Bücher

Yesteryear: Was hinter dem Tradwife-Roman von BookTok steckt

»Yesteryear« von Caro Claire Burke in einer Landhausküche, daneben Kirschkuchen, Eier, Wiesenblumen und ein Ringlicht mit Smartphone

»Yesteryear« von Caro Claire Burke erzählt von einer Influencerin, die ihr Leben als perfekte Hausfrau auf einer Farm in Idaho an Millionen Follower verkauft. Seit April 2026 liegt der Roman auf Deutsch vor, in der offiziellen #BookTok-Bestsellerliste für August stand er auf Platz 8, und Anne Hathaway soll in der Verfilmung die Hauptrolle spielen. Wir erklären den Tradwife-Trend hinter dem Buch und zeigen, was die Leseprobe über den Roman verrät, ohne die Wendungen vorwegzunehmen.

Die 40-seitige Leseprobe von Heyne haben wir vollständig gelesen. Ausgabedaten entnehmen wir dem VLB, dem Verzeichnis lieferbarer Bücher, die Zahlen zum Tradwife-Trend aus einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, die Angaben zur Verfilmung und zur US-Ausgabe aus Wikipedia und Branchenberichten.

Worum es in »Yesteryear« geht

Yesteryear von Caro Claire Burke, gebundene Ausgabe bei Heyne
Gebunden, 464 Seiten

Natalie Heller Mills ist 32, im sechsten Monat schwanger mit ihrem sechsten Kind und hat gerade die Marke von fünf Millionen Followern auf Instagram geknackt. Mit ihrem Mann Caleb lebt sie auf einer Ranch in Idaho, am Ende einer fünf Meilen langen Schotterstraße; Calebs Vater ist US-Senator und kandidiert zum dritten Mal für die Präsidentschaft. Ihre Videos zeigen Sauerteigbrot, Hühner und selbst gepressten Orangensaft. Außerhalb des Bildausschnitts arbeiten zwei Nannys, eine Produzentin mit Kamera und in der Saison mehrere Farmhelfer. Nanny Louise unterrichtet die Kinder zugleich zu Hause; Produzentin Shannon kam mit 19 auf die Ranch.

Der Klappentext formuliert die Wendung als Frage: Was wäre, wenn Natalie eines Tages aufwacht und das Leben führen muss, das sie im Netz immer nur vorgespielt hat, ohne Nannys und ohne Produktionsteam? Mehr verraten wir nicht. Mehrere Kritiken heben ausdrücklich die Auflösung am Ende hervor.

»Yesteryear« ist übrigens Natalies Marke. Unter »Yesteryear Ranch« verkauft sie online Schneidebretter, Salzmischungen und Wandfarbe in den Tönen Homestead, Pioneer und Cowgirl. Das für 120 Dollar verkaufte Kirschholzbrett wird laut Leseprobe in Brasilien hergestellt.

Was die Leseprobe zeigt

Der Roman beginnt mit Natalies Satz, dieser Tag sei »der letzte Tag des Lebens, wie ich es mir immer vorgestellt habe«. Erzählt wird in der Ich-Form, und zwischen den Szenen stehen kursive Interviewfragen, auf die Natalie mit einstudierten Antworten reagiert. Auf die Frage, warum sie nie die helfenden Hände hinter den Kulissen zeige, antwortet sie, man wolle die Privatsphäre der Angestellten schützen.

So stehen zwei Fassungen nebeneinander: die Szene mit Streit um den Kamerawinkel und quengelnden Kindern, dagegen die polierte Antwort fürs Publikum. Ihre Kritikerinnen im Netz nennen Natalie und Caleb unter sich »die Wütenden Weiber«; Natalie antwortet ihnen von sechs anonymen Fake-Accounts aus. Als ihre zwölfjährige Tochter Clementine fragt, was eine Tradwife sei, erklärt die Mutter, »trad« stehe für »traditional«, sie führten eben eine traditionelle Ehe.

