Anatomie eines Genozids

Vom Leben und Sterben einer Stadt namens Buczacz
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Inhaltsangabe

Buczacz war jahrhundertelang eine vielsprachige Kleinstadt in einer osteuropäischen Grenzregion. Als die polnischen und ukrainischen Nationalbewegungen sich gegen die imperiale Macht auflehnten, geriet eine Gruppe zwischen alle Fronten: die Juden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie zu den Leidtragenden einer gescheiterten Minderheitenpolitik.

1942/1943 richteten sich die Angehörigen der deutschen Besatzungsmacht mit ihren Familien in der Stadt ein. Angestellte der Firma Ackermann, die bei Brückenarbeiten die Erschießung jüdischer Zwangsarbeiter mitansehen. Oder eine Frau wie Berta Herzig, die ein jüdisches Kindermädchen beschäftigt und sich mit Henriette Lissberg, der Frau des Landkommissars, die Friseurin teilt. Ungerührt genießen sie die idyllische Provinz. Etwa 10 000 Juden wurden damals in Buczacz umgebracht – vor aller Augen.

Ausgehend von einem Gespräch mit der Mutter in Tel Aviv kurz vor ihrem Tod, beginnt Bartov seine Recherchen, die ihn durch unzählige Archive führen. Seine glänzend geschriebene Mikrogeschichte der ostgalizischen Stadt ist ein Meilenstein der Holocaust-Forschung.
Produktdetails
  • Erscheinungsdatum: 30.03.2021
  • Autor/Autorin: Omer Bartov
  • Übersetzung: Anselm Bühling (aus dem Englischen)
  • Einband: Hardcover
  • Auflage: 2
  • Verlag: Jüdischer Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • Größe (L/B/H): 220/145/30 mm
  • Seitenanzahl: 486
  • ISBN: 9783633543090
Pressestimmen
»... in seiner erschütternden Studie Anatomie eines Genozids hat [Bartov] den jüdischen Bewohnern der Kleinstadt [Buczacz] ein bleibendes Denkmal gesetzt.«
Judith Leister, Neue Zürcher Zeitung, 7. Oktober 2021
»Omer Bartovs Studie ist zugleich Analyse und Gedenkbuch.«
Fabian Wolff, Deutschlandfunk Kultur, 19. Juli 2021
»Die Formen, die Bartov nutzt ... geben seinem Buch eine große Plastizität und Überzeugungskraft. Der Eindruck ist umso stärker, als man dank seiner akribischen Rekonstruktion jener Zeit schnell die Allgemeingültigkeit des Beschriebenen erkennt.«
Marta Kijowska, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Juli 2021
»Das Buch Anatomie eines Genozids. Vom Leben und Sterben einer Stadt namens Buczacz des israelischen Historikers Omer Bartov ist in seinen grausamen Details eine verstörende Lektüre. Aber es ist auch ein brillant recherchiertes und geschriebenes Buch. Und es ist als Mahnung sehr aktuell angesichts der Zunahme antisemitischer Stimmen auch in Deutschland.«
faz.net, 17. Juni 2021
»Bartovs Anatomie eines Genozids bezieht seine Wucht aus der multiperspektivischen Schilderung ...«
Stefan Winkler, Kleine Zeitung Graz, 9. Mai 2021
»Das Buch ist gut komponiert und flüssig geschrieben, es stützt sich auf Umsicht scharfe Analyse.«
Jörg Später, taz. die tageszeitung, 25. April 2021
»Eindringlich erzählt der Historiker Omer Bartov über den Alltag des Terrors in Ostgalizien.«
Matthias Arning, Frankfurter Rundschau, 22. April 2021
»Bartov hat der Stadt Buczacz und ihrer jahrhundertalten jüdischen Gemeinde seinem Buch in der Tat ein Schriftdenkmal gesetzt, ... das so eindrucksvoll wie beklemmend an eine von Deutschen innerhalb weniger Monate fast vollständig ausgelöschte einst lebendige Gemeinschaft erinnert.«
René Schlott, Süddeutsche Zeitung, 6. April 2021
»... [Es gelingt] Bartov, nah an Menschen heranzukommen, die längst tot sind - an Opfer wie Täter und an die, die beides waren. Er zeigt, wozu unsere Spezies fähig ist. Und wie dennoch auch im größten Grauen Menschlichkeit überlebt.«
NZZ Geschichte, 1. April 2021
Herstellerinformationen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de
Tel: +49 30 740 744 0

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Genozid, Holocaust und Israel-Palästina

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2021 veröffentlichte der israelisch-amerikanische Historiker Omer Bartov seine grundlegende Anatomie eines Genozids über die Zerstörung des jüdischen Lebens in der Vielvölkerstadt Buczacz 1942/43 mit über 10.000 vor aller Augen ermordeten Jüdinnen und Juden. Die Mutter des Autors konnte mit ihrer Familie noch rechtzeitig ins damalige britische Palästina fliehen. Kurz vor ihrem Tod berichtete sie dem Sohn über ihre Heimatstadt, »vom Leben und Sterben einer Stadt«, wie es im Untertitel heißt. Die Geschichte des Genozids ist zugleich Lebensgeschichte. Was der Historiker Omer Bartov erforscht, hat unmittelbar mit ihm, seiner Familie, mit seinem Heimatland Israel zu tun.

Diese doppelte Perspektive nimmt Bartov in seinem neuen Buch ein und deutet Begriffe und Perspektiven von all dem, was ihn seit Jahrzehnten beschäftigt: die Einzigartigkeit des Holocaust, die Entstehung des Begriffs »Genozid«, die Geografie Ost- und Mitteleuropas, sein Heranwachsen in einer Gesellschaft von Holocaustüberlebenden im Israel der 1950er Jahre, die Auseinandersetzung zwischen Arabern und Juden, die »Nakba« von 1948, die verheerenden Flüchtlingskrisen, die Kriege in der Region seitdem. In diesen fünf Perspektiven entfaltet Bartov eine Selbstbetrachtung wie das eigene Forschungsfeld. Sein Buch erschien wenige Tage vor dem 7. Oktober 2023, dem Massaker der Hamas und dem nachfolgenden Krieg zwischen der Terrororganisation und Israel. Der Autor hat seine Selbstbetrachtung um diese drängende Gegenwart von Krieg und massenhaftem Sterben erweitert.
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