In einer Zeit, die zunehmend von Kriegen, Umweltzerstörungen und Hungersnöten bedroht ist, hat Albert Schweitzers Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben nichts an Aktualität eingebüßt. Das Prinzip der Ehrfurcht vor dem Leben ist für ihn an keine bestimmte Religion oder Philosophie gebunden. Es ist die elementare und überlebensnotwendige Richtlinie, die allem Denken und Handeln zugrundeliegen soll. Dieses Buch vereinigt Schlüsseltexte Schweitzers aus den Jahren 1919 bis 1963, die die zentralen Linien seiner Ethik philosophisch und theologisch herausarbeiten.
Der junge Theologieprofessor Albert Schweitzer brach im Jahre 1905, im Alter von dreißig Jahren, seine akademische Karriere ab, studierte Medizin und schiffte sich 1913 nach Afrika ein, um im Dienst der französischen Missionsgesellschaft im Urwald Äquatorialafrikas eine medizinische Station aufzubauen. 1920 verfaßte er seinen berühmten Bericht Zwischen Wasser und Urwald. Auf faszinierende Weise beschreibt Albert Schweitzer seine Erlebnisse im damals scheinbar unberührten Afrika, den Aufbau eines Krankenhauses am Fluß Ogowe und seine wachsende Hochachtung vor der einheimischen Bevölkerung. Die medizinische Hilfe war für ihn eine Form der Sühne unter anderem für die vielen Leiden, die die Europäer den Afrikanern zufügten. Zwischen Wasser und Urwald wurde schnell zum Bestseller und ist bis heute das meistverkaufte Buch Albert Schweitzers.
Der Leser versteht, daß Schweitzer während seines hilfreichen Wirkens für seine afrikanischen Patienten viel für seine eigene Person gelernt hat. Er selbst brauchte Lambarene, um zu erproben, inwieweit er fähig war, die Idee der Solidarität mit der Bevölkerung der später so genannten Dritten Welt glaubwürdig anzuwenden. Erst durch das Bestehen der Praxis gewann er die Sicherheit und Überzeugungskraft für seine großartige Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben, die nicht nur das menschliche, sondern das Leben der Schöpfung im Ganzen meint.
Horst Eberhard Richter
Eine behütete Kindheit im Pfarrhaus zu Günsbach und viel Freiheit, um in der Natur herumzustreunen, die Liebe zu Tieren und das Mitgefühl mit allen Leidenden zu entdecken, frühe musische und religiöse Erfahrungen und Vorbilder, die das weitere Leben prägen Albert Schweitzers berühmte Erinnerungen haben Generationen vor Augen geführt, worauf es in der Kindheit und Jugend wirklich ankommt.
"DIE EHRFURCHT VOR DEM LEBEN GILT ALLEM LEBEN." ALBERT SCHWEITZER
«Die Ethik, die sich nicht auch mit unserem Verhalten zur Kreatur beschäftigt, ist unvollständig.» Albert Schweitzers Texte zum Verhältnis von Mensch und Tier sprechen den Leser bis heute unmittelbar an und lassen den großen Philosophen, Theologen, Musiker und Arzt als einen der wichtigsten Vordenker des Tierschutzes und der Tierethik neu entdecken.
Albert Schweitzer gehört zu den wichtigsten Denkern der Tierschutzbewegung. Seine Lehre von der Ehrfurcht vor dem Leben schließt den Respekt vor allen Tieren selbstverständlich ein. Die verstreuten Texte Albert Schweitzers zur Tierethik in einem Band zu versammeln war daher längst überfällig. Der Band enthält autobiographische Texte, in denen Schweitzer eindringlich erzählt, wie er von Kindheit an für das Leiden von Tieren sensibilisiert wurde oder wie in seinem Spital in Lambarene Affen, Gazellen, Pelikane und andere Tiere als Gefährten und Patienten ernst genommen wurden. Den Mittelpunkt bilden philosophische, theologische und kulturgeschichtliche Überlegungen zu Tierethik, in denen Schweitzer nach der Rolle der großen Religionen und des modernen Denkens für unser Verhältnis zu den Tieren fragt. Die von Erich Gräßer ausgewählten und eingeleiteten Texte sprechen den Leser unmittelbar an. In einer Zeit, in der Massentötungen von Tieren an der Tagesordnung sind, haben sie nichts von ihrer Aktualität eingebüßt.
Albert Schweitzer gehört zu den großen Predigern des 20. Jahrhunderts. Seine schriftlich ausgearbeiteten Andachten sind glänzende theologische Miniaturen, die einen tiefen Einblick in die Frömmigkeit des "Urwalddoktors" erlauben und den Leser auch heute noch unmittelbar ansprechen.
Der vorliegende Band enthält eine Auswahl der schönsten religiösen Reden Schweitzers, darunter auch seine ersten Predigten über die "Ehrfurcht vor dem Leben". Sie stammen überwiegend aus den Jahren vor Schweitzers Tätigkeit als Arzt im afrikanischen Lambarene und zeigen, warum für ihn Religion und Humanität zwei Seiten der gleichen Medaille waren.
Albert Schweitzer ist durch seine Tätigkeit als Arzt im zentralafrikanischen Lambarene weltbekannt geworden. Der im heutigen Gabun am Ogowe gelegene Ort war damals von den Europäern noch kaum erschlossen. In regelmäßigen Briefen berichtete Schweitzer an seine Freunde und Mitstreiter in Europa vom Aufbau des Krankenhauses, von Krankheiten und Behandlungen, von der einheimischen Bevölkerung und der Natur des Landes sowie von den Schwierigkeiten, mit denen er als Arzt, Organisator, Bauherr und Mensch zu kämpfen hatte.
Die schlichten Berichte, die Schweitzer selbst als Fortsetzung seines Bestsellers Zwischen Wasser und Urwald verstanden hat, sind bis heute eine höchst spannende und aufschlussreiche Lektüre.
An keinem Teil seines Werks lag Albert Schweitzer mehr als an seinem Beitrag zur Philosophie. Doch die ihm gebührende Wirkung mußte ausbleiben, weil nach seinen beiden philosophischen Büchern von 1923, der Kulturkritik (Kulturphilosophie I) und der Ethik (Kulturphilosophie II) - heute zusammengefaßt unter dem Titel `Kultur und Ethik` -, kein weiteres mehr erschien. Hier wird aus dem Nachlaß die Fortsetzung veröffentlicht, an der Albert Schweitzer 14 Jahre lang, von 1931 - 1945, gearbeitet hat. Der Leser kann jetzt die Linien des Schweitzerischen Denkens über die Erstlingsschriften hinaus verfolgen. Sichtbar wird dabei der eindrucksvolle Versuch, die Ethik zu einer `Weltphilosophie`, zu einer quer durch die Kulturen akzeptierbaren Deutung von Leben und Kosmos auszubauen. Albert Schweitzer wird spätestens mit dieser Veröffentlichung als bedeutender Philosoph unseres Jahrhunderts erkennbar - in einem Werk von überraschender Aktualität.
Von 1901 bis 1904, während seiner frühen Straßburger Jahre als Privatdozent für neutestamentliche Theologie, hat Albert Schweitzer 33 Gespräche über das Neue Testament in einem elsässischen Kirchenblatt erscheinen lassen. Winfried Döbertin hat sie hier einem breiten Leserkreis zugänglich gemacht. Die Gespräche bieten nach dem Urteil des Bonner Theologen Erich Gräßer nichts Geringeres als eine Einführung in das "Verständnis vom Wesen des Christentums", wie es "in dieser geschlossenen, allgemein verständlichen Form nicht gab".