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East of Eden: Das Buch zur Serie und ob es die Hamiltons wirklich gab

Buch zur Netflix-Serie East of Eden: Taschenbuch »Jenseits von Eden« von John Steinbeck bei dtv neben dem Film von 1955 mit James Dean

Seit dem 1. Oktober 2026 läuft »East of Eden« bei Netflix, und schon in der ersten Woche stand die Miniserie nach den offiziellen Netflix-Zahlen weltweit auf Platz 1 der englischsprachigen Serien und in Deutschland auf Platz 1 aller Serien. Die Vorlage ist John Steinbecks Roman von 1952, auf Deutsch »Jenseits von Eden«. Geschrieben hat die Serie Zoe Kazan, die Enkelin des Regisseurs Elia Kazan, der 1955 den berühmten Film mit James Dean drehte. Der erzählte allerdings nur einen kleinen Teil des Buches. Wir zeigen, was im Roman steckt, welche Figuren es wirklich gab und welche deutschen Ausgaben es gibt.

Grundlage sind die offiziellen Top-10-Daten von Netflix, die Ankündigung des Streamingdienstes, Interviews mit Zoe Kazan, Steinbecks Arbeitstagebuch, Angaben der Steinbeck-Gedenkstätten in Salinas sowie die Titeldaten im VLB. Die Handlung verraten wir nicht.

»Jenseits von Eden«: das Buch zur Serie

Buchcover Jenseits von Eden von John Steinbeck bei dtv mit einem Foto von James Dean und Netflix-Hinweis
Die deutsche Taschenbuchausgabe, übersetzt von Harry Kahn, 736 Seiten

Auf Deutsch gibt es den Roman nur in einer Ausgabe: als Taschenbuch bei dtv in der Übersetzung von Harry Kahn, 736 Seiten. Der Verlag führt das Buch ausdrücklich als Buchvorlage zur Netflix-Serie. Im VLB ist es seit Anfang Oktober als vorübergehend nicht lieferbar gemeldet, während dtv auf seiner Website bereits die 25. Auflage als lieferbar führt. Eine neue Übersetzung, ein E-Book oder eine gebundene Neuausgabe gibt es laut VLB nicht.

Wer lieber zuhört, findet beim Hörverlag ein Hörspiel des NDR von 2021, gut neun Stunden lang, mit Ulrich Noethen als Erzähler und mehr als 40 Sprecherinnen und Sprechern. Eine ungekürzte Lesung des Romans ist im VLB nicht verzeichnet.

Harry Kahn, 1883 in Mainz geboren und 1970 in der Schweiz gestorben, war Schriftsteller, Dramaturg und Übersetzer. Seine Übersetzung erschien laut Wikipedia erstmals 1953 in Zürich; sie ist die einzige lieferbare deutsche Fassung, auch das NDR-Hörspiel beruht auf ihr.

Die Netflix-Serie: Gibt es eine zweite Staffel?

Eine zweite Staffel ist bisher nicht angekündigt, und sie wäre auch kaum nötig: Die Miniserie erzählt den Roman vollständig, in sieben Folgen, die alle am 1. Oktober erschienen sind. Zoe Kazan hat sie zusammen mit Jeb Stuart als Showrunnerin verantwortet, Regie führten Garth Davis und Laure de Clermont-Tonnerre, wie Netflix in seiner Ankündigung mitteilte. Florence Pugh spielt Cathy Ames, Christopher Abbott Adam Trask, Mike Faist dessen Bruder Charles und Hoon Lee den Hausangestellten Lee; Ciarán Hinds ist als Samuel Hamilton zu sehen. In der ersten Woche kam die Serie laut Netflix auf 6,5 Millionen Aufrufe, obwohl sie nur vier Tage lang lief.

Gedreht wurde allerdings nicht in Kalifornien, sondern in Neuseeland, unter anderem in Ōamaru und Dunedin.

Gab es die Hamiltons wirklich?

Ja, und das ist das Besondere an diesem Roman. Neben der erfundenen Familie Trask erzählt Steinbeck die Geschichte seiner eigenen Vorfahren. Samuel und Liza Hamilton, die im Salinas Valley eine Farm bewirtschaften, waren seine Großeltern mütterlicherseits, und ihre Tochter Olive, die Lehrerin wird, ist Steinbecks Mutter, wie die Bildungsplattform Steinbeck in the Schools erläutert. Steinbeck selbst tritt im Buch als Ich-Erzähler auf, der von seiner Familie berichtet.

