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»Das Geisterhaus« geht weiter: Allende gewinnt dafür eine Million Euro

Buchcover von »Das Geisterhaus« von Isabel Allende vor einer alten Hauswand mit Palmenschatten und einem Fenster, hinter dessen Gardine sich eine Frauengestalt abzeichnet

Isabel Allende hat »Das Geisterhaus« weitergeschrieben und damit unter falschem Namen einen der größten Literaturpreise der spanischsprachigen Welt gewonnen. Am Abend des 15. Oktober 2026 erhielt sie in Barcelona den Premio Planeta, dotiert mit einer Million Euro, für ihren Roman »La hora antes del alba«. Eingereicht hatte sie ihn unter dem Pseudonym Luz Ventura. Im Mittelpunkt steht Alba, die Enkelin von Clara und Esteban Trueba, 44 Jahre nach Erscheinen des ersten Romans. Was über das Buch bekannt ist, wann es auf Deutsch kommen könnte und was man bis dahin lesen sollte.

Grundlage sind Berichte der spanischen Nachrichtenagentur EFE und spanischer Zeitungen vom 15. und 16. Oktober 2026, die Angaben von Suhrkamp zu den deutschen Ausgaben sowie dpa. Wer »Das Geisterhaus« noch nicht kennt, kann weiterlesen: Wir verraten nichts vom Ende des ersten Romans.

Was bei der Gala in Barcelona passiert ist

Die Gala zum 75. Premio Planeta fand am Donnerstagabend auf dem Messegelände am Montjuïc statt, in Anwesenheit von König Felipe VI. und Königin Letizia; der König überreichte den Preis. 1.424 Romane waren eingereicht worden, so viele wie nie, neun kamen ins Finale. Als die Jury den Umschlag zu »Los que faltan« von »Luz Ventura« öffnete, stand dahinter Isabel Allende. Mit seiner Dotierung gehört der Preis zu den höchstdotierten Literaturpreisen der Welt; der zweite Platz, verbunden mit 200.000 Euro, ging an Sergio Hernández Carrasco aus Valencia für »La añoranza«. Allende ist die 21. Frau, die den Planeta gewinnt.

»Damit hatte ich nicht gerechnet, und schon gar nicht damit, dass alle aufstehen«, sagte die 84-Jährige nach Angaben der Agentur EFE. An einem Wettbewerb habe sie nie teilgenommen, um sich die Demütigung zu ersparen, als Letzte dazustehen. Diesmal sei sie das Risiko eingegangen: »In meinem Alter hat man sehr wenig zu verlieren.«

Worum es in der Fortsetzung »La hora antes del alba« geht

Buchcover Das Geisterhaus von Isabel Allende, Suhrkamp-Taschenbuch mit rosa Titelfeld und Foto eines Herrenhauses unter Palmen
»Das Geisterhaus«, Suhrkamp

Laut Planeta kehrt Allende in die Welt des »Geisterhauses« zurück und holt Alba Trueba zurück, die Enkelin von Clara und Esteban, und zwar nach den Ereignissen, mit denen der erste Roman endet. Erzählt wird ein neuer Abschnitt in Albas Leben; es geht nach Verlagsangaben um Erinnerung, Familie, Liebe, Frauen und die Fähigkeit, ein Leben neu aufzubauen. In ihrer Rede bei der Gala nannte Allende den Roman den Abschluss des »vielschichtigen Universums der Figuren aus dem ›Geisterhaus‹«.

Die Idee begleitet sie schon lange. »Seit dieser Roman 1982 erschienen ist, habe ich unzählige Nachrichten bekommen, in denen man mich fragte, was nach der letzten Seite aus Alba geworden ist«, sagte Allende laut EFE. In ihrer Rede fügte sie hinzu, jede Geschichte sei ein Samenkorn, irgendwann keime eines davon und lasse ihr keine Ruhe. Das Pseudonym Luz Ventura nannte sie eine Anspielung auf die »leuchtenden Frauen« des »Geisterhauses«; Ventura bedeute »vom Glück begünstigt und gesegnet«. Tatsächlich tragen die Frauen der Familie Namen, die für Weiß oder Licht stehen, Nívea, Clara, Blanca und Alba, und »alba« heißt im Spanischen auch Morgendämmerung. Der Titel des neuen Romans bedeutet sinngemäß »Die Stunde vor der Morgendämmerung«.