Mehrere Interviewfragen drehen sich um die Kinder: wie es sich anfühle, dass Millionen Fremde intime Details über sie kennen, und ob Kinder überhaupt einwilligen können, dass Bilder von ihnen öffentlich gezeigt werden. Natalie weicht aus, verweist auf Studien zur Bildschirmzeit oder entschuldigt sich zur Toilette.

Natalies innere Stimme ist deutlich derber als der Ton ihrer Videos. In Gedanken beschimpft sie andere Frauen mit drastischen Ausdrücken und bittet Gott im nächsten Satz um Verzeihung. Auch dass sie in Harvard Religionswissenschaft studiert hat, erwähnt sie nur für sich. Der erste Teil des Romans trägt die Überschrift »Vergangenheit«, der zweite »Gegenwart«; wo die Leseprobe endet, beginnt Teil zwei.

Tradwives: der Trend hinter dem Roman

»Tradwife« ist die Kurzform von »traditional wife«. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung beschreibt Tradwives als Influencerinnen, die in sozialen Medien traditionelle Geschlechterrollen idealisieren und Weiblichkeit, Mutterschaft und Sorgearbeit in den Mittelpunkt stellen.

Wie verbreitet tradwife-ähnliche Einstellungen unter jungen Frauen sind, hat dasselbe Institut im Oktober 2025 veröffentlicht. Ausgewertet wurden Angaben von 2.709 Frauen zwischen 20 und 30 Jahren aus dem familiendemografischen Panel FReDA, erhoben 2021 und 2023. Mit 62,2 Prozent vertritt die deutliche Mehrheit ein egalitäres Rollenbild und befürwortet eine partnerschaftliche Aufteilung von Beruf und Familie. 19,3 Prozent unterstützen Gleichberechtigung im Grundsatz, halten eine Vollzeitbeschäftigung von Müttern aber für schlecht vereinbar mit den Bedürfnissen der Kinder. Die tradwife-orientierte Gruppe ist mit 18,5 Prozent die kleinste der drei: Sie sieht die Erwerbstätigkeit von Müttern eher als Nachteil für Kinder und findet, dass Frauen die Sorgearbeit vor den Beruf stellen sollten. Traditionelle Rollenbilder seien auf Social Media zwar reichweitenstark, prägten im realen Leben aber nur eine Minderheit, so das Fazit des BiB.

Im Roman gehören Überzeugung und Geschäft zusammen: Natalie verkauft über ihren Onlineshop, was in ihren Videos vorkommt, von der Schürze bis zum Schmortopf.

Von TikTok in die Bestsellerlisten

Caro Claire Burke hatte sich vor ihrem Debüt auf TikTok mit Feminismus und Tradwife-Kultur beschäftigt und dort eine Anhängerschaft aufgebaut; mit Katie Gatti Tassin moderiert sie den Podcast »Diabolical Lies«. Um die Rechte boten 15 Verlage; im Juni 2024 erhielt Knopf den Zuschlag. In den USA erschien »Yesteryear« am 7. April 2026 und wurde für den Buchclub von »Good Morning America« ausgewählt.

Auf Deutsch kam das E-Book am selben Tag heraus wie das amerikanische Original. Am 27. April folgte das Hörbuch, am 29. April die gebundene Ausgabe; übersetzt haben Dietlind Falk und Lisa Kögeböhn. Die Leseprobe auf der Produktseite stammt bereits aus der 9. Auflage des Hardcovers. In der offiziellen #BookTok-Liste von Media Control und TikTok für August 2026 stand der Roman auf Platz 8, eingerahmt von zwei Bänden der Thriller-Reihe von S.T. Abby.

Anne Hathaway und die Verfilmung

Die Filmrechte hatte sich Amazon MGM Studios schon im Juli 2024 gesichert, knapp zwei Jahre vor Erscheinen des Buches. Anne Hathaway soll die Hauptrolle spielen und mitproduzieren; das Drehbuch schreibt Hannah Friedman. Einen Starttermin gibt es nicht; das Projekt ist in der Entwicklung.

