Mark Spörrle ist ZEIT-Redakteur und schreibt satirisch-humorvolle Bücher über den irrwitzigen Alltag. Sein Bahn-Überlebensführer «Senk ju vor träwelling», verfasst mit Lutz Schumacher, stand über ein Jahr unter den Top 20 der Spiegel-Bestsellerliste. Im Rowohlt Verlag erschienen zuletzt seine Satirensammlungen «Ist der Herd wirklich aus?», «Wer hat meine Hemden geschrumpft?» und «Aber dieses Jahr schenken wir uns nichts!». Mark Spörrle ist Autor der Hamburg-Kolumne «Warum funktioniert das nicht?» in der ZEIT.
Landleben? Ist kein Ponyhof. Morgens um vier ist die Welt auf dem Land noch in Ordnung. Ab vier Uhr einundzwanzig kräht der Hahn des Nachbarn, unermüdlich und erbarmungslos. Für Familie Paulmann, die aus der Stadt ins Grüne gezogen ist, wird das Idyll zur Nervenprobe. Während der unverschämte Vogel für Psychologin Anna toxische Männlichkeit verkörpert, kann ihr Mann Sascha den krähenden Hahn als Nachhaltigkeitsmanager ganz gut gebrauchen: Für den Imagefilm über die angebliche Idylle des Lebens auf dem Land, für den er das alte Haus in Rekordzeit mit Wärmepumpe, Solardach & Co nachrüsten müsste. Und als Anna ein Boot kauft, um wenigstens auf dem See Ruhe zu finden, klappt nicht mal das: Ein einheimischer Rechthaber behauptet, der Steg sei seiner. Das Filmteam kommt in zehn Tagen. Die Schwiegereltern sind schon da. Und der Hahn kräht. Wie lange noch?