Wann erscheint der Roman auf Deutsch?

Planeta hat bislang keinen Erscheinungstermin und keinen Preis genannt; eine deutsche Ausgabe ist noch nicht angekündigt. Mit dem Roman wechselt Allende nach 44 Jahren bei Plaza & Janés zu Planeta. Nach Verlagsangaben ist ihr gesamtes Werk auf Deutsch bei Suhrkamp erschienen, zuletzt im August 2026 »Unsere Geschichten«, ein Buch über ihr Schreiben. Ob Suhrkamp auch die Fortsetzung des »Geisterhauses« herausbringt und wann, hat der Verlag noch nicht mitgeteilt. Sobald es eine deutsche Ausgabe gibt, ergänzen wir sie hier.

Was man vorher lesen sollte

Für den neuen Roman reicht ein Buch: »Das Geisterhaus«. Allendes Debüt erschien 1982, auf Deutsch 1984 bei Suhrkamp, übersetzt von Anneliese Botond; das Taschenbuch hat 501 Seiten. Eine der Hauptfiguren ist Esteban Trueba, ein Mann aus einfachen Verhältnissen, der zu Vermögen und Macht kommt. Seine Verlobte Rosa del Valle stirbt jung, ihre Schwester Clara, die Katastrophen vorhersehen kann, wird seine Frau, und ihre Tochter Blanca verliebt sich in Pedro, den Sohn des Vorarbeiters. Über drei Generationen von Frauen erzählt Allende die Geschichte eines Landes, das im spanischen Original nie beim Namen genannt wird und doch erkennbar Chile ist, vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Zeit der Militärdiktatur.

Als Hörbuch hat der Hörverlag den Roman 2022 ungekürzt veröffentlicht, gelesen von Tanja Fornaro und Walter Kreye, mit einer Laufzeit von 18 Stunden 43 Minuten.

Die Familie del Valle in Allendes anderen Romanen

Allende ist der Familie aus dem »Geisterhaus« in mehreren Büchern treu geblieben. »Fortunas Tochter« von 1999 und »Porträt in Sepia« von 2000 spielen im 19. Jahrhundert und erzählen eine Vorgeschichte; in »Porträt in Sepia« taucht Severo del Valle auf, Claras Vater. Suhrkamp hat die drei Romane zeitweise als »Geisterhaus-Trilogie« angeboten, jeder lässt sich aber für sich lesen.

Auch »Mein Name ist Emi­lia del Valle« gehört zur selben Familie. Erschienen ist er im August 2025, seit September 2026 gibt es ihn als Taschenbuch; er spielt Jahrzehnte vor Clara im 19. Jahrhundert und ist unabhängig lesbar. Wer der Familie der Zeit nach folgen will, beginnt mit »Fortunas Tochter« und »Porträt in Sepia«, liest dann »Das Geisterhaus« und zuletzt den neuen Roman. Alle Titel der Autorin sammelt die Kollektion Bücher von Isabel Allende.

»Das Geisterhaus« als Serie und als Film

Erst im Frühjahr 2026 war der Stoff wieder präsent: Prime Video veröffentlichte die acht Folgen der spanischsprachigen Serie »Das Geisterhaus« zwischen dem 29. April und dem 13. Mai 2026. Gedreht wurde in Chile, Alfonso Herrera spielt Esteban Trueba, Rochi Hernández die Alba. Allende wirkte als Produzentin mit. Der Deutschen Presse-Agentur zufolge sagte sie dem Magazin »Vanity Fair« über das Ergebnis: »Ich konnte nicht aufhören zu weinen – so schön ist es geworden.« Von einer zweiten Staffel ist bislang nichts bekannt; eine Vorlage dafür gäbe es nun.

Schon 1993 kam eine Verfilmung ins Kino. Bille August führte Regie, Bernd Eichinger produzierte, und die Besetzung war prominent: Jeremy Irons als Esteban, Meryl Streep als Clara, Winona Ryder als Blanca, dazu Glenn Close und Antonio Banderas. Alba kommt in dieser Fassung nur als Kind vor, ihre eigene Geschichte hat der Film weitgehend ausgespart.