Was die Kritik sagt

Die deutschsprachigen Stimmen, die der Verlag zitiert, loben vor allem den bösen Ton. Zeit Online nennt das Buch »einen genial bösen Roman« über Tradwives, die NZZ am Sonntag beschreibt, wie die Idylle in der Bauernküche »richtig creepy« wird, und Spiegel Online lobt einen Plot Twist, der »wirklich sehr, sehr gut« sei. Auch die englischsprachigen Kritiken fielen nach der Auswertung des Rezensionsportals Book Marks überwiegend positiv aus. Es gab aber deutliche Einwände; bemängelt wurde unter anderem eine zu oberflächliche Auseinandersetzung mit den Themen, die der Roman anreißt.

Lesen oder hören?

Yesteryear von Caro Claire Burke als E-Book
E-Book
Yesteryear von Caro Claire Burke als Hörbuch, gelesen von Lisa Hrdina
Hörbuch

Die gebundene Ausgabe hat 464 Seiten und steckt, so der Verlag, in einem bedruckten Transparentumschlag. Als E-Book liegt der Roman im EPUB-Format mit Wasserzeichen vor; das VLB gibt dafür 464 Druckseiten an. Lisa Hrdina liest das Hörbuch ungekürzt, in 14 Stunden und 35 Minuten.

Ausgaben von »Yesteryear« bei CineBuch, Stand 21. September 2026
Ausgabe Umfang Erschienen Preis
E-Book 464 Seiten 07.04.2026 23,99 €
Hörbuch-Download 14:35 Std. 27.04.2026 25,95 €
Gebunden 464 Seiten 29.04.2026 24,00 €

Unsere Empfehlung

»Yesteryear« passt zu Leserinnen und Lesern, die Satire über Social Media mögen und bei perfekten Videos gern fragen, wer hinter der Kamera steht. Genau mit dieser Lücke zwischen Bild und Wirklichkeit arbeitet schon die Leseprobe. Sie zeigt, wie solche Videos entstehen: Natalie stellt sich ans Küchenfenster, weil das Licht sie jünger aussehen lässt, und ein Brot, an dem sie vier Stunden arbeitet, geht als Zeitraffer von 30 Sekunden online.

Wer lieber hört, bekommt mit der Lesung von Lisa Hrdina den vollständigen Text. Als Vergleich nennt der Verlag unter anderem Rebecca F. Kuangs »Yellowface«, einen Roman über den Literaturbetrieb.

Für eine gemütliche Farmgeschichte ist der Roman die falsche Wahl: Schon die Leseprobe zeigt Natalies Gedanken hart und abwertend und deutet dunklere Entwicklungen an.

Stand: 21. September 2026. Ausgaben, Termine, Übersetzung, Sprecherin und Spieldauer: VLB und Produktdaten von Heyne und Random House Audio; Leseprobe: Heyne, ISBN 978-3-453-27535-5, 9. Auflage. #BookTok-Bestsellerliste August 2026: Media Control und TikTok via Börsenblatt. Tradwife-Studie: Sabine Diabaté und Leonie Kleinschrot, BiB.Aktuell 8/2025, und Pressemitteilung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung vom 22. Oktober 2025. Autorin, US-Ausgabe und Verfilmung: Wikipedia, Yesteryear (novel), Deadline (Juli 2024) und Variety. Englischsprachige Kritiken: Book Marks (Literary Hub). Pressestimmen laut Verlag. Alle drei Ausgaben von »Yesteryear« in unserem Katalog sind in diesem Beitrag verlinkt.

Hinterlasse einen Kommentar

Alle Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.

Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.

Weiterlesen

Die letzte Kolonie von Philippe Sands auf einem Schreibtisch, daneben ein Globus mit Afrika und dem Indischen Ozean