Geschrieben hat er den Roman für seine beiden kleinen Söhne Thom und John. Als er im Januar 1951 mit der Arbeit begann, notierte er in seinem Arbeitstagebuch, er schreibe dieses Buch an seine Söhne; sie seien noch kleine Jungen und würden nie erfahren, woher sie kommen, wenn er es ihnen nicht erzähle, wie die Seite The Marginalian aus dem später veröffentlichten »Journal of a Novel« wiedergibt.

Den Schauplatz gibt es ebenfalls. Steinbeck wurde 1902 in Salinas geboren, in seinem Geburtshaus in der Central Avenue betreibt ein Verein ein Restaurant und bietet Führungen an, und ganz in der Nähe zeigt das National Steinbeck Center eine Ausstellung zu Leben und Werk.

Warum der Film mit James Dean nur einen Teil erzählt

Elia Kazans Film von 1955 verfilmte nur den vierten und letzten Teil des Romans. Für James Dean war es die erste große Filmrolle, und es ist der einzige seiner Hauptrollenfilme, den er noch selbst im Kino erleben konnte. Bei der Oscarverleihung 1956 wurde er nach seinem Tod als bester Hauptdarsteller nominiert, den Oscar als beste Nebendarstellerin gewann Jo Van Fleet.

Genau darauf verweist seine Enkelin. Der Film adaptiere einen so kleinen Teil des Buches und so frei, dass sie nicht das Gefühl gehabt habe, ihrem Großvater auf die Füße zu treten, sagte Zoe Kazan dem Branchenportal TheWrap. Der Washington Post erzählte sie laut einem Nachdruck in den Anchorage Daily News, ihre Liebe zu dem Buch sei unabhängig von der Beziehung ihres Großvaters zu dem Stoff. Und sie gab zu, bei aller Liebe zu Steinbeck habe der Roman einen recht langsamen Anfang.

Woher der Titel kommt

Der Titel stammt aus der Bibel. Nachdem Kain seinen Bruder Abel erschlagen hat, heißt es im ersten Buch Mose, Kapitel 4, Vers 16, in der Lutherbibel: »So ging Kain hinweg von dem Angesicht des HERRN und wohnte im Lande Nod, jenseits von Eden, gegen Osten.« Die Geschichte von den zwei Brüdern zieht sich durch den ganzen Roman, über zwei Generationen der Familie Trask.

Für viele Leser ist ein anderer Vers derselben Geschichte zum Kern des Buches geworden. In 1. Mose 4,7 sagt Gott zu Kain über die Sünde: »du aber herrsche über sie«. Im Roman dreht sich ein Gespräch um das hebräische Wort hinter dieser Stelle, das Steinbeck »Timshel« schreibt und mit »du magst« übersetzen lässt, also als eine Wahl, die der Mensch hat, wie das BYU Magazine erläutert. Ob Steinbecks Deutung sprachlich stimmt, ist unter Fachleuten umstritten, berühmt wurde sie trotzdem. Die britische Band Mumford & Sons nannte einen Song auf ihrem Debütalbum »Sigh No More« von 2009 danach; 2019 erhielt sie den Steinbeck Award.

Steinbecks wichtigstes Buch?

Steinbeck selbst hielt »Jenseits von Eden« für sein Hauptwerk. Er schrieb, es enthalte alles, was er in all den Jahren über sein Handwerk gelernt habe, und nannte es nach der Fertigstellung schlicht »das Buch«. Zehn Jahre nach dem Erscheinen, 1962, erhielt er den Literaturnobelpreis, laut Nobelstiftung für seine realistischen und fantasievollen Schriften, die mitfühlenden Humor mit scharfer sozialer Beobachtung verbinden.

Dass der Roman nicht nur in Deutschland neue Leser findet, zeigt ein Blick zurück: Als Oprah Winfrey ihn 2003 für ihren Buchclub auswählte, stieg er sofort auf Platz 1 und verkaufte sich im selben Jahr mehr als 1,6 Millionen Mal, berichtete Publishers Weekly.

Lesen, hören oder schauen?

