Ausdeutschen

Roman
Angebot€16,99
Sofort lieferbar
Versandbereit. Lieferung: Sa, 10.10. – Mo, 12.10.

Nur noch 2 Stück auf Lager!
Hardcover
✓Versandkostenfrei · 14 Tage Widerrufsrecht
✓Sicher bezahlen – auch auf Rechnung mit Klarna
PayPal Klarna Visa Mastercard Maestro Apple Pay Google Pay
Inhaltsangabe

Ausdeutschen. »Habe ich schon von meinem Großvater erzählt, der genausogut mein Urgroßvater hätte sein können? Der immer ausdeutschen sagte, das werde ich Euch schon ausdeutschen. Der damit meinte, etwas deutlich und mit Nachdruck erklären.«

Seinen südbayerischen Starnberger Kosmos und die Stadt München hat der Autor Andreas Neumeister mit seinem dritten Buch Ausdeutschen verlassen: um das neue Berlin nach dem Mauerfall zu erkunden, Berlin im wiedervereinigten Deutschland – und Deutschland in Europa. Geblieben ist aber bei diesem Ausdeutungs- und Ausdeutschungsversuch der kritische Zeitgeistchronist und Bewußtseinsarchäologe seiner Generation. War Salz im Blut noch das München-Buch eines anarchischen Stadtethnologen, der »die letzten Abenteuer des 20. Jahrhunderts« festhalten wollte, so setzt Andreas Neumeisters Ausdeutschen die Archivierung neuer Erfahrungen fort: »Westberlin als West-Berlin ist in sechs Stunden definitiv Geschichte, soll ab morgen wieder Berliner Westen heißen.«

Mit wachem Blick macht sich Neumeisters erzählendes und fotografierendes Ich auf den Weg, um das neue Deutschland zwischen alter und neuer Zeitrechnung – im Winter 1990/91 – literarisch auszuforschen. Und so radikal, wie sich die Wirklichkeit verändert hat, so radikal und sprachwütig-assoziativ ist Andreas Neumeisters Sprachästhetik des Ausdeutschens.

»Zeitmaschinen, Geschichtskompressoren, ausholen, die Jahrhunderte in großen Schritten durchmessen: vom hundersten ins tausendste kommen und wieder ins zwanzigste zurück.«

Auf dem Atlas und auf Reisen, bevorzugt mit der Reichsbahn, vermißt er, ständig auf dem Sprung durch Geschichte und Geographie, die neue Nähe, wirft dieser popgeschulte Topograf seine bizarren Sprach-Blicke auf wieder aufgetauchte Städte und Landschaften, hetzt dieser neugierige »Weltbildfotograf« durchs aufgescheuchte Berlin, denn »alles, was heute geschieht, erhebt Anspruch auf Bedeutung«.

Ob er sich in Thüringen, an den mecklenburgischen Seen oder in Ungarn bewegt, Berliner Kleingartenanlagen durchbuchstabiert, Kindheitserinnerungen aufblitzen läßt oder über neue Medien und neue Weltordnungen scheinbar paradox räsoniert – unter dem respektlosen Blick des »Komparatisten« Andreas Neumeister wird jüngste Geschichte ausgedeutscht.

»Geschichte kommt womöglich von schichten, vom Aufeinanderschichten chronologisch geordneter Schichten. Ohne den Tag von Potsdam hätte es Potsdam nie gegeben. Ohne Jalta hätte es Potsdam nie gegeben. Ohne München wäre es zu Jalta nie gekommen. Ohne Potsdam wäre es zu West-Berlin nie gekommen. Die Geschichte kennt keinen Konjunktiv, mag sein, aber der Konjunktiv kennt viele folgenreiche Geschichten.«

Produktdetails
  • Erscheinungsdatum: 08.03.1994
  • Autor/Autorin: Andreas Neumeister
  • Einband: Hardcover
  • Auflage: 1
  • Verlag: Suhrkamp
  • Sprache: Deutsch
  • Größe (L/B/H): 205/125/18 mm
  • Seitenanzahl: 132
  • ISBN: 9783518405789
Pressestimmen
»Wirklichkeits-Hopping ist das, was Neumeister betreibt – schwerelos springt er von einem Ort zum nächsten, Geschichte gerinnt zur Autobiographie, und das eigene Leben wird erst bedeutend im Allgemeinen. Bücher wie Ausdeutschen spiegeln weniger eine Zeit als vielmehr ein Zeitgefühl wider: rasant wie Popsongs, cool vorgetragen, mit einem Hauch von Melancholie in der Stimme.«
Friedrich Ani, Bayerischer Rundfunk
Herstellerinformationen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de
Tel: +49 30 740 744 0

Weitere Bücher von Andreas Neumeister

Angela Davis löscht ihre Website

€3,95

»Erst wenn schließlich auch die Werbeblöcke gestrichen werden,« so eine zuverlässige Faustregel, »ist die Sache wirklich ernst.« Eine weltmachterschütternde Kamikaze-Aktion oder wenigstens ein rekordverdächtiger Amoklauf vor der eigenen Haustür – es muß knüppeldick kommen, um die tägliche Infotainment-Maschinerie aus dem Takt zu bringen. »Das System, in dem wir leben«, ist auf den ersten Blick mehr ein mediales als ein politisch-ökonomisches. Auf den zweiten Blick ist beides identisch.

In »Angela Davis löscht ihre Website« verbinden sich politisches Denken und Pop, der forcierte Blick auf die Gegenwarts-Oberfläche und dessen ständige Infragestellung vor dem Hintergrund der Historie auf. »Vortäuschung falscher Tatsachen«, so die Frage, »oder Vortäuschung richtiger Tatsachen?« Schwer zu durchschauen – gerade angesichts von Gewalt und kriegerischer Auseinandersetzung und ihren jeweiligen Rechtfertigungen –, was Realität ist, was Medienrealität, was auslösende Gewalt, was angeblich gerechte »Vergeltung der Vergeltung der Vergeltung«.

»Gibt es die neue Weltordnung schon?« In »Angela Davis löscht ihre Website« geht es um nichts Geringeres als um »das Zeitalter, in dem wir leben/ die Epoche, in der wir leben«, in der Gegensätze und Haltungen mitunter ununterscheidbar geworden sind; Veronas Welt und Sofies Welt stehen ebenso selbstverständlich nebeneinander wie MTV und CNN. »Kriegsfilm?/ Antikriegsfilm?/ Kriegsberichterstattung?« heißt es wiederholt aus dem Off, denn es gilt die unmißverständliche Losung: »seit 5 Uhr 45 wird zurückgefragt.«

Zum Buch
1 / 2