Barry M. Prizant zählt zu den weltweit führenden Autismusexperten. Seit über 50 Jahren arbeitet der Sprachtherapeut und Forscher mit autistischen Menschen. Er lehrt an der University of Rhode Island.
»Muss ich jetzt Angst haben?«, fragt ein Schulleiter, dessen neunjähriger Sohn gerade die Diagnose Autismus bekommen hat. Solche Fragen hört Barry M. Prizant fast jede Woche. Seit mehr als 50 Jahren begleitet der international renommierte Autismusexperte autistische Menschen und ihre Familien. Immer wieder erlebt er, wie Eltern zwischen widersprüchlichen Ratschlägen und Therapieversprechen das Vertrauen in ihr eigenes Gespür verlieren. Warum flattert ein Kind mit den Händen? Warum wiederholt es immer wieder dieselben Sätze oder gerät außer sich, wenn sich der Tagesablauf ändert? Lange galt solches Verhalten als Symptom, das man abtrainieren muss. Prizant fragt stattdessen nach dem Warum – und danach, welchen Zweck ein Verhalten erfüllt. Das Flattern kann helfen, Aufregung und Stress zu regulieren. Die wiederholten Sätze sind ein Weg, sich mitzuteilen. Und ein Ausbruch kann eine Reaktion auf Angst und Unsicherheit sein. Für Prizant ist Autismus keine Krankheit, sondern eine andere Art, Mensch zu sein. Es geht also nicht darum, autistische Menschen zu verändern, sondern darum, sie zu...