezeit des Tyrannen. Dürrenmatt stürzt sich in diesem Stück mehr auf die groteske Wirklichkeit als auf irgendwelche erfundenen Gräßlichkeiten. Immerhin, es gibt noch Platz für Phantastisches. Die unheimlichsten Momente sind jene, in denen die maskierten Matriarchinnen ihren Auftritt haben, gekleidet wie die spanische Königsfamilie auf den historischen Porträts von Goya. Seit einst die Hexen in ›Macbeth‹ über ihrem Kessel kauerten, sind keine solchen Ungeheuer über die Bühne gegangen.«
»Ursprünglich von Friedrich Dürrenmatt als eine Art literarisches Testament konzipiert, schreibt der Autor seit den siebziger Jahren an dieser ›Dramaturgie der Phantasie‹, die letztlich keinem literarischen Genre zuzuordnen ist: Anstelle einer konventionellen Autobiographie verfolgt Dürrenmatt die Geschichte jener Stoffe, mit deren Bewältigung und Bearbeitung er sich sein Leben lang beschäftigte.«
In ›Stoffe‹ spürt der große Dramatiker und Denker der Beziehung zwischen Erleben, Phantasie und Stoff nach, auf der Suche nach einer Dramaturgie der Phantasie. In ›Stoffe‹ mischen sich Dichtung und Wahrheit, Autobiographisches, Politisches, Philosophisches und große Erzählkunst in überwältigender Vielfalt.
Arnolph Archilochos ist Unterbuchhalter eines Unterbuchhalters in der Geburtszangenabteilung einer großen Firma. Des Alleinseins müde geworden, gibt Arnolph Archilochos eines Tages ein Heiratsinserat auf, dessen Text kurz und vielsagend lautet: Grieche sucht Griechin. Und das Wunder geschieht: der dickliche Junggeselle lernt das reizendste Mädchen kennen, das man sich erträumen kann. Nur einen Fehler hat sie.
›Achterloo‹, 1983 uraufgeführt, vom Publikum begeistert, von der Kritik eher kühl aufgenommen, ließ Dürrenmatt bis zuletzt nicht mehr los: Gemeinsam mit Charlotte Kerr dokumentierte er in dem Band ›Rollenspiele‹ die vielen Stufen der Um- und Überarbeitungen. 1988 folgte Dürrenmatts Inszenierung des noch radikaler gefaßten Stoffs, ›Achterloo IV‹, der hier vorliegenden Fassung letzter Hand.