Chile ist Gastland der Buchmesse 2027

Die Auszeichnung kommt in einem Jahr, in dem Chile ohnehin in den Blick rückt. Das Land ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse vom 6. bis 10. Oktober 2027 und hat seinen Auftritt unter dem Motto »Chile, astros de tierra« eine Woche vor der Gala in Frankfurt vorgestellt. Buchmesse-Direktor Juergen Boos nannte Allende dabei neben Pablo Neruda und Gabriela Mistral als Teil der literarischen Tradition des Landes. Ob der neue Roman bis dahin auf Deutsch vorliegt, ist offen. Weitere Romane aus aller Welt finden sich in unserer Kollektion internationaler Literatur.

Ausgaben

In der Tabelle stehen die genannten Romane und Allendes jüngstes Buch »Unsere Geschichten« über ihr Schreiben, erschienen im August 2026. Weitere Familiengeschichten über mehrere Generationen finden sich bei unseren Familienromanen und Familiensagas.

Isabel Allende: die Familie del Valle und weitere Titel
Titel Ausgabe Termin Preis
Das Geister­haus Taschen­buch, 501 S. 9.3.1989 15,00 €
Fortunas Tochter gebunden, 705 S., Ü: Lieselotte Kolanoske, bei uns nicht erhältlich 2.8.2012 12,00 €
Porträt in Sepia gebunden, 582 S. 2.8.2012 12,00 €
Mein Name ist Emilia del Valle gebunden, 359 S. 5.8.2025 28,00 €
Mein Name ist Emilia del Valle Taschen­buch, 368 S. 8.9.2026 15,00 €
Mein Name ist Emilia del Valle E-Book 5.8.2025 14,99 €
Unsere Geschichten gebunden, 194 S. 20.8.2026 22,00 €
Unsere Geschichten E-Book 20.8.2026 18,99 €
Unsere Geschichten Hörbuch-Down­load, gelesen von Ruth Reinecke, 4 Std. 52 Min. 20.8.2026 14,95 €

Unsere Empfehlung

Wer »Das Geisterhaus« nie gelesen hat, hat jetzt den besten Anlass: Bis der neue Roman auf Deutsch erscheint, bleibt Zeit für die gut 500 Seiten. Wer es liest, bevor er Berichte über die Fortsetzung verfolgt, erlebt das Ende des ersten Romans ohne Vorwissen. Leserinnen und Leser, die das Buch kennen, aber lange nicht mehr in der Hand hatten, lesen es vor der Fortsetzung am besten noch einmal. Wie Allende arbeitet, beschreibt sie selbst in »Unsere Geschichten«.

Weniger passend ist der Einstieg über die Vorgeschichten für alle, die vor allem wissen wollen, wie es mit Alba weitergeht: Dafür braucht man nur das »Geisterhaus«. Wer danach mehr über Chile im 19. Jahrhundert lesen möchte, findet es in den Romanen um die Familie del Valle; weitere Geschichten aus früheren Zeiten stehen bei unseren historischen Romanen.

Stand: 16. Oktober 2026; Preise und Verfügbarkeit der 8 verlinkten Produkte stammen aus unserem Sortiment, »Fortunas Tochter« steht ohne Link in der Tabelle (Angaben: Suhrkamp). Preis, Pseudonym, Einreichungstitel, Finalist und Themen des Romans: Planeta, Pressemitteilung vom 15. Oktober 2026; El País, 15. Oktober 2026, RTVE, 15. Oktober 2026, Europa Press. Zitate Allendes: EFE, via La Tercera, 16. Oktober 2026, übersetzt von uns; Zitate aus Allendes Rede (Samenkorn, Luz Ventura, Abschluss der Geisterhaus-Figuren): Infobae, 15. Oktober 2026; Verlagswechsel: El País, RTVE, The Clinic, 15. Oktober 2026. Deutsche Erstausgabe 1984 und Übersetzerin: Deutsche Nationalbibliothek; deutsche Ausgaben, Seitenzahlen und Hörbuch: Suhrkamp, Der Hörverlag. Bedeutung der Frauennamen und Verfilmung 1993: deutsche Wikipedia. Serie: Börsenblatt, 27. März 2026, Serienjunkies, 29. April 2026, TV Movie, 13. Mai 2026; Allende-Zitat zur Serie und Eichinger: dpa, via Schwäbische Zeitung. Gastland Chile: Frankfurter Buchmesse, hessenschau, 8. Oktober 2026.

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