Der Roman ist mit 736 Seiten ein langes Buch, wer ihn liest, bekommt aber die ganze Geschichte samt der Hamiltons und Steinbecks Erzählerstimme. Das NDR-Hörspiel erzählt ebenfalls die komplette Handlung, in gut neun Stunden und mit verteilten Rollen. Die Netflix-Serie braucht für denselben Stoff sieben Folgen und rund sieben Stunden. Der Film von 1955 dauert knapp zwei Stunden und konzentriert sich auf die beiden Brüder der jüngeren Generation; er ist als 4K-Blu-ray und als DVD erhältlich.

Wer nach »Jenseits von Eden« mehr von Steinbeck lesen möchte, findet in »Früchte des Zorns« seinen berühmtesten Roman über eine Farmerfamilie, die vor Dürre und Armut nach Kalifornien zieht, oder in der kurzen Erzählung »Von Mäusen und Menschen« eine Geschichte, die ebenfalls im Salinas Valley spielt.

Ausgaben

In der Tabelle stehen die deutsche Romanausgabe, das Hörspiel, der Film von 1955 und zwei weitere Romane Steinbecks. Das Hörspiel führen wir nicht, es ist mit dem Preis laut Verlag aufgeführt.

»Jenseits von Eden« als Buch, Hörspiel und Film sowie zwei weitere Romane von John Steinbeck; beim Hörspiel Preise laut Verlag
Titel Ausgabe Erschei­nungs­datum Preis
Jenseits von Eden, übersetzt von Harry Kahn Taschen­buch, 736 Seiten (bei uns am 9. Oktober 2026 nicht lieferbar; dtv nennt für die 25. Auflage 20,00 €) 1.11.­1987 18,00 €
Jenseits von Eden – Das Hörspiel (NDR) 8 CDs, 9 Std. 7 Min. (bei uns nicht erhältlich) 27.9.­2021 29,00 €
Jenseits von Eden – Das Hörspiel (NDR) Download, 9 Std. 7 Min. (bei uns nicht erhältlich) 27.9.­2021 19,95 €
Jenseits von Eden, Film von 1955 mit James Dean 4K UHD Blu-ray 30.11.­2023 27,90 €
Jenseits von Eden, Film von 1955 mit James Dean DVD, Special Edition 5.2.­2010 12,99 €
Früchte des Zorns, übersetzt von Klaus Lambrecht Taschen­buch, 544 Seiten 1.10.­1985 15,00 €
Von Mäusen und Menschen, übersetzt von Mirjam Pressler Taschen­buch, 208 Seiten 22.6.­2018 13,00 €

Unsere Empfehlung

Wer die Serie gesehen hat und wissen will, wie Steinbeck die Geschichte selbst erzählt, ist mit dem Roman am besten bedient: Vor allem die Kapitel über die Hamiltons und die Stimme des Erzählers, der über seine eigene Familie schreibt, geben dem Stoff eine Tiefe, die keine Verfilmung ganz einfangen kann. Wer erst einsteigen will, kann auch mit dem Hörspiel beginnen, das mit verteilten Rollen durch die lange Handlung trägt.

Weniger geeignet ist das Buch für Leser, die schnelle Spannung erwarten. Der Roman nimmt sich viel Zeit für Landschaft, Familiengeschichte und Gespräche, was selbst Zoe Kazan offen anspricht.

Stand: 9. Oktober 2026; Preise und Verfügbarkeit der 5 verlinkten Produkte stammen aus unserem Sortiment, beim Hörspiel nennen wir den Preis laut Verlag. Serie: Netflix (Ankündigung, Top 10 für die Woche vom 28. September bis 4. Oktober 2026), What's on Netflix, netzwelt.de und TV Movie (6. Oktober 2026); Drehorte: 1News, Newstalk ZB. Zoe Kazan: TheWrap und Washington Post (1. Oktober 2026). Roman, Ausgaben, Hörspiel: VLB, dtv, Der Hörverlag; Harry Kahn: Deutsches Literaturarchiv Marbach, Wikipedia. Hamiltons und Söhne: Steinbeck in the Schools, History.com, The Marginalian nach »Journal of a Novel«. Salinas: Steinbeck House, National Steinbeck Center. Film und Oscars: oscars.org, Wikipedia. Bibelverse: Lutherbibel 2017. Timshel: BYU Magazine, Wikipedia; Steinbeck Award. Steinbecks Zitate: Wikipedia nach Ditsky (1977) und Benson (1990). Nobelpreis: Nobelstiftung. Oprah's Book Club: Publishers Weekly (22. März 2